Noch vor zwei Jahren hätte Juina Wessel es nicht für möglich gehalten, einmal politisch aktiv zu sein. Nun ist sie Bundestagskandidatin für Die Basis.
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Noch vor zwei Jahren hätte Juina Wessel es nicht für möglich gehalten, einmal politisch aktiv zu sein. Nun ist sie Bundestagskandidatin für Die Basis.

Bundestags-Kandidaten im Porträt: Juina Wessel (Die Basis)

Corona brachte sie in die Politik

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Juina Wessel (Die Basis) aus Penzberg.

Penzberg – Es ist still in der Praxis in Penzberg. Die Geräusche, des angrenzenden Supermarktes bleiben draußen aus dem Raum, der mit seinen beige und gelb gestrichenen Wänden, den bodenlangen, braunen Vorhängen und dem vielen Holz Ruhe ausstrahlt. Die Praxis in Penzberg ist nicht der einzige Arbeitsplatz von Juina Wessel, der Kandidatin für die Bundestagswahl am 26. September. Sie tritt für die noch sehr neue Partei „Die Basis“ an, die erst vor gut einem Jahr gegründet wurde und gern auch als „Querdenkerpartei“ bezeichnet wird.

Wessel ist Diplom-Sozialpädagogin und arbeitet am Landratsamt in Starnberg als Schuldner- und Insolvenzberaterin. Zudem hat sie die „Praxis für Konfliktlösung“ in ihrem Wohnort Penzberg, in der sie Mediationen, Coachings und Stressmanagement anbietet. Dass sie einmal politisch aktiv werden würde, dass sie sogar für ein Bundestagsmandat kandidieren würde, das hätte sie sich noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen.

Bundestagswahl-Kandidatin: Corona veranlasste Wessel, politisch aktiv zu werden

Ursprünglich wollte die 58-Jährige bei ihrer Arbeit als fest angestellte Sozialpädagogin kürzer treten und sich verstärkt ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Coach widmen, „doch dann kam Corona“, sagt Wessel. Sie habe viele Aufträge gehabt, die sie dann wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht mehr ausführen konnte. Doch das war nicht der Moment, an dem sich die Mutter eines erwachsenen Sohnes entschloss, politisch tätig zu werden, sondern der an dem sie an einer Schule vorbeigefahren ist: „Ich habe die Kinder gesehen, wie sie mit Masken und in großem Abstand voneinander auf dem Schulhof gestanden sind. Das war für mich der Knall. Da habe ich mir gedacht: Irgendetwas musst du tun.“

Sie habe sich von Anfang an intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, sich unter anderem beim Robert Koch-Institut informiert. „Ich habe es damals ziemlich merkwürdig gefunden, wie die Zahlen bewertet wurden. Das war nicht logisch und es ist immer unlogischer geworden“, sagt Wessel: „Die Darstellung dieser Krise war für mich nicht nachvollziehbar.“ Sie sei zu Demonstrationen gefahren und habe dann festgestellt, dass über diese ganz anders berichtet worden sei, als sie das erlebt habe. „Das sind nicht alles Spinner und Nazis dort.“ Diese Faktoren hätten schließlich das Bedürfnis in ihr geweckt, politisch aktiv zu werden. Im Februar sei dann bei der Gründung des Kreisverbandes der Basis mit von der Partie gewesen. Inzwischen gebe es rund 130 Mitglieder im Landkreis.

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Die 58-Jährige strahlt Ruhe Besonnenheit aus. Sie spricht bedächtig, mit ruhiger Stimme und überlegt ihre Worte wohl. Dabei ist sie innerlich ziemlich aufgewühlt, wie sie sagt. Das, was seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland und vielen anderen Ländern geschehen ist, bewege sie sehr. Dass durch die ganzen Corona-Maßnahmen Grundrechte ausgehebelt wurden, dass viele Alte und Kranke alleine sterben mussten, dass Großeltern ihre Enkel nicht mehr treffen konnten, dass es Ausgangssperren gab, all diese Dinge hätten ihr zu denken gegeben, sagt Wessel: „Ich empfinde das als sehr belastend.“

Keine Coronaleugnerin oder Impfgegnerin

Dabei sei sie weder eine Coronaleugnerin noch eine Impfgegnerin. „Ich meine auch nicht, dass das Virus nicht gefährlich ist.“ Aber es habe schon vor Corona ein gutes Infektionsschutzgesetz gegeben und ihrer Ansicht nach hätte das auch für Covid 19 ausgereicht. Deswegen stehe für Die Basis die sofortige Beendigung der Corona-Maßnahmen sowie das Ende der „Impferpressung“, wie sie es nennt, als politisches Ziel im Vordergrund.

Doch Corona und der Umgang damit sind nicht die einzigen Themen, die Wessel beschäftigen. Unter anderem bei ihrer Arbeit als Insolvenzberaterin erlebe sie, dass das System an vielen Stellen kranke: „Meiner Ansicht nach sind unter anderem die Kunst, die Bildung und die Landwirtschaft nicht frei.“ Ob sie eine Chance hat, in den Bundestag einzuziehen, das lasse sich schlecht einschätzen, sagt Wessel, die sich aber auch nicht wundern würde, wenn sie im September einen Umzug nach Berlin organisieren müsste: „Im letzten Jahr ist so viel Unvorhergesehenes passiert, wer weiß.“

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