„Schwierig“ findet Silvia Wank vom Blumengeschäft „Passiflori“ ihre aktuelle Lage.
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„Schwierig“ findet Silvia Wank vom Blumengeschäft „Passiflori“ ihre aktuelle Lage.

Geschäfte in der Innenstadt

Trotz Corona-Lockerungen: Einzelhändler blicken unsicher in die Zukunft - „Wer es schafft, hat Glück gehabt“

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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„Wir bluten aus“: Unter diesem Motto haben Einzelhändler aus ganz Bayern Ende Februar auf ihre schwierige wirtschaftliche Situation hingewiesen. Ein Rundgang durch Penzbergs Innenstadt zeigt: Auch hier setzen die Corona-Pandemie und der Online-Handel den Geschäften zu.

Penzberg – In Weilheim greift er bereits um sich: der Leerstand. Insgesamt stehen hier derzeit acht Innenstadt-Geschäftshäuser leer. „Bei denen ist das der Supergau im Moment“, betont Monika Uhl vom Penzberger Verein „Pro Innenstadt“ bei einem Rundgang durch die Innenstadt am gestrigen Dienstag. In der Kurstadt Bad Tölz nehme der Leerstand von Geschäften ebenfalls zu, sagt Uhl und warnt mit Blick auf Penzberg: „Das passiert hier auch. Das bahnt sich an.“

Corona in Penzberg: Leerstand droht in Geschäftshäusern der Innenstadt - „Das bahn sich an“

Derzeit stünde in der Penzberger Innenstadt nach dem Umzug des Spielhauses „Purzmurzel“ in die untere Bahnhofstraße zwar nur eine Gewerbefläche in der Friedrich-Ebert-Straße leer. Für die Zukunft rechnet Uhl aber als Folge der beiden coronabedingten Lockdowns mit mehr Geschäftsaufgaben und in der Folge mit mehr Leerständen. „Diese Befürchtung ist da.“ Bisher wisse sie von zwei Gewerbetreibenden in der Innenstadt, die wegen der Pandemie ihre Geschäfte aufgegeben haben. Für deren Räume gäbe es aber Nachmieter.

Setzen auf Qualität: Doris Mühlfeldner von „Samt und B’sonders“ mit Mitarbeiterin Susanne Hackl-Tkaczyk.

Corona-Lockdown in Bayern: Mit Öffnung haben sich Probleme für Einzelhändler nicht erledigt

Und nur, weil der Einzelhandel jetzt wieder öffnen dürfe, seien die Probleme nicht weg, betont Stadtratsmitglied Markus Bocksberger (PM). Denn nun müssten die Einzelhändler wieder reinwirtschaften, was sie während der Lockdowns eingebüßt haben. Das werde für einige in Penzberg „hart“, vermutet Bocksberger.

So etwa für Silvia Wank vom Blumengeschäft „Passiflori“. Die erfahrene Geschäftsfrau bezeichnet ihre derzeitige Situation auch mit Blick in die Zukunft als „schwierig“. Sie habe ihren Laden seit einer Woche wieder geöffnet, aber viele Kunden seien unzufrieden, da die Blumen bei ihr teurer seien als früher.

Corona in Bayern: Einzelhändler blicken trotz Lockerungen unsicher in die Zukunft

Das liegt laut Wank unter anderem daran, dass Gärtnereien in der Pandemie weniger angepflanzt hätten und Importflüge teurer geworden seien. „Aber die Supermärkte haben Blumen zum Spottpreis“, kritisiert sie. Ob der Fortbestand ihres Geschäfts gefährdet ist, könne sie derzeit noch nicht sagen. Auf jeden Fall habe sie Steuerzahlungen „auf Eis legen“ müssen. „Sonst hätte es uns zerbröselt.“

Unsicher ist auch Doris Mühlfeldners Blick in die Zukunft. Ob sie die Existenz ihres Geschäfts bedroht sieht? „Mit Sicherheit“, sagt die Inhaberin des Bekleidungsgeschäfts „Samt und Bsonders“. „Wer es in Penzberg schafft, hat Glück gehabt“, ist ihre düstere Prognose.

Corona: Schwierige Zeiten für Einzelhändler - Trend zum billigen Online-Produkt weiter verstärkt

Mühlfeldner setzt nun auf ihre Kunden und darauf, dass ihnen Qualität und Nachhaltigkeit wichtiger sind, als ein günstiger Preis. Darauf hofft auch Iris Biedermann. Denn wenn die Menschen weiterhin im Internet einkaufen oder Billigware im Supermarkt erwerben, könne sie ihr Bademodengeschäft bald zusperren, fürchtet sie. Der Trend zum billigen Online-Produkt habe sich durch die Pandemie weiter verstärkt, findet sie.

Monika Uhl forderte die beim Rundgang anwesenden Vertreter der Stadt dazu auf, gemeinsam mit „Pro Innenstadt“ schon jetzt ein professionelles Leerstandsmanagement aufzubauen. Ziel müsse es sein, freie Gewerbeflächen in der Innenstadt möglichst schnell wieder zu vermieten – und zwar nicht an Handwerksbetriebe oder Fahrschulen mit einer geringen Kundenfrequenz. Sondern an Einzelhändler und Gastronomen, die mit ihrem Angebot eine Belebung der Innenstadt fördern können.

Corona in Penzberg: Leerstandsmanager gefordert - für Einzelhändler und Gastronomen

PM-Fraktionschef Bocksberger könnte sich in diesem Zusammenhang vorstellen, bei der Stadt die Stelle eines Leerstandsmanagers zu schaffen, wie es ihn bereits in anderen Städten gäbe. Bürgermeister Stefan Korpan zeigte sich dafür offen.

Seit dem vergangenen Sommer ist der städtische Kindergarten am Daserweg in Penzberg eine Großbaustelle. Rund sechs Monate später schreiten die Arbeiten planmäßig voran. Doch bis sie abgeschlossen sind, wird es noch eine Zeit länger dauern. Und für manche Menschen bleibt es ein Traum, im eigenem Garten Gemüse zu ernten oder Blumen zu säen. Viele Kommunen haben deshalb in den vergangenen Jahren Gemeinschaftsgärten eingerichtet. Die Fraktion von „Penzberg miteinander“ will einen innerstädtischen Garten, der allen offensteht, auch in Penzberg. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter.

(Von Franziska Seliger)

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