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Der Penzberger Karl Wald erfand vor 50 Jahren das Elfmeterschießen – daran erinnert das Museum.

„Rasenglück“ im Penzberger Museum

Ausstellung für den Elferschießen-Erfinder Karl Wald aus Penzberg

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Das wissen die wenigsten: Der Erfinder des Elfmeterschießens ist ein Penzberger. Karl Wald schrieb damit vor 50 Jahren Fußballgeschichte. Was ebenfalls wenige wissen: Der 1. FC Penzberg, der heuer 100 wird, spielte einst in derselben Liga wie der FC Bayern. Das Penzberger Museum widmet beiden heuer eine Fußball-Ausstellung – und braucht Hilfe.

Penzberg – „Es ist unvorstellbar, dass früher Fußballspiele ganz anders entschieden wurden“, sagt die Penzberger Museumsleiterin Diana Oesterle. Endete ein Pokalspiel nach der Verlängerung mit Unentschieden, wurde eine Münze geworfen. Als ungerecht empfand das der Penzberger Schiedsrichter Karl Wald. Er stellte 1970 beim Verbandstag des Bayerischen Fußballverbands den Antrag, ein Elfmeterschießen einzuführen. Elfer gab es bis dahin nur bei Foul oder Handspiel im Strafraum.

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Karl Wald hatte Erfolg, der Verbandstag sagte Ja. Seiner Idee schlug aber auch Skepsis entgegen. „So ein Mist“ und „Wieder abschaffen“, lauteten Reaktionen, erzählt Diana Oesterle. Dennoch: Das Elferschießen machte Karriere. Erst übernahm der DFB die Neuerung, dann die europäische UEFA und 1976 der Weltfußballverband FIFA. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die deutsche Nationalelf als erste die Härte von Walds sportlicher Lösung zu spüren bekam – als Uli Hoeneß 1976 beim Elfmeterschießen im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei den Ball in den Nachthimmel von Belgrad jagte.

Exponate sichten: (v.l.) Andreas Rauchenberger vom FC, Anne Götzelmann und Diana Oesterle vom Museum.

Zu Lebzeiten war Karl Wald ein gefragter Mann, wenn internationale Turniere anstanden. Dann meldeten sich regelmäßig die Medien bei ihm. Der frühere Fifa-Chef Sepp Blatter schrieb ihm über viele Jahre Briefe zu Weihnachten. Am 26. Juli 2011 starb Karl Wald im Alter von 95 Jahren. In Penzberg ist ihm seit 2014 die Straße am Nonnenwaldstadion gewidmet.

Dass das Penzberger Museum nun auf Karl Wald und seine Erfindung kam, ist einem Zufall geschuldet. Es hat mit einem Quiz zu tun, das die Familie Oesterle spielte. Dabei sei gefragt worden, wann das Elfmeterschießen eingeführt wurde, erzählt Diana Oesterle. Sie habe zwar nicht das Jahr gewusst, aber dass es der Penzberger Karl Wald erfunden hat. Beim Nachschauen entdeckte sie, dass das Elfmeterschießen 2020 seinen 50. Geburtstag feiert. Woraufhin sie sofort Sepp Siegert davon erzählte. Siegert arbeitet in der Sportabteilung des Penzberger Rathauses und kennt die Enkel von Karl Wald. Außerdem gehört er dem FC Penzberg an. Und wusste: Der Club feiert 2020 sein 100-Jähriges.

Der FC Penzberg ist Teil der Ausstellung, hier die Elf, die in den Fünfzigern in einer Liga mit dem FC Bayern spielte.

So entstand die Idee für die Doppel-Ausstellung. Laufen soll sie vom 28. März bis 12. Juli, dem Tag des EM-Finalspiels. Sie heißt „Rasenglück – die Erfindung des Elfmeterschießens“, soll aber zugleich die 100-jährige Geschichte des FC beleuchten. Denn Fußball war ein „wichtiger Integrationsfaktor“ in der Bergwerksstadt, so Oesterle. Einst spielte der FC in der zweithöchsten deutschen Liga mit dem FC Bayern München. Das war in der Saison 1955/56. Es habe „Aufruhr in der Stadt“ geherrscht, so Vizevorsitzender Andreas Rauchenberger. Am 13. November 1955 hatte der Penzberger Aufsteiger den FC Bayern zu Gast. Penzberg unterlag vor 7000 Zuschauern mit 1:3. Das Rückspiel vor 20 000 Menschen im Grünwalder Stadion ging mit 2:3 verloren, was den Penzberger Abstieg besiegelte. Rauchenberger ist von der Ausstellungsidee begeistert. Sie wird zentraler Teil der 100-Jahr-Feiern sein.

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Das dritte Standbein der Ausstellung – das Museum erhält übrigens Kunstrasen – trägt Anne Götzelmann zusammen: Werke von Künstlern, die sich mit Fußball beschäftigen. Zum Beispiel Andreas Gursky. Von ihm stammt das berühmte Foto der gelben Borussen-Wand.

Allerdings braucht das Museum noch Exponate. Diana Oesterle bittet die Penzberger, ins Familienarchiv oder auf den Speicher zu schauen, ob sie alte Fotos, Fußballtrikots oder -schuhe für die Ausstellung haben. Ein wenig träumt sie davon, so zum Beispiel eine Trikot-Design-Geschichte erzählen zu können.

Kontakt zum Museum

Wer Objekte beisteuern will, meldet sich unter Telefon 08856/813127 oder E-Mail museum@penzberg.de

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