682 Verkehrsunfälle gab es 2020 im Dienstbereich der Penzberger Polizei. Zu den schweren gehörte der Motorradunfall im September auf der B472 bei Sindelsdorf. Drei Menschen wurden schwer verletzt.
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682 Verkehrsunfälle gab es 2020 im Dienstbereich der Penzberger Polizei. Zu den schweren gehörte der Motorradunfall im September auf der B472 bei Sindelsdorf. Drei Menschen wurden schwer verletzt.

Polizei Penzberg registriert sinkende Zahlen

Corona-Effekt bei Unfällen und Straftaten - ein Jahr ohne Wohnungseinbruch

  • vonWolfgang Schörner
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Im Jahr 2020 gab es ein Viertel weniger Verkehrsunfälle und Straftaten im Dienstbereich der Penzberger Polizei – eine Folge der Corona-Pandemie. Die Polizei registrierte keinen einzigen Wohnungseinbruch. Dafür hatte sie ein neues Arbeitsfeld: Die Penzberger Polizei führte tausende Corona-Kontrollen durch.

Penzberg – Deutlich gesunken ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfälle und Straftaten im Dienstbereich der Penzberger Polizei, der den östlichen Teil des Landkreises bis Bernried umfasst. Dies sei ganz klar auf die Ausgangsbeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie zurückzuführen, sagt der Penzberger Polizeichef Jan Pfeil. Er legte jetzt die Verkehrs- und Kriminalitätsstatistik 2020 für den Dienstbereich vor.

Lockdown: Wenn weniger Autos unterwegs sind, kracht es seltener

Als Mitte März 2020 der Lockdown kam, war schlagartig weniger los. Die Leute, so Pfeils Beobachtung, hätten sich sehr diszipliniert an die Regeln gehalten. Was sich auch auf die Unfallzahlen niederschlug. Das heißt: Es waren weniger Autos unterwegs, deshalb krachte es auch seltener. Ein Trend, der laut Pfeil momentan wieder zu spüren ist. Einen ähnlichen Corona-Effekt gab es ihm zufolge bei den Straftaten. Pfeil veranschaulicht das an den Eigentumsdelikten: Überregionale Täter konnten nicht reisen, ohne aufzufallen. Und weniger Wohnungseinbrüche gab es, weil die Menschen häufiger zu Hause waren.

2020 gab es 25 Prozent weniger Unfälle als im Jahr davor

Laut Statistik ereigneten sich 2020 im Dienstbereich der Penzberger Polizei – die Autobahn zählt nicht dazu – insgesamt 682 Unfälle (mehr als die Hälfte davon Kleinunfälle). Das sind rund 25 Prozent weniger als 2019. Damals registrierte die Polizei noch 912 Unfälle. Auch die Zahl der Verletzten sank. Bei 96 Verkehrsunfällen wurden laut Statistik 111 Beteiligte verletzt. Im Jahr davor waren es 144. Ebenso gab es weniger Schwerverletzte: 31 statt 41. Und es war kein Verkehrstoten zu beklagen (2019: ein Verkehrstoter).

Zahl der Straftaten ging deutlich zurück

Ebenfalls sinkende Zahlen meldet die Kriminalitätsstatistik. Im vergangenen Jahr registrierte die Penzberger Polizei 737 Straftaten, also im Schnitt zwei am Tag. Dies waren laut Pfeil etwa 24 Prozent weniger als im Jahr davor (972 Straftaten). Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen zehn Jahre zeigt: Es wurden in diesem Zeitraum mit Abstand noch nie so wenig Straftaten verzeichnet wie 2020. Deren Zahl bewegte sich seit 2010 immer um die 1000, mit einem Rekord im Jahr 2013, als 1135 Fälle registriert wurden. Gestiegen ist laut Statistik übrigens die Zahl der aufgeklärten Straftaten. Die Quote lag bei 73 Prozent, so hoch wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Die Polizei ermittelte insgesamt 454 Tatverdächtige, von denen knapp ein Drittel nicht Deutsche waren.

Eine unterschiedliche Entwicklung gab es in den einzelnen Deliktbereichen. So sank 2020 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Gewalttaten deutlich von 233 auf 150 Fälle. Es gab weniger Drogenkriminalität: 52 Fälle (statt 71). Ähnlich war es bei einfachen Diebstählen (Rückgang von 159 auf 104 Fälle) und schweren Diebstählen (von 59 auf 34 Fälle). Es gab auch keinen einzigen Wohnungseinbruch, was Pfeil so noch nicht erlebt hat. In den Jahren 2016 bis 2018 waren es immer rund ein Dutzend Wohnungseinbrüche, im Jahr 2019 dann 6.

Betrügereien verlagerten sich von der Haustür ins Internet und ans Telefon

Andererseits registrierte die Polizei mehr Cyber-Delikte. Die Betrügereien verlagerten sich von der Haustür ins Internet und ans Telefon. Zusammengerechnet sank die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte, darunter Betrug, aber nur wenig (von 108 auf 99 Fälle). Deutlich erhöht hat sich dagegen die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (von 13 auf 31). Laut Pfeil nahm in dem Zusammenhang die Verbreitung illegaler Pornografie zu: Die Polizei registrierte 19 Fälle.

Tausende Kontrollen im Rahmen der Corona-Pandemie

Was früher nicht in der Statistik auftauchte: Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Von 21. März vergangenen Jahres bis heuer am 11. April führte die Penzberger Polizei 13 090 Kontrollen im Rahmen der Corona-Pandemie durch – zum Teil bei normalen Streifenfahrten, zum Teil nach Meldungen aus der Bevölkerung. Der Großteil der Bevölkerung sei diszipliniert, sagt Polizeichef Pfeil. „Das freut mich.“ Der Weg in die Normalität funktioniere nur mit Disziplin. Die Beanstandungsquote lag laut Statistik bei 4,5 Prozent. In 578 Fällen wurde Anzeige erstattet. Ein Fall erlangte dabei eine gewisse Bekanntheit: die „Kindsbier“-Feier in der Stadthallen-Gaststätte, zu der sich Ende Mai Bürgermeister und mehrere Stadtratsmitglieder versammelt hatten.

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