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Halbschranken erhält der Bahnübergang am „Posten 10“ bei Penzberg. Bisher gibt es dort keine Schranke.

Modernisierung auf Bahnstrecke

Zweifel an kürzeren Schranken-Zeiten

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Auch in Penzberg modernisiert die Bahn die Stellwerktechnik auf der Strecke Tutzing-Kochel. In Penzberg ist damit die Hoffnung verknüpft, dass die Schranken in der Innenstadt nicht mehr so lange zu sind. Die Bahn und ihre Planer säten jedoch Zweifel.

Penzberg – Bis November 2018 will die Bahn die Leit- und Sicherungstechnik auf der Kochelseebahn-Strecke modernisiert haben. Es werden auf 35 Kilometern Länge Kabel verlegt, neue elektronische Stellwerke errichtet, Signalanlagen und Schranken erneuert. In Penzberg und Iffeldorf sind damit Hoffnungen verknüpft: in Penzberg, dass die Schranke am Bahnübergang beim Bahnhof nicht mehr so lange Schließzeiten hat; in Iffeldorf, dass es auch dort einen Halbstundentakt im Berufsverkehr gibt.

Bei einem Infoabend im Penzberger Rathaus säten die Bahn und deren Planer jedoch Zweifel. Durch die moderne Technik würden sich zwar insgesamt die Schließzeiten der Schranken verkürzen, hieß es. Für den Penzberger Sonderfall hörte es sich jedoch anders an: Dort schließt die Schranke momentan, noch bevor der Zug aus Richtung Iffeldorf im Bahnhof einfährt. Der Grund ist, dass der nahe Bahnübergang im „Durchrutschbereich“ liegt – wenn der Zug nicht rechtzeitig bremst, könnte er bis zum Bahnübergang durchrutschen. Deshalb müssen die Schranken vorzeitig schließen. Laut Mike Hartmann vom Ingenieurbüro Fuchs aus Chemnitz wird sich daran nichts ändern. Außer der Zug nähert sich von vorneherein langsamer dem Bahnhof. Dann könnten die Schranken erst schließen, wenn der Zug den Bahnhof wieder verlässt, sagte Guido Rupp, Projektleiter der Bahn. Fährt der Zug aber langsamer, würde dies die Fahrtzeiten auf der Strecke verlängern und sich womöglich nicht mit dem Fahrplan vertragen. schränkte Planer Hartmann ein. Guido Rupp sagte zumindest zu, die Sache zu klären.

Raum für Skepsis ließ auch die Antwort auf die Frage nach einem Halbstundentakt für Iffeldorf. Bahn-Vertreter und Planer wollten sich nicht darauf festlegen lassen. Mit einem Halbstundentakt habe die Modernisierung nichts zu tun, sagte Planer Hartmann. Dies sei Sache der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft. Bisher hatte es, wie berichtet, immer geheißen, die Modernisierung sei eine Voraussetzung dafür, dass auch Iffeldorf den Halbstundentakt erhält.

Beim Infoabend in Penzberg hatten Bahn-Projektleiter Rupp und das Ingenieurbüro die Modernisierung der Strecke erläutert. Demnach ersetzt Elektronik die alten Stellwerke mit ihren Fahrdienstleitern. In den Bahnhöfen Seeshaupt, Penzberg, Bichl und Kochel werden Rechnerschränke errichtet, um Signale und Schranken der Bahnübergänge automatisch zu bedienen. Gesteuert werden sie vom Stellwerk in Weilheim. Dazu wird entlang der Bahntrasse auf 35 Kilometern ein Kabel verlegt.

Die Schranken würden zeitgenauer schließen, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Züge sich erhöhen, sagte Projektleiter Rupp. Auch die Sicherheit an den Bahnübergängen soll ihm zufolge steigen. Beim unbeschrankten Übergang am „Posten 10“ in Penzberg sollen die Straße verbreitert, Halbschranken auf beiden Seiten installiert und die Blinklichter durch Gelb-Rot-Ampeln ersetzt werden, sagte Maxim Wöllmann vom Ingenieurbüro. Beim Übergang in der Penzberger Innenstadt werde künftig – mangels Fahrdienstleiter im Bahnhof – per Radartechnik angezeigt, ob sich zwischen den geschlossenen Schranken versehentlich ein Auto befindet.

Folgenden Zeitplan stellte Bahn-Vertreter Guido Rupp vor:

29. Juli bis 10. September 2017wird das Kabel an der Kochelseebahn-Strecke verlegt: Statt Züge werden Busse eingesetzt.

Von März bis Juni 2018werden neue Lichtsignale auf der Strecke aufgestellt. Von 12. März bis 18. Mai 2018 fahren deshalb ab 22 Uhr keine Züge. Es werden Busse eingesetzt.

Von September bis Oktober 2018 sind die Schranken und Signale an den Bahnübergängen an der Reihe. An den ersten beiden September-Wochenenden 2018 fahren keine Züge.

Für 17. November 2018 ist die Inbetriebnahme aller Stellwerke geplant. Wegen der Abnahme müssen von 8. bis 16. November 2018 die Fahrgäste ab 22 Uhr auf Busse umsteigen.

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