Kirche in Bernried.
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Auf dieser Wiese vor einer Kirche in der Gemeinde Bernried feierten am Wochenende 100 Menschen eine Hochzeit.

Teils ohne Maske und Abstand

Mitten im Lockdown: 100 Menschen feiern Hochzeit in Bayern - Polizei löst Veranstaltung auf

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Eine Hochzeitsfeier auf der Wiese vor einer Kirche könnte für die Frischvermählten ein teures Nachspiel haben: Wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln droht ihnen bis zu 5000 Euro Bußgeld.

Update vom 19. April, 15.50 Uhr: Dass Hochzeiten teuer sind, ist ja bekannt. Das gute Essen, die Hochzeitsband, die Deko – da kann schon etwas zusammen kommen. Dass es allerdings Bußgeldbescheide sind, die die Kosten für den Start in die gemeinsame Zukunft in die Höhe treiben, ist dann doch eher ungewöhnlich. Doch so könnte es jenem Pärchen ergehen, das sich am Samstag in der Bernrieder Kirche das Ja-Wort gegeben hat. Nachdem die Polizei ein Beisammensein vor dem Gotteshaus aufgelöst hat, prüft das Landratsamt Weilheim-Schongau nun, welche Bußgelder für die Beteiligten fällig werden.

Corona: Nach Hochzeit mit 100 Leuten - Landratsamt stellt klar „Wir haben da nichts falsch gemacht“

Wie berichtet, hatten an der Hochzeit rund 100 Besucher teilgenommen. Diese wohnten auch der kirchlichen Trauung bei. Für die Zeremonie selbst war keine Genehmigung nötig, bestätigt Erika Breu von der Pressestelle des Landratsamtes. „Gottesdienste dürfen abgehalten werden.“ Das Pfarramt müsse nur das Hygienekonzept absegnen. Das ist in Bernried geschehen, versichert Mesner Helmut Schindler. „Wir haben da nichts falsch gemacht“, ist er überzeugt. „Die Polizei hat sich das vor Ort auch angeschaut.“

Vor der Trauung hätten sich alle Beteiligten auf das Coronavirus testen lassen. „Auch die Ministranten“, sagt Schindler. Zudem habe es eine Sitzordnung gegeben, bei der darauf geachtet wurde, dass Haushalte zusammen saßen und ansonsten der Abstand eingehalten wurde. Unter den Gästen seien viele Familien und rund 15 bis 20 Kinder gewesen. „Darum haben wir überhaupt 100 Leute reinbringen können.“

Hochzeit im Lockdown: Feiernde halten Abstände nicht ein und tragen keine Masken

Die Hochzeit sei schon lange geplant gewesen. Den Termin im vergangenen Jahr sagten der 31-jährige Bräutigam und die 30-jährige Braut, die nicht aus Bernried stammen, ab. Heuer aber herrschte eine gewisse Zeitnot: Denn ab dem Sommer wird die Kirche St. Martin saniert. Dann wäre eine Trauung in dieser Größenordnung im Ort nicht mehr möglich gewesen. Und so wollte das Paar diesmal am Termin festhalten – andere Heiratswillige hingegen sagten auch heuer ihre Trauungen ab. Die Veranstaltung am Samstag „war die letzte Hochzeit in der Kirche vor der Sanierung“, sagt Schindler.

Dass diese ein Nachspiel hat, liegt nicht an der Zeremonie in St. Martin, sondern am Geschehen danach. Auf einer Wiese standen laut Polizeibericht Tische und ein Buffet. Die Besucher hätten zum Teil Abstände nicht eingehalten und keine Masken getragen. Ein Zeuge gab der Polizei einen Hinweis, die daraufhin mit mehreren Streifenwagen die Feier auflöste – da waren die meisten Gäste aber schon nicht mehr vor Ort. Die Feier hatte allerdings nicht im Innenhof des Klosters stattgefunden, wie die Polizei am Wochenende berichtet hatte – sondern auf einer Wiese direkt vor der Kirche.

Nach Hochzeitsfeier vor der Kirche: Bis zu 5000 Euro Bußgeld könnten fällig werden

Eine Liste mit allen Hochzeitsgästen liegt den Beamten vor. Das Landratsamt prüft, welche Konsequenzen das Ganze nach sich zieht. „Die Veranstaltung war bei uns nicht angezeigt“, sagt Breu. Deshalb könnte Bußgeld fällig werden. Entscheidend für die Höhe der Strafe sei, ob jemand Regeln bewusst ignoriert hat. Bei vorsätzlichem Handeln ist laut Breu für Veranstalter ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro vorgesehen, bei Fahrlässigkeit wären es 2500 Euro. Für Gäste würden 500 beziehungsweise 250 Euro fällig.                      (kma)

Update vom 19. April: Bei den  Missions-Benediktinerinnen klingelt seit der Berichterstattung über die Hochzeit immer wieder das Telefon. Denn die Polizei hatte berichtet, dass die Feier nach der Trauung im Innenhof des Klosters stattgefunden hatte. Das stimmt laut Schwester Mechthild Hommel nicht. „Das Ganze war auf einer Wiese vor der Kirche“, sagt sie - Mesner Helmut Schindler bestätigt das. Er war bei der Trauung in der Kirche dabei, bei der es ein umfassendes Hygienekonzept gegeben habe. „Wir haben da nichts falsch gemacht“, sagt Schindler. „Was dann draußen passiert ist, dazu kann ich nichts sagen.“

Ursprünglicher Artikel vom 18. April

Penzberg/Bernried - Zu zwei Großeinsätzen kam es am Samstag im Landkreis wegen klaren Corona-Verstößen. Auf dem Penzberger Stadtplatz hatten sich am Samstagabend gegen 20 Uhr rund 100 Personen versammelt. Dabei wurde ein 37-jähriger Mann festgenommen; er hatte eine Flasche in Richtung der Polizeibeamten geworfen, die sich um Auflösung des illegalen Treffens bemühten. Bereits am Nachmittag löste die Polizeiinspektion Penzberg mit Unterstützung mehrerer Streifenwagenbesatzungen eine Hochzeitsfeier im Klosterhof Bernried auf.

Corona zum Trotz: 100 Menschen feiern mit Hochzeitsbuffet im Klosterhof

Die laut Gästeliste etwa 100 Teilnehmer der Hochzeit hatten die Feier zu dieser Zeit bereits verlassen, heißt es im Pressebericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Sie seien der Polizei aber namentlich bekannt. Nach der kirchlichen Trauung des 31-jährigen Bräutigams und der 30-jährigen Braut hatte sich die Hochzeitsgesellschaft im Innenhof des Klostergeländes an Tischen getroffen, es war ein Buffet aufgebaut. „Abstände sollen dabei nicht eingehalten und Mund-Nase-Masken zum Teil nicht getragen worden sein“, so die Polizei, die nach einem Hinweis ausgerückt war. Die nach der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung notwendige Ausnahmegenehmigung des Landratsamts für eine solche Veranstaltung lag nicht vor. „Die Verordnung besagt, dass eine Hochzeitsgesellschaft neben den Trauzeugen nur die Familienmitglieder des engsten Familienkreises umfassen soll“, erläutert das Polizeipräsidium. Die PI Penzberg werde nun die Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz dem Landratsamt vorlegen.

Zum Einsatz am Samstagabend auf dem Penzberger Stadtplatz kam es nach mehreren Mitteilungen aus der Bevölkerung. Gegen 20 Uhr hat die Polizei dort eine Ansammlung von rund 100 Personen festgestellt, wie es im Pressebericht heißt: „Die meisten davon hielten weder Abstände ein, noch trugen sie eine Mund-Nase-Bedeckung.“ Es habe „keinerlei Anzeichen oder Hinweise auf ein Versammlungsgeschehen nach dem Versammlungsrecht“ gegeben. Versuche der Polizei, Kontakt mit den Personen aufzunehmen, seien ignoriert worden. Deshalb forderten die Beamten mit Lautsprecherdurchsagen mehrfach zum Verlassen des Platzes auf.

Corona: 20 Beteiligte in Penzberg ignorierten Weisung der Polizei

Die meisten Beteiligten seien dieser Aufforderung nachgekommen, rund 20 hätten sich jedoch gesammelt und seien in der Nähe verblieben. „Nach Sperrung der betroffenen Straße und einer weiteren Lautsprecherdurchsage mit der Aufforderung, die Vorgaben des Infektionsschutzes einzuhalten und die Örtlichkeit zu verlassen, wurde aus der Gruppe heraus eine Flasche in Richtung der Polizeibeamten geworfen“, berichtet die Polizei. Getroffen wurde niemand, der Flaschenwerfer jedoch festgenommen. Der „hochgradig alkoholisierte“ 37-Jährige verbrachte die Nacht in Polizeigewahrsam. Er muss sich nun wegen des tätlichen Angriffs und der versuchten gefährlichen Körperverletzung verantworten. Zudem wurden er und „etliche weitere Personen“ nach dem Infektionsschutzgesetz angezeigt.

Corona-Partys in Bayern: Privatfeiern in Weilheim, Huglfing und Altenstadt aufgelöst

Auch an drei weiteren Orten im Landkreis schritt die Polizei am Wochenende ein. Am Freitagabend hatten sich fünf Personen bei Bier und Spirituosen an einem Platz in Weilheim zusammengefunden, ohne Masken zu tragen oder Abstände zu wahren – was Platzverweise und Anzeigen zur Folge hatte. Nach einem Hinweis traf die Polizei am Freitag gegen 23 Uhr insgesamt zehn Personen bei einer Privatfeier in Huglfing an; alle Beteiligten wurden nach dem Infektionsschutzgesetz angezeigt. Acht junge Einheimische saßen schließlich in der Nacht auf Sonntag, kurz nach Mitternacht, im Raum einer Jugendeinrichtung in Altenstadt beisammen und tranken Alkohol. Eine Streifenwagenbesatzung der Polizeiinspektion Schongau beendete das Treffen und erstattete Anzeige gegen alle acht.

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mr

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