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Dreharbeiten: Stefan Fuchs (hinten) und Jonathan Proksch mit Kamera und Monitor bei Roche, einem ausnahmsweise großen Unternehmen als Kunden.

Azubi-Suche mit „Lumen 21“ - wie ein Penzberger Start-up Handwerkern hilft

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Schwer tun sich heutzutage Handwerksbetriebe damit, junge Leute für ihre Lehrstellen zu finden. Es ist ein Wettbewerb um die Jugendlichen entbrannt, bei dem große bekannte Unternehmen im Vorteil sind. Der Penzberger Stefan Fuchs hat daraus eine Geschäftsidee gemacht – mit seinem Start-up-Unternehmen „Lumen 21“.

Penzberg – Ob Bäcker, Maurer oder Kfz-Mechaniker – „viele Handwerksbetriebe finden keine Auszubildenden“, sagt Stefan Fuchs (25). Viele Jugendlichen würden lieber studieren. Verstehen kann der junge Penzberger es nicht, dass um Handwerksberufe ein Bogen gemacht wird. Es seien relativ sichere Jobs, sie nutzten moderne Technik. „Und am Ende des Tages sieht man, was man erreicht hat, was bei einem akademischen Beruf vielleicht nicht der Fall ist.“

Stefan Fuchs hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Er hat das Start-up-Unternehmen

„Lumen 21“ gegründet und vier, fünf Studenten und Schülern aus dem Freundeskreis um sich geschart. Das Team will kleinen und mittelständischen Betrieben helfen, Auszubildende zu finden – und zwar per Image-Videos, die die Jugendlichen direkt über die sozialen Medien erreichen.

Klassische Beispiele für Auszubildenden-Videos dauern eine halbe Stunde – zwar sehr informativ, aber oft an der jungen Zielgruppe vorbei. „Wir versuchen, die Clips anders zu machen“, sagt Stefan Fuchs. „Bei uns darf kein Film länger als zwei Minuten dauern, weil die Aufmerksamkeitsspanne gering ist.“ Das sei aber auch eine Herausforderung. Der Film soll kurz, spannend, informativ sein und neugierig machen. Wichtig sei Jugendlichen der Verdienst, aber auch der Nutzen, den der Beruf für die Gesellschaft hat, und wie das Arbeitsumfeld ist. „Das ist Thema der Clips“, sagt der Penzberger.

Das junge „Lumen 21“- Team nutzt zugleich aus, dass die Zielgruppe im gleichen Alter ist. Es sind auf Neudeutsch alles „Digital Natives“, junge Leute, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. „Wir wissen, auf welchen sozialen Medien die Jugendlichen unterwegs sind“, sagt Stefan Fuchs. Auch wenn er selbst noch mit einem Klapphandy von Motorola groß geworden ist. Das Team versucht, die Jugendlichen zielgenau anzusprechen. Die Azubi-Videos verbreitet „Lumen 21“ in verschiedenen Formaten auf Instagram, Facebook und manchmal auch über Twitter und WhatsApp, wobei Facebook von Jugendlichen eher gemieden wird. „Man geht ja ungern in einen Laden, in dem der Papa seine Klamotten kauft“, sagt Stefan Fuchs schmunzelnd. Deshalb beobachtet sein Team die Entwicklung. „Man muss stetig dranbleiben, in fünf Jahren kann es wieder eine neue Plattform geben.“ Snapchat wäre zwar auch gut, sei für diese Art der Werbung aber uninteressant.

Stefan Fuchs, der auch Vorsitzender des Vereins „Penzberg hilft“ ist, besuchte in Penzberg das Gymnasium. Der leidenschaftliche Tennisspieler ging jedoch vor dem Abitur von der Schule ab und machte sich als Tennistrainer selbstständig. Mit 17 Jahren gründete er eine Tennisschule, zwischenzeitlich mit rund 20 Mitarbeitern. Wegen einer Verletzung des Sprunggelenks musste er vergangenes Jahr aufhören.

Seine erste Selbstständigkeit ist ihm heute von Nutzen. „Das war eine gute Erfahrung“, sagt der 25-Jährige. Auch von den Kontakten, die er geknüpft hat, profitiert er. In seiner Tennis-Zeit hatte der junge Penzberger bereits Schulungs- und Werbevideos über Tennis und private Clips gedreht. In einem Gespräch mit Monika Uhl, die im gleichen Haus an der Bahnhofstraße ihr Marketingbüro hat und einen Ausbildungskompass für mehrere Landkreise entwickelt hat, entstand die Idee für die Azubi-Clips.

Im vergangenen September ging Stefan Fuchs mit „Lumen 21“ an den Start. Um die 30 Kunden, vom Einzelhandelsgeschäft bis zum Handwerksbetrieb, hat er seither schon gehabt. Es waren aber auch große Unternehmen dabei. Momentan arbeitet das Team an einem halben Dutzend Clips. Das heißt: Gespräche mit dem Kunden, Recherchen, Drehbuch, Filmarbeit, Schnitt und Vertonung. Im Durchschnitt stecken in einer Minute Film etwa 40 Stunden Arbeit. Es mache Spaß, sagt er. „Es fühlt sich nicht wie Arbeit an.“ Diese Freude sollen auch die Filme vermitteln.

Unterwegs ist „Lumen 21“ mit den Clips zwar vor allem in den sozialen Medien. Ganz traditionell geht das Start-up-Unternehmen – wenn es zum Kunden passt – aber auch über die Kinowerbung. Noch auf einer anderen Plattform würde Stefan Fuchs liebend gern mal eines der Videos sehen: auf einer Videoleinwand in der Münchner U-Bahn.

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