Münchner Kennzeichen
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Der Hass auf Menschen mit Münchner Kennzeichen ist im Corona-Lockdown deutlich spürbar geworden.

„Einfach ein bisschen mehr Toleranz“

Hass auf Autos mit M-Kennzeichen: Ex-Münchnerin appelliert an Einheimische - „Erst überlegen - dann handeln“

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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In manchen Regionen hat sich durch den Ausflügler-Ansturm ein wahrer Hass gegen Autos mit Münchner Kennzeichen entwickelt. Eine Penzbergerin appelliert nun an die Einheimischen.

Penzberg - Ob zerkratzte Wagenfronten, unfreundliche Botschaften auf der Motorhaube oder wüste Beschimpfungen: Autos mit Münchner Kennzeichen haben es derzeit nicht leicht. Vielen Einheimischen in Ausflugsregionen im Alpenvorland sind diese Fahrzeuge inzwischen ein Dorn im Auge. Denn durch den Corona-Lockdown ächzen die Menschen seit Monaten unter einem enormen Besucheransturm.

Ausflügler-Ansturm: Hass auf Autos mit Münchner Kennzeichen - Penzbergerin mit eindringlichem Appell

Marina Kranich (*Name von der Redaktion geändert) lebt mit ihrer Familie seit gut zwei Jahren in Penzberg. Trotzdem hat die ehemalige Münchnerin ihr altes Kfz-Kennzeichen behalten. „Wir mochten unser M-Kennzeichen eigentlich immer ganz gern.“ Doch Corona verändert vieles. Die Anfeindungen gegenüber den Städtern machen Kranich inzwischen einfach nur wütend. „Ich finde das einfach unverschämt, wenn Leute deshalb angepöbelt werden.“

„Die Leute sollten einfach erst einmal überlegen - und dann handeln“, appelliert die zweifache Mutter. „Es gibt so viele Menschen, die mit einem Firmenwagen jeden Tag nach München fahren oder andere rausgezogene Münchner wie mich.“ Kranich will klarstellen: Nicht in jedem Fahrzeug mit M-Kennzeichen sitzt zwangsläufig ein Tourist. „Das kann genauso gut eine Familie von nebenan sein.“

Hasstiraden gegen Münchner: Familie aus Penzberg macht jetzt keine Ausflüge mehr

Normalerweise unternimmt die Penzbergerin mit ihren Kindern gerne Ausflüge mit dem Auto, am allerliebsten an den Starnberger See. Doch der regelrechte Hass auf Münchner hat diesen Unternehmungen vorerst ein Ende gesetzt. „Wir machen zurzeit keine Ausflüge mit dem Wagen, weil wir genau dieser Hetze nicht begegnen möchten. Da überlegt man es sich zweimal überhaupt irgendwohin zu fahren.“

Hasstiraden wegen ihres Kennzeichens hat Kranich selbst bisher noch nicht erlebt. Eines fällt ihr jedoch gerade beim Einkaufen auf: „Wenn ich mit unserem Auto zum Beispiel auf dem Edeka-Parkplatz parke - die Leute sagen zwar nichts, aber da wird man schon angeschaut. Man fällt auf.“

Konflikt zwischen Städtern und Einheimischen: „Einfach ein bisschen mehr Toleranz“

Verständnis zeigt die ehemalige Münchnerin in dem Konflikt übrigens für beide Seiten. „Natürlich wollen die Münchner raus. Wir haben damals auch in einer 3-Zimmer-Wohnung gewohnt. Natürlich flüchtest du da, gerade als Familie mit Kindern.“

Ebenso versteht sie den Ärger der Einheimischen über Ausflügler, die etwa ihren Müll im Wald zurücklassen. „Aber dann muss man sich eben einen Müllbeutel ins Auto werfen und sein Zeug hinterher mitnehmen. Das ist ja nix Neues.“ Alles in allem wünscht sich Marina Kranich eigentlich nur eines: „Einfach ein bisschen mehr Toleranz - und zwar von beiden Seiten“.

Der große Ausflügler-Andrang sorgte kürzlich für Frust in Jachenau: Ein Tourist erzürnte wohl wegen seines gewählten Parkplatzes den Ärger eines Unbekannten. Der hinterließ ihm daraufhin eine unfreundliche Botschaft auf der Motorhaube. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter. (kof)

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