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Die „Begegnungsstätte“ in der Rathauspassage schließt. Wie es weitergeht, ist unklar.

Unterstützerkreis „Asyl“

Aus für „Begegnungsstätte“

Das Aus ist besiegelt: Die Penzberger „Begegnungsstätte“ in der Rathauspassage hat am Freitag, 2. Juni, das letzte Mal geöffnet. Die ehrenamtlichen Helfer müssen die städtischen Räumlichkeiten räumen – dort zieht das Musikschule-Büro ein. Ihr bisheriges Domizil im Josef-Boos-Heim wird für eine Krippengruppe des „Awolino“-Kindergartens genutzt.

Penzberg – Das Ende der „Begegnungsstätte“ teilt Anke Ringel vom Asyl-Unterstützerkreis auf Nachfrage mit. Noch vor einigen Tagen hatten sich die ehrenamtlichen Helfer zusammengesetzt, um alternative Räumlichkeiten für ihre Begegnungsstätte zu finden, in der unter anderem verschiedene Kurse für die in Penzberg lebenden Asylbewerber angeboten werden. Doch das Treffen sei ergebnislos verlaufen, so Ringel. Der von der Stadt vorgeschlagene Alternativstandort im Gewerbegebiet ist für die Flüchtlingshelfer laut Ringel „keine Lösung“. Laut Bürgermeisterin Elke Zehetner zufolge die Kommune die Nutzung der früheren Büroräume neben der Layritzhalle angeboten, diese hatte die Stadt im Zuge des Hallenkaufs ebenfalls erworben. „Sie wollen es aber nicht“, sagt Zehtener mit Blick auf den Unterstützerkreis. „Wir brauchen eine zentrale Lage, damit auch wirklich eine Begegnung stattfinden kann“, betont Anke Ringel. Zudem gäbe es seitens der Helfer erhebliche „Sicherheitsbedenken“ angesichts der vor allem nachts doch recht einsamen Lage im Gewerbegebiet. Ein Argument, dass die Rathauschefin nicht verstehen kann. Abgeschieden sei die Lage keineswegs, der nahe Supermarkt samt Parkplatz sei bis 20 Uhr in Betrieb, argumentiert Zehetner. Großen Bedarf für eine Extra-Einrichtung sieht die Bürgermeisterin mangels Resonanz wohl eh nicht. „Die Begegnungsstätte wurde in den vergangenen Wochen nur noch sporadisch aufgesucht“, schrieb sie in einer E-Mail unter anderem an Anke Ringel. Beratungsgespräche, so die Bürgermeisterin, könnten künftig auch in der neuen Asylbewerberunterkunft an der Nonnenwaldstraße stattfinden – dort seien schließlich auch Fachbetreuung und Sicherheitsdienst vor Ort.

Ringel zufolge wurde von der Stadt kein Alternativstandort zum Gewerbegebiet angeboten. Der Unterstützerkreis habe seinerseits Vorschläge gemacht. Welche, möchte Ringel aber nicht sagen. Laut Rathauschefin Elke Zehetner war ein ehemaliger Blumenladen am Rathausplatz im Gespräch – was Stadt und Bauausschuss jedoch ablehnten.

Bis Pfingstmontag, 5. Juni, müssen die Asyl-Helfer die Räume in der Rathauspassage nun geräumt haben. Tatsächlich zusammengepackt haben möchten die Ehrenamtlichen aber bereits am kommenden Freitag. Laut Rathauschefin soll die Musikschule nach ihrem Langon-Besuch ab der zweiten Pfingstferienwoche den Umzug starten. Die Zeit drängt: Bis September muss der Kinderkrippen-Raum im Josef-Boos-Heim fertig sein.

Dass die Musikschule in die Rathauspassage einziehen soll, weil ihr bisheriges Büro künftig für den Kindergarten benötigt wird, können die Asylhelfer verstehen, betont Anke Ringel. Sie kritisieren jedoch, dass sie so „extrem kurzfristig“ – nämlich erst am 19. Mai – davon erfahren haben und binnen zwei Wochen ausziehen müssen. Wie es nun weitergeht mit der „Begegnungsstätte“, die im Spätsommer 2015 eröffnete, stehe in den Sternen. „Für die Kurse werden wir eine Übergangslösung suchen. Da haben wir verschiedene Optionen“, sagt Ringel – etwa einen Nebenraum der Radlwerkstatt an der Christianstraße. Ringel hofft nun auf weitere Gespräche mit der Stadt, um doch noch eine Bleibe für die Begegnungsstätte zu finden. Eines steht für sie und die anderen Helfer aber fest: „Auch wenn derzeit unklar ist, wo wir zukünftig eine Bleibe haben werden, werden wir als Unterstützerkreis weiterhin aktiv bleiben und uns um geeignete Räumlichkeiten für eine Stätte der Begegnung und deren Finanzierungsmöglichkeiten bemühen.“ 

Zwischen Stadt und Asyl-Unterstützerkreis hängt der Haussegen schief. Mit dem Nein der Helfer zum Domizil neben der Layritzhalle ist für Bürgermeisterin Elke Zehetner die Sache erledigt: „Also kriegen sie keine Räume.“ In einer E-Mail an den Asyl-Kreis machte sie zudem deutlich, dass keine große Hilfe bei einem Zwischenlager für Möbel und Utensilien aus der Begegnungsstätte zu erwarten ist. Die Helfer hatten sich einen städtischen Raum gewünscht und gleich um Umzugshilfe durch den Bauhof gebeten. Als Lager könnte die Radlwerkstatt genutzt werden, schrieb Zehetner – „zusätzliche Lagerflächen der Stadt können wir derzeit leider keine anbieten“.

Der Unterstützerkreis wünscht sich künftig Hilfe von der Kommune, doch da blockt Zehetner ab. Die Stadt habe schon sehr viel für den „verantwortlichen Umgang mit unseren Asylbewerbern“ getan, sagt sie auf Nachfrage – von einer Asylkoordinatorin bis hin zur Bereitstellung der Räume für die Radlwerkstatt. Die Mietausfälle für die Stadt durch letztere Nutzung beziffert Zehetner auf 1000 Euro monatlich. Den ehemaligen Blumenladen am Rathausplatz, wie vom Helferkreis vorgeschlagen, als „Begegnungsstätte“ zu nutzen, lehnten Bürgermeisterin und Bauausschuss in der letzten nicht-öffentlichen Sitzung ab: Die Stadt habe Räume und müsse nicht ein teures Objekt anmieten, so der Tenor.

Am letzten Öffnungstag, Freitag, 2. Juni, gibt es in der „Begegnungsstätte“ von 10 Uhr bis Geschäftsschluss einen Flohmarkt. Verkauft werden Dinge, die die Helfer nicht zwischenlagern können. Der Erlös geht an den derzeit noch in Gründung befindlichen Verein „Werkraum Penzberg“.

Franziska Seliger

Andreas Baar

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