In diesem Haus im Penzberger Ortsteil Reindl ereignete sich am Sonntagabend das Gewaltverbrechen.
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In diesem Haus im Penzberger Ortsteil Reindl ereignete sich am Sonntagabend das Gewaltverbrechen.

Nachbarn sind geschockt

Blutige Gewalttat: Mann sticht mehrmals auf seine Frau ein - sie kann sich schwerverletzt retten

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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  • Kathrin Hauser
    Kathrin Hauser
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Eine Gewalttat erschüttert Penzberg: Am Sonntagabend verletzte ein 39-Jähriger seine 32-jährige Ehefrau mit einem Messer lebensgefährlich. Die Nachbarschaft in Reindl steht immer noch unter Schock.

Penzberg – Die Nachbarn hatten, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtet, gegen 18.30 Uhr Lärm aus dem Haus vernommen, in dem der Täter mit seiner Familie wohnte. Kurz darauf flüchtete sich die blutüberströmte Frau zu einem Nachbaranwesen, wo sie zusammenbracht. Sie kam zur Intensivbehandlung ins Krankenhaus und musste umgehend operiert werden. Mittlerweile ist sie außer Lebensgefahr, so die Polizei.

Nach Gewalttat auf seine Frau: Mann wird von Polizei festgenommen

Die Penzberger Polizei nahm den Täter vor Ort auf offener Straße fest. Der 39-jährige Afghane leistete keinen Widerstand. Er verbrachte die Nacht in der Haftzelle der Polizei und wurde gestern wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes dem Ermittlungsrichter zur Haftprüfung vorgeführt. Die Kinder des Ehepaares wurden nach Rücksprache mit dem Jugendamt in die Obhut von Angehörigen übergeben.

Am Tag nach der Gewalttat waren die Spuren der Gewalt noch deutlich sichtbar: Die Blutflecken auf den wenigen Stufen hinauf zum Eingang des etwas herunter gekommenen und auf der Straßenseite dicht eingewachsenen Zweifamilienhauses hatte noch niemand entfernt.

Ehefrau kann sich nach Messerattacke noch schwerverletzt zu den Nachbarn retten

Von der Türschwelle führten die Spuren hinüber zum Nachbarhaus, wohin sich die verletzte Ehefrau nach Auskunft einer Anwohnerin retten konnte. Die Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, war am Montagvormittag noch sichtlich geschockt von den Ereignissen.

Die Familie, erzählte sie, wohne erst seit dem 22. April in dem Haus. Ihre eigenen Kinder hätten aber öfters mit den sechs Kindern des Ehepaares gespielt. Dass der Ehemann seiner Frau gegenüber gewalttätig werden könnte, hätte sie nie gedacht. „Es hat sich absolut nicht abgezeichnet“, sagte sie.

Mutmaßlicher Täter spricht kaum Deutsch

Die Penzbergerin betonte, sie selbst habe sich mit dem Mann zwar kaum unterhalten können, da er so gut wie kein Deutsch spreche. Sie habe ihn aber stets als „ganz liebevollen Familienvater“ erlebt, der etwa mit seinen Kindern auf der Wiese am Haus Fußball gespielt habe.

Am Sonntag gegen 18.25 Uhr seien dann die Kinder des Paares zu ihrem Haus gelaufen. „Sie haben um Hilfe geschrien“, erzählte die Penzbergerin. „Da bin ich rüber.“ Doch zu diesem Zeitpunkt habe sich das Opfer bereits zum anderen Nachbarhaus geflüchtet.

Tötungsdelikt in Eberfing: Ehemann befindet sich in Untersuchungshaft

Die aktuelle Gewalttat in einer Ehe, die in Penzberg begangen wurde, war nicht die erste, die heuer im Landkreis Aufsehen erregte: Am Abend des 5. Februar, es war ein Freitagabend, wurde in Eberfing eine Frau getötet. Nach damaligen Angaben der Polizei war der 66-jährige Ehemann nach einem Streit auf seine 69-jährige Ehefrau losgegangen und hatte sich anschließend selber schwer verletzt. Dann setzte er einen Notruf ab. Der Ehemann steht nach wie vor in dringendem Tatverdacht, seine Frau getötet zu haben. Nach Angaben der Pressestelle der Staatsanwaltschaft München II ist der Fall inzwischen angeklagt und beim Landgericht in München anhängig. Ein Termin zur Verhandlung stehe noch nicht fest. Der Ehemann befinde sich weiter in Untersuchungshaft, so die Pressesprecherin.

Dass diese Gewalttaten, die beide innerhalb der Ehe verübt wurden, Ausdruck einer besorgniserregenden Entwicklung sind, das hält Andrea Steidl die Gleichstellungsbeauftrage des Landkreises, für gut möglich. Sie hat vor etwa vier Jahren den „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ ins Leben gerufen, zu dem sich bis zum Beginn der Corona-Pandemie regelmäßig unter anderem Vertreter der Polizei, der Ehe- und Familienberatungsstellen, des Amtsgerichts, des Murnauer Frauenhauses und des „Weißen Rings“ getroffen haben, um gemeinsam gegen Gewalt in den Familien und Partnerschaften vorzugehen. „Viele berichten davon, dass häusliche Gewalt zugenommen hat“, sagt Steidl.

Lage an Gewalttaten hat sich „durch Corona verschärft“

Bei ihr selbst hätte es zwar genauso viele Anfragen wegen Gewalttaten in den Familien und Ehen gegeben wie sonst auch, sie sei aber regelmäßig zum Beispiel durch Newsletter verschiedener Hilfetelefone und Beratungsstellen auf den aktuellen Stand gebracht worden.

„Generell lässt sich schon feststellen, dass sich die Sache durch Corona verschärft hat“, sagt Steidl. Durch die ganzen Kontaktbeschränkungen, durch Homeworking und -schooling seien Konflikte zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen Partnern vorprogrammiert. „Da kommt es vor, dass Partner, die vorher nicht zu Gewalt neigten, plötzlich gewalttätig werden.“

Meistens noch Frauen Opfer der häuslichen Gewalt

Sie rät dazu, sich auf alle Fälle Hilfe zu holen, wenn sich die Situation in der Familie oder der Partnerschaft zuzuspitzen droht. „Es gibt inzwischen viele Hilfsangebote für Frauen und für Männer“, sagt Steidl. Immer noch seien meist Frauen die Opfer häuslicher Gewalt, sie treffe aber auch zunehmend Männer. Dabei gehe es nicht nur um körperliche Gewalt, auch psychische Gewalt sei ein großes Problem. „Häusliche Gewalt hat viele Gesichter“, sagt Steidl.

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