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Jenseits der Bahngleise liegt das städtische Grundstück, über dessen Zukunft diskutiert wurde. Dort befindet sich der „Park&Ride“-Platz, im Hintergrund der Penzberger Bahnhof.

Bahnhofsparkplatz in Penzberg: Was soll jenseits der Gleise entstehen?

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Was soll in Penzberg auf dem großen Gelände zwischen Bahngleisen und Aldi-Markt entstehen? Ideen gibt es viele: Parkhaus, Lebensmittelmarkt., Drogerie- und Textilmarkt. Einzelne Vorschläge werden allerdings kritisch gesehen, insbesondere von den Innenstadt-Einzelhändlern. Das zeigte eine Diskussionsrunde.

Penzberg – Das Areal rund um den Bahnhof in Penzberg wird in den nächsten Jahren sein Aussehen verändern. Da sind zum einen die Grundstücke gegenüber dem Bahnhof, auf denen die „MTP Wohn- und Gewerbebau“ von Johann Thierer bauen will. Zum anderen ist da das Areal jenseits der Gleise, das der Stadt gehört und auf dem ein Parkplatz mit mehr als 200 Stellplätzen besteht. Über die Zukunft wurde im Rathaus mit Einzelhändlern, Denkmalschützern und Stadtratsmitgliedern diskutiert.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem städtischen Gelände zwischen Bahngleisen und Aldi-Markt. Laut Stadtbaumeister Justus Klement gibt es dafür zwei Bewerberteams mit unterschiedlichen Ideen. Das eine Team schlägt einen Drogeriemarkt Müller (zirka 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche), einen Lebensmittel-Biomarkt (etwa 600 Quadratmeter) und darüber ein Parkhaus mit 218 Stellplätzen vor. Das Konzept des zweiten Bewerberteams beinhaltet einen Rewe-Vollsortimenter samt Bäcker (1400 Quadratmeter Verkaufsfläche) und ein daneben liegendes Parkhaus mit 300 Stellplätzen.

Eine klare Vorstellung davon, was auf dem Areal entstehen sollte, haben die benachbarten Einzelhändler. Dieter Conrad sagte bei dem Treffen im Namen von „Pro Innenstadt“, das man sich einen Vollsortimenter wünsche, was dem Wunsch der Bevölkerung entspreche, wie er erklärte. Auch Bahn-Pendler könnten dort noch schnell einkaufen gehen. Ein Lebensmittelmarkt fehle seit dem Weggang des Rewe in der Innenstadt, fügte Monika Uhl, Vorsitzende von „Pro Innenstadt“, an. „Außerdem würden wir uns über ein schönes, modernes Parkhaus freuen“, sagte Conrad. Er könnte sich vorstellen, dass dort auch Geschäftsleute für ihre Mitarbeiter Dauerparkplätze mieten. „Wir würden das unterstützen und nicht torpedieren.“

Wovor Conrad aber warnte, ist die Ansiedlung eines Textilmarkts, den Dr. Kerstin Engel (Grüne) ansprach. „Dann geht es bei uns in der Diskussion wieder rund“, sagte Conrad mit Blick auf die Debatten ums Edeka-Areal. Hardi Lenk (SPD) erinnerte daran, dass ein Textilmarkt wie „C&A“ einst ein Ausgangspunkt der Überlegungen war. „Das hat sich aber zerschlagen, so einer kommt nicht nach Penzberg“, sagte er. Vorbehalte bei „Pro Innenstadt“gibt es auch gegenüber einem Drogeriemarkt. Danach fragte FLP-Vertreter Jack Eberl („Ein dm wäre ein Zugpferd“). Vorsitzende Uhl antwortete, dies könnte die Filialen der Drogeriemärkte Müller und Rossmann gefährden, die für die Kundenfrequenz in der Innenstadt wichtig seien; müsste einer der beiden aufgeben, entstünde im Zentrum eine leere, schwer vermietbare Ladenfläche.

Stadträtin Engel („Das ist ein tolles Grundstück, mit dem man die Innenstadt stärken kann“) und Stadtbaumeister Klement plädierten dafür, die Beratergesellschaft CIMA zu Rate zu ziehen. Eine andere Frage warf Christine Geiger (CSU) auf: Wie kann das Areal jenseits der Gleise besser mit der Innenstadt verbunden werden? Als Möglichkeiten genannt wurden ein eigener Fußgängerüberweg, eine Brücke und eine Unterführung samt Aufzug. Eberl steuerte die Idee bei, einen zweiten Bahnsteig zu bauen, damit Fahrgäste beidseits aus- und einsteigen können – was es angeblich am Münchner Hauptbahnhof an einem Gleis gibt. Allerdings, so Klement („Das wäre ein enormer Gewinn“), müssten die Stadt diesen Bahnsteig wohl auf eigene Kosten bauen.

Auch um das Bahnhofsgebäude ging es in der Runde. Es sei ein „stadtbildprägendes, historisches Gebäude“, weshalb der Stadtrat dessen Erhalt beschlossen habe – das sagte Stadtbaumeister Justus Klement in seinem Vortrag. Noch ungeklärt sei aber die Frage, ob man die künftige Nutzung zu einem städtischen Projekt mache oder ob man das Gebäude verkaufe, sagte er. Momentan laute die Beschlusslage im Stadtrat, vorerst nicht zu verkaufen. Für Januar will Klement dem Stadtrat eine Vorlage zur Beratung präsentieren. Man freue sich über das Bekenntnis zum Bahnhofsgebäude, sagte Barbara Kaulbarsch vom Penzberger Denkmalpflegeverein. Was den Denkmalschützern jedoch Sorgen bereitet, ist das städtische Wohngebäude Philippstraße 30 zwischen Post und Bahngleis. Stadtbaumeister Klement schlug in der Diskussionsrunde vor, zu prüfen, „welche Optionen sich ergeben, wenn man dieses Gebäude wegdenkt“. In einer Vorlage des Bauamts heißt es zudem, dass das Grundstück für eine „Parkraumlösung“ in Frage käme. Unternehmer Johann Thierer schätzte in der Diskussion den Wert auf zwei bis drei Millionen Euro. Max Kapfer vom Denkmalpflegeverein warf Klement vor, im Dezember noch gesagt zu haben, das Haus mit vier Mietwohnungen sei gesichert. Es stelle mit den anderen Gebäuden im Umfeld ein historisches Ensemble dar, sagte Kapfer. Deshalb habe der Verein Ende Oktober beim Landesdenkmalrat beantragt, sowohl das Haus Philippstraße 30 als auch das Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Denkmalschützerin Barbara Kaulbarsch erklärte auch, dass das gegenüberliegende denkmalgeschützte Gebäude Philippstraße 30 nicht beeinträchtigt werden dürfe, und zwar von dem benachbarten Bauvorhaben, das Johann Thierers „MTP Wohn- und Gewerbebau“ gegenüber dem Bahnhof plant. Laut Klement befindet sich der Bebauungsplan für die zwei Grundstücke im Verfahren. Thierer würde gerne im Frühjahr 2019 mit dem Bau starten. Entstehen soll eine Ladenzeile im Erdgeschoss und eine Tiefgarage, darüber Wohnungen und Büros.

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