Berät und vermittelt bei Problemen in der Schule: Der ehemalige Schulleiter der Penzberger Realschule, Johann Georg Schedler.
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Berät und vermittelt bei Problemen in der Schule: Der ehemalige Schulleiter der Penzberger Realschule, Johann Georg Schedler.

Ehemaliger Schulleiter der Realschule Penzberg

Johann Georg Schedler ist Anwalt und Mutmacher der Schüler

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Kindern und Jugendlichen bei Problemen in der Schule helfen: Das hat sich Johann Georg Schedler zur Aufgabe gemacht. Seit 2017 berät der ehemalige Schulleiter Schüler und Eltern ehrenamtlich bei Lernproblemen oder anderen Schulschwierigkeiten. Er weiß: Die Corona-Pandemie und das Online-Lernen zuhause ist für Kinder und Eltern derzeit eine riesige Belastung.

Penzberg – Die Angst geht um in vielen Familien. Die Angst vor der Zukunft. Dass der Nachwuchs im Homeschooling abgehängt werden könnte. Dass er dann die Schule nicht schafft. Dass er keinen Ausbildungsplatz bekommt. Dass diese Angst derzeit viele Eltern fest im Griff hat, erfährt Johann Georg Schedler bei seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Beratungslehrer für alle Schularten in Penzberg nahezu täglich. Regelmäßig bietet der ehemalige Leiter der Penzberger Realschule Sprechstunden im Penzberger Rathaus an, um Kindern und deren Eltern bei den unterschiedlichsten Schulproblemen zu helfen; etwa bei Lernproblemen oder bei Konflikten mit Lehrern oder Mitschülern. „Das ist mir eine Freude. Das ist mein Leben“, sagt der Vater dreier erwachsener Kinder. Wer Rat brauche, könne ihn telefonisch unter der Woche sogar täglich kontaktieren, um seine Probleme zu schildern. Dabei, betont Schedler, unterliege er immer der Schweigepflicht.

Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht

Manchmal reiche eine Stunde Beratung, um ein Problem zu lösen. Manchmal kämen Schüler aber auch über viele Wochen und Monate immer wieder zu ihm. Immer versuche er, gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu erarbeite, die Wogen zwischen Familie und Schule zu glätten oder an geeignete Fachstellen – etwa Psychologen oder Nachhilfelehrer – weiter zu vermitteln. „Ich verstehe mich durchaus als Mediator“, erklärt Schedler. In erster Linie sehe er sich aber als Anwalt der Schüler und ihrer Familien – und denen gehe es zurzeit oft gar nicht gut.

Beriet er vor Corona etwa zu Fragen zum Übertritt nach der vierten Klasse oder bei Leistungsproblemen der Kinder, so gehe es im derzeitigen Lockdown nahezu ausschließlich um Probleme im Zusammenhang mit dem Homeschooling. Viele Eltern seien am Rande ihrer Kräfte und fragten sich: „Wie sollen wir das durchstehen“, erzählt Schedler. „Viele Kinder und Eltern haben Angst“, hat er festgestellt. Durch das Online-Lernen zuhause hätten sich bestehende Schulprobleme in die Familien hinein verlagert. „Und sie verschärfen sich hier.“ Als Beispiel nennt Schedler Probleme mit dem Lernen. Arbeitsorganisation, Prioritäten setzen und den Überblick behalten: Das seien drei Fähigkeiten, zu denen Kinder erst ab einem gewissen Alter und auch nur nach und nach in der Lage seien. Die Eigenverantwortlichkeit, die von den Schülern im Homeschooling derzeit gefordert werde, findet er fatal, denn: „Das Kind lebt im Augenblick“, betont er. Seine Zukunft, und ob es irgendwann einen Beruf haben wird, seien für ein Kind „unendlich weit weg“. Schedler schätzt, dass rund ein Drittel der Schüler derzeit gefährdet sei, sich nicht mehr am Online-Unterricht zu beteiligen. Die soziale Isolation sowie Bewegungsmangel würden die Lage zusätzlich verschärfen. Dazu käme mitunter die fehlende technische Ausstattung in den Familien.

Die Eltern dagegen sorgten sich derzeit oft sehr um die Schulbildung und die Zukunftsperspektiven ihres Nachwuchses. Viele litten stark unter der Belastung zwischen Homeschooling, Familie und eigenem Beruf. Viele Eltern hätten zudem das Gefühl, dass die Schulen ihre Aufgaben nun einfach an die Eltern abschieben, so Schedler. Häufig werde auch ein fehlender Kontakt zu den Schulen beklagt.

Eltern rät er zu mehr Gelassenheit

Vor Corona sei die Schule ein „Ventil“ für die Familien gewesen, denn: „Die moderne Familie ist nicht mehr darauf angelegt, beständig beieinander zu sein.“ Durch den Lockdown säßen Kinder und Eltern nun aber oft in ihren Wohnungen auf engem Raum kontinuierlich beieinander, was Spannungen begünstige.

In dieser angespannten Stimmung möchte Schedler zwischen Kindern, Eltern und Schule vermitteln.

Eltern rät er dabei vor allem zu mehr Gelassenheit, denn: „Ein freiwilliger Rücktritt geht immer.“ Oft könne er Eltern allein durch Gespräche helfen, bei denen er versuche, die Situation zu „entdramatisieren“ und so „den Druck aus dem Kessel“ zu nehmen. „Und ich wünsche mir von den Schulen das Verständnis, dass diese außergewöhnliche Situation nicht durch Dauerfeuer zu lösen ist“, sagt der 70-Jährige und spielt damit beispielsweise auf die Fülle an E-Mails von Schulen und Lehrern an, die Eltern und Kinder im Lockdown erhalten. Oder auf die Menge an Arbeitsaufträgen.

Und die Schüler? Für sie hat Schedler in dieser „außergewöhnlichen“ Situation derzeit nur lobende Worte parat: „Viele machen das alles ganz brav. Ich kann sie nur loben.“

Informationen

Ratsuchende können Johann Georg Schedler an Werktagen zwischen 9 und 18 Uhr anrufen (Telefon: 01 74/4 69 99 02) oder via Mail Kontakt aufnehmen (beratung.schedler@gmail.com). Nächste Beratungstermine im Rathaus (Finanzabteilung, Zimmer) sind am 11. März und 15. April jeweils ab 16 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Beratung richtet sich an Schüler und ihre Erziehungsberechtigten und ist kostenlos.

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