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Stolz führte der Bergknappen-Verein in den 1960er Jahren seine erste Fahne mit.

Das 50-Jährige wird gefeiert

Penzbergs Bergknappen sind mehr als ein Verein

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Er hält in Penzberg seit 50 Jahren die Erinnerung an den Bergbau hoch: Der Bergknappen-Verein feiert heuer sein Jubiläum. Für viele Mitglieder ist er ein Stück eigener Lebensgeschichte.

Penzberg – Am 30. September 1966 fahren die Bergleute das letzte Mal in die Penzberger Grube ein. Dann ist Schluss mit dem Bergwerk. 170 Jahre lang war Kohle abgebaut worden. Der letzte Kohlenwagen verlässt um 9.30 Uhr „Flöz 22 Streb II Ost 650 Meter Sohle“, wie die Bergleute auf einem Schild geschrieben haben. An diesem Tag spricht Bergwerkdirektor Karl Balthasar zu den Männern. 537 Arbeiter und 26 Angestellte scheiden aus, bis zum Sommer 1967 sind noch über 300 Menschen mit der Demontage beschäftigt. 52 Jahre danach ist der Bergbau in Penzberg immer noch lebendig, die Stadt bezieht aus der industriellen Tradition ihr Selbstverständnis. Die Erinnerung hält der Bergknappen-Verein hoch. Er wurde vor 50 Jahren gegründet. Das Jubiläum wird Samstag, 15. September, gefeiert.

Am 27. November 1968 kommen 31 Interessierte in die damals noch existierenden Gaststätte „St. Barbara“, die sich im Kameradschaftshaus an der Maistraße befand. Der frühere Direktor Balthasar hat in zwei Zeitungsinseraten eingeladen. Sein Ziel: Er will einen Bergknappen-Verein ins Leben rufen, was durch 28 Gründungsmitglieder geschieht. Zum Vorsitzenden wählen sie Johann Römer, einen ehemaligen Aufbereitungsleiter. Sein Stellvertreter wird der Betriebsschlosser Karl Pancur. Fünf Jahrzehnte später sitzen Vereinschef Ludwig Schmuck, sein Vize Nikolaus Lutz, Schriftführer Heinz Mehltretter sowie das Mitglied und Buchautor Michael Mayr zusammen. Sie erinnern sich stolz an die Errungenschaften des Vereins, der aktuell 158 Mitglieder zählt.

„Die Tradition und die Grundlagen der Stadt aufrecht erhalten“: Dies war laut Schmuck 1968 das Anliegen gewesen. Penzberg wurde ja erst durch den Bergbau zur eigenständigen Kommune, das 100-jährige Stadtjubiläum wird 2019 gefeiert. Prunkstück der Vereinsarbeit ist das 1974 eröffnete Bergwerksmuseum. „Durch die Arbeit haben wir einen ganzen Schwung jüngerer Mitglieder dazu gekriegt“, sagt Michael Mayr. Der frühere Bergmann hatte sich für das Museum engagiert. Mayr brachte heuer seine Erinnerungen „Vom Koistadlbua zur Grubenaufsicht“ als Buch heraus. Der Verein setzte noch mehr Ideen um. So 2006 das Seilbahn-Denkmal auf der Berghalde, das an die Schuttablagerungen auf den Penzberger „Dolomiten“ erinnert. 2010 wurde der Bergbaupfad eröffnet. Die Bergknappen stellten Kohle-Hunte an den Ortsausgängen und die Dampflok „Bockerl“ an der Bahnhofstraße auf. Auch das Gesellige kommt nicht zu kurz. Es gibt einen monatlichen Stammtisch, Knappenvereine werden besucht, an Leonhardifahrten wurde teilgenommen, 2017 ließ man die Barbarafeier wieder aufleben, und bei städtischen Veranstaltungen zeigen sie selbstverständlich Präsenz.

Der Verein ist aber noch viel mehr. „Er ist ein Stück meines Lebens“, sagt Vorsitzender Ludwig Schmuck. Sein Vater war 41 Jahre im Bergwerk, er selbst als Lehrling für ein Jahr in der Schlosserei. Kein Wunder, dass Schmuck den schwarzen Kittel der Bergleute voller Stolz trägt. Doch eines hätte er schon gern: Vereinsnachwuchs. „Wir brauchen Leute, die Interesse daran haben, die Geschichte von Penzberg am Leben zu erhalten.“

Das Festprogramm:

Samstag, 15. September: 14 Uhr Rundgang durch das Bergwerksmuseum. Der Eintritt ist an diesem Tag frei. 16 Uhr ökumenischer Gottesdienst mit den Pfarrern Bernhard Holz und Julian Lademann in der  Christkönigkirche. Musik: Stadt- und Bergknappenkapelle. Im Anschluss Festzug zum Ehrenmal und Kranzniederlegung. Rückmarsch zum Pfarrzentrum Christkönig und Festabend im Barbarasaal. Musikalische Begleitung: „Hoanzler Stubenmusi“.

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