Ein gutes Team: Niebling-Geschäftsführer Christian Drexler (links) und Ausbilder Robert Doll (rechts) haben Akid Khaled (Mitte) während seiner gesamten Ausbildung unterstützt. Jetzt hat das Unternehmen einen engagierten Gesellen dazugewonnen.
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Ein gutes Team: Niebling-Geschäftsführer Christian Drexler (links) und Ausbilder Robert Doll (rechts) haben Akid Khaled (Mitte) während seiner gesamten Ausbildung unterstützt. Jetzt hat das Unternehmen einen engagierten Gesellen dazugewonnen.

Syrer beißt sich in Deutschland durch

Penzberger Firma Niebling: „Akid lassen wir nicht mehr gehen“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Ende 2015 kam Akid Khaled als Flüchtling nach Deutschland. Ohne Familie, ohne Beruf und ohne die Sprache zu sprechen. Gute fünf Jahre später hat er seinen Gesellenbrief in der Tasche, und sein Arbeitgeber, die Firma Niebling GmbH in Penzberg, möchte ihn nicht mehr gehen lassen. Eine Geschichte darüber, wie Integration gelingen kann, wenn alle Beteiligten es wirklich wollen.

Penzberg – Es war das Jahr der großen Flüchtlingskrise, als Akid Khaled nach Deutschland kam. Zuvor hatte der heute 32-Jährige, der in seinem Heimatland Syrien das Gymnasium absolviert und den Beruf des Kunstmalers erlernt hatte, bereits zweieinhalb Jahre im Irak gelebt. Seinen ursprünglich Beruf habe er hier natürlich nicht ausüben können, erzählt er. Also habe er sich Arbeit als Metallschweißer gesucht. Und wenn Khaled heute von dieser Zeit im Irak erzählt, ahnt man schon, warum er in Deutschland seine Lehre zum Zerspanungsmechaniker bei der Niebling GmbH in Penzberg jetzt erfolgreich abschließen konnte – allen Widrigkeiten zum Trotz: Man ahnt, dass da einer vor einem sitzt, der es schaffen will in Deutschland oder wo auch immer. Der einen Beruf ausüben möchte. Geld verdienen. Leben.

Die erste Zeit in Deutschland war hart

Die erste Zeit in Deutschland sei hart gewesen, erinnert sich Khaled, der seine Frau und seinen Sohn nach Deutschland nachholte und mit ihnen mittlerweile in Penzberg wohnt. Vor allem mit der Sprache habe er sich sehr schwer getan. Doch Mitarbeitern von Arbeitsamt und Handwerkskammer fiel der ruhige Umgang des Syrers mit Maschinen und Werkzeugen auf und so kam es, dass er von Christian Drexler, dem Geschäftsführer der Firma Niebling GmbH, zum Probearbeiten eingeladen wurde. „Ganz still, präzise und fokussiert“, so erinnert sich Drexler, habe Khaled bei diesem Kurzpraktikum 2017 gearbeitet. Und obwohl er zu diesem Zeitpunkt so gut wie kein Deutsch sprach und auch noch keinen Deutschkurs besucht hatte, bot ihm Drexler eine Lehrstelle an.

Nicht aufgeben: Sprache lernen mit Tutorials und „Asterix und Obelix“

Zunächst, so erinnert sich Khaleds Ausbilder Robert Doll, sei die Verständigung schwierig gewesen. Aber der Syrer habe von Anfang an eigenständig gearbeitet. „Es hat nie Probleme gegeben.“ Die praktische Ausbildung lief also recht gut, doch in der Berufsschule kämpfte Khaled über viele Monate mit der deutschen Sprache. „Fast jeden Tag wollte ich aufhören“, erinnert er sich, und wer ihm zuhört, hat überhaupt keine Schwierigkeiten Khaled zu verstehen, so gut ist sein Deutsch schon geworden. Doch zunächst waren seine Schulnoten schlecht. Doch statt aufzugeben habe er sich nach der Schule zuhause hingesetzt und versucht, die Sprache zu lernen. Massenweise Tutorials bei YouTube habe er sich angeschaut oder „Asterix und Obelix“-Bücher gelesen. Und in der Arbeit habe er einfach drauflos geredet, erinnert er sich. „Einfach alles sagen“, glaubt Khaled, sei der beste Weg, eine fremde Sprache zu lernen. Die Hilfe eines Übersetzers habe er nie gebraucht. Darauf ist Khaled stolz. Sein Arbeitgeber habe dabei stets hinter ihm gestanden. „Er ist eigenständig, engagiert, kollegial und loyal und hat Freude an seiner Arbeit“, lobt ihn Geschäftsführer Drexler.

Lehre zum Zerspanungsmechaniker erfolgreich abgeschlossen

Gerade hat Khaled seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker beendet. Bei den Abschlussprüfungen habe er in Theorie und Praxis jeweils mit einer Note zwei abgeschlossen, erzählt Drexler. Seine Prüfungsergebnisse bekam Khaled genau an dem Tag, an dem er bei der Firma Niebling auch seinen Gesellenvertrag unterzeichnete, denn: „Den lassen wir nicht mehr gehen“, betont Drexler.

Nun will der frisch gebackene Geselle erst einmal ein Berufserfahrung sammeln und seine Sprachkenntnisse weiter verbessern. Dann könne er sich vorstellen, die Meisterschule zu besuchen, sagt Khaled. Sein Arbeitgeber werde ihn dabei unterstützen, versichert Drexler. Denn mit seiner Lebensgeschichte könne Khaled ein Vorbild für viele andere sein, und seine ruhige Art mache ihn sicherlich zu einem guten Ausbilder. Fort aus Penzberg möchte Khaled übrigens nicht. Die Stadt und ihr Umland seien zu seinem Zuhause geworden, sagt er. „Es gibt für mich keinen besseren Ort.“

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