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Mit Müllsäcken auf den Stehpaddel-Brettern: der Penzberger André Wacke (stehend in der Mitte) und seine Mitstreiter auf der Loisach.

Loisach

Auf dem Stehpaddel-Brett  - wie der Penzberger André Wacke die Loisach säubert

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Die Loisach ist mit 113 Kilometern ein eher kurzer Fluss. Die Müllmengen, die darin schwimmen, sind aber enorm, auch wenn man sie auf den ersten Blick nicht sieht. Der Penzberger André Wacke (47) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Loisach vom Müll zu befreien – auf einem Stehpaddel-Brett.

Penzberg – André Wacke ist leidenschaftlicher Windsurfer. Und er ist Ausbilder für Stand-Up-Paddeln. Sein Revier sind der Kochelsee, der Walchensee und die Loisach. Ihn schmerzt es, Müll im Wasser zu sehen. Der 47-Jährige, braungebrannt, athletischer Körper, graue Strähnen in Haar und Bart, sitzt am vergangenen Donnerstag am Loisachufer bei Penzberg-Schönmühl, neben ihm sein Brett. Die Sammel-Premiere Ende Juli liegt gerade knapp drei Wochen zurück. Jedes Jahr will er die Aktion nun wiederholen. „Mein Fernziel ist eine nahezu müllfreie Loisach“, sagt er. Und er möchte andere Menschen anstacheln, an Flüssen liegenden Müll mitzunehmen.

Die Vorgeschichte begann vor zwei Jahren. Damals, erzählt der Penzberger, sei ein guter Freund von ihm, Pascal Rösler, über Isar und Donau von München nach Wien gepaddelt. Vergangenes Jahr setzte der Münchner seine Tour von Wien zum Schwarzen Meer fort. Er wollte damit auf das Müllproblem in den Flüssen aufmerksam machen und Geld für seinen Verein „Pure Water for Generations“ sammeln, der sich unter anderem für die Renaturierung von Flüssen einsetzt.

André Wacke hatte den Münchner damals ein Stück auf dem Stehpaddel begleitet. „Das hat mich inspiriert, etwas zu tun“, sagt der Penzberger. Und zwar vor der eigenen Haustür, hier an der Loisach, seinem Revier als Wassersportler. Zunächst habe er allein schauen wollen, ob er das stemmen kann. Er sprach mit dem Wasserwirtschaftsamt und den Landesbund für Vogelschutz, um ein Okay zu bekommen. „Sehr wünschenswert“ habe die Antwort gelautet. Der Markt Murnau sei sofort bereit gewesen, einen Müllcontainer aufzustellen. Dann bezog er befreundete Wassersportler ein, darunter den Donau-Paddler Pascal Rösler sowie Schüler seiner Windsurf- und StandUp-Paddel-Schule „Sunnawind“, die er 2009 gegründet hat. Auch die Wasserwacht holte der ausgebildete Rettungsschwimmer dazu – weil das Stand-Up-Paddeln auf Flüssen wegen Unterspülungen und Strömungen nicht ungefährlich ist.

15 Männer und Frauen brachen schließlich am 28. Juli zur Reinigungsaktion auf. Bei Ohlstadt schoben sie ihre Bretter ins Wasser, um die vier Kilometer bis Murnau vom Müll zu befreien. Das Stand-Up-Paddeln habe den Vorteil, dass man schnell hinunter- und hinaufsteigen sowie nach oben greifen kann, sagt André Wacke. Und man sieht stehend besser. Das ist hilfreich, weil der Müll oft in Ästen und Büschen am Ufer hängt. Ein Dutzend Säcke voller Müll sammelten sie in vier Stunden: von Damenbinden bis zum Rucksack und Wäscheständer. Vor allem fischten sie aber Plastik aus dem Wasser, mal als Fetzen, mal als Planen. Plastik, das sich „zersetzt und nach und nach zu Mikroplastik wird“. Dass André Wacke gerade diesen Loisach-Abschnitt auswählte, ist kein Zufall. Dort sei es am schlimmsten. Gerade auf der Strecke vor dem Kochelsee ist viel Müll zu finden. Er wundert sich selbst darüber. „Es kann doch nicht sein, dass ein Fluss kurz nach seinem Ursprung schon so extrem belastet ist.“

Die Aktion soll keine Eintagsfliege bleiben. Der 47-Jährige, der in Benediktbeuern geboren ist und seit seiner Kindheit in Penzberg lebt, will sie jedes Jahr am letzten Samstag im Juli wiederholen. Er geht davon aus, dass im nächsten Jahr mindestens 30 Leute dabei sind. Dann wird womöglich auch an mehreren Loisach-Abschnitten gesammelt.

André Wacke ist schon allein als Wassersportler an sauberen Flüssen interessiert, wie er sagt. So gehe es auch vielen anderen Wassersportlern, die an Isar oder den Seen im Oberland Müll einsammeln. André Wacke hat da einen guten Überblick als Kurs- und Tourenanbieter. Unabhängig von der Loisach-Reinigungsaktion will er sich nun auch in Pascal Röslers Verein „Pure Water for Generations“ engagieren. Ein neues Projekt, das Kinder den Umweltgedanken nahebringen soll, sieht einen Stand-Up-Paddel-Kurs für den Nachwuchs vor. Womöglich entsteht daraus ein Reservoir an künftigen Müll-Fischern.

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