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Aus Deutschland abgeschoben, in Kabul gestorben: BR zeigt Film über Nasirs Schicksal

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Von: Franziska Seliger

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Zwei beste Freunde und ganz viel Hoffnung: Der Film „Angst vor Afghanistan: Wenn Asyl nicht klappt“ erzählt vom Schicksal des jungen Afghanen Nasir (l.), der in Penzberg einen besten Freund findet. Gemeinsam schmieden sie Zukunftspläne. Doch nachdem sein Asylantrag zum zweiten Mal angelehnt wurde, kehrt Nasir nach Afghanistan zurück. Hier stirbt er beim Terroranschlag auf den Flughafen von Kabul Ende August. Screenshot: seliger
Zwei beste Freunde und ganz viel Hoffnung: Der Film „Angst vor Afghanistan: Wenn Asyl nicht klappt“ erzählt vom Schicksal des jungen Afghanen Nasir (l.), der in Penzberg einen besten Freund findet. Gemeinsam schmieden sie Zukunftspläne. Doch nachdem sein Asylantrag zum zweiten Mal angelehnt wurde, kehrt Nasir nach Afghanistan zurück. Hier stirbt er beim Terroranschlag auf den Flughafen von Kabul Ende August. © Screenshot: Franziska Seliger

Die Heimatzeitung berichtete vom 24-jährigen Afghanen Nasir, der in Penzberg gelebt hatte und beim Terroranschlag in Kabul starb. Der BR hat seine Geschichte verfilmt.

Penzberg – „Angst vor Afghanistan: Wenn Asyl nicht klappt“ hat die Journalistin Hanna Resch ihren kleinen Dokumentarfilm genannt, den sie gerade über Nasirs Schicksal gedreht hat und der seit kurzem im Online-Nachrichtenformat von BR24 zu sehen ist.

Nach nur wenigen Stunden im Netz hätten den knapp elfminütige Beitrag bereits rund 3000 Menschen gesehen, berichtet Anette Völker-Rasor vom Penzberger Verein „Werkraum“, die den jungen Afghanen während seiner Zeit in der Stadt betreute. Mittlerweile haben den Film bereits knapp 6000 Menschen gesehen.

Mit wenigen Worten, dafür aber mit eindrücklichen Bildern wird darin noch einmal Nasirs Geschichte erzählt. Die Zuschauer erfahren von dessen Flucht 2016 nach Deutschland und von seiner Zeit in Penzberg, in der er gerne das örtliche Jugendzentrum besuchte. Sie erfahren von seinen Hoffnungen auf ein Leben in Deutschland, von seiner Angst, nachdem sein Asylantrag zum zweiten Mal abgelehnt worden war und schließlich von seiner Rückkehr nach Afghanistan.

Junger Afghane erzählt von seinem besten Freund

Zu Wort kommt in dem Beitrag vor allem ein junger Afghane, den Nasir in Penzberg kennenlernte. Die beiden Männer werden beste Freunde, gehen wandern und träumen von einem tollen Auto. „Er war glücklich in Penzberg“, sagt Nasirs Freund in dem Beitrag.

Der Freund, der in dem Film sein Gesicht nicht zeigen und seinen Namen aus Angst nicht nennen möchte, wie es heißt, hält den Kontakt auch dann, als Nasir wieder zurückkehrt nach Kabul und die Taliban immer weiter vorrücken Richtung afghanische Hauptstadt. „Nasir hatte Angst“, sagt sein Freund. Ende August versucht Nasir zusammen mit seiner Ehefrau einen Evakuierungsflug am Flughafen Kabul zu erreichen.

Als der Selbstmordattentäter in einer Menschenmenge am Eingangstor des Flughafens einen Bombenanschlag verübte, ist Nasir eines der Opfer. Er ist sofort tot. Auch davon berichtet der BR-Beitrag. Dieser Film habe im Kreise der Asylhelfer und der Asylsuchenden viel angestoßen, sagt Anette Völker-Rasor.

Das Elend bekommt ein Gesicht, ein Austausch wird angestoßen

Seitdem meldeten sich immer wieder Afghanen bei ihren Penzberger Helfern und erzählten von ähnlichen Schicksalen in ihren Familien oder bei ihren Bekannten. „Es bekommt nicht nur das Elend in Afghanistan ein Gesicht, es kommt auch neuer Austausch in Gang“, so Völker-Rasor. So habe etwa ein junger Afghane seiner Helferin daraufhin ein Foto von seinem toten Vater geschickt, der erst kürzlich von Taliban ermordet worden sei. „Die wenigen, die noch hier sind, berichten uns, wie ihre Mütter und Schwestern jetzt leben in Afghanistan.“ Oder welche abenteuerlichen Fluchtwege manche Familienmitglieder nähmen. Derzeit lebten noch fünf afghanische Flüchtlinge in Penzberg. Viele seien in andere Länder weitergezogen, doch die Penzberger Helfer versuchten, den Kontakt zu ihnen zu halten. Die noch in der Stadt lebten, seien überwiegend Geduldete. Zwar seien Abschiebungen nach Afghanistan vorerst ausgesetzt, aber ihre unsichere Zukunft mache ihnen allen große Angst. „Sie haben keine Sicherheit“, sagt Völker-Rasor. Sie würde sich angesichts der Lage in Afghanistan wünschen, dass auch die afghanischen Flüchtlinge, die vor der Machtübernahme der Taliban nach Deutschland kamen, Zugang zu Integrations- und Sprachkursen bekommen und man sie Flüchtlingen etwa aus Syrien gleichstellt. „Das wäre unglaublich hilfreich nach der jahrelangen Warterei.“

Unterstützerkreis braucht mehr Helfer

Und sie hofft, dass der BR-Film das Mitgefühl der Menschen mit den Flüchtlingen steigere, denn: „Sie haben nur noch uns.“ Dass mancher in der Stadt die afghanischen Ortskräfte, die bis Ende des Jahres nach Penzberg kommen sollen, als „echte Flüchtlinge“ bezeichne, die früher Eingereisten aber nicht, findet sie „schon etwas schrecklich“.

Dringend brauche ihr Verein, der 2017 aus dem Asyl-Unterstützerkreis hervorgegangen ist, außerdem mehr Helfer, die sich um die Neuankömmlinge kümmern werden. Denn habe es Ende 2015 rund 90 Asylhelfer in der Stadt gegeben, so seien es aktuell vielleicht noch zwölf. „Viele von ihnen sind vom deutschen Staat vor den Kopf gestoßen worden“, kritisiert Völker-Rasor. Aber mit zwölf Asylhelfern die zwölf Familien aus Afghanistan zu betreuen: „Das wird zu wenig sein.“

Der Link zum Film:
https://www.youtube.com/watch?v=Mq-u7pYiqZE

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