Penzberger CSU droht Spaltung: Jetzt soll Dobrindt helfen

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Der CSU in Penzberg droht die Spaltung. Womöglich gründen einige Mitglieder eine parteifreie Liste. Nun soll Alexander Dobrindt helfen.

Die Penzberger CSU droht auseinanderzubrechen. Der Riss ist so tief, dass einige Mitglieder eine eigene parteifreie Liste gründen wollen – falls der erst vor einem Monat wiedergewählte CSU-Chef Nick Lisson nicht zurücktritt. Spalten würde dies auch die CSU-Fraktion im Penzberger Stadtrat.

Michael Kühberger, der für die Christsozialen im Kommunalparlament sitzt, glaubt nicht mehr an eine Einigung. Er gehört wie die frühere Vize-Vorsitzende und Ex-Geschäftsführerin Alexandra Reiter – sie spricht von einem „sehr tiefen Graben“ – zu denjenigen, die über eine eigene Liste nachdenken.

Ausgangspunkt des Streits war die Vorstandswahl im Mai. Damals trat, wie berichtet, Michael Kühberger überraschend gegen Nick Lisson an. Dieser warf ihm im Gegenzug einen „versuchten Putsch“ vor, den er „einigen Leuten nicht vergessen“ werde. Zugleich hievte Lisson, der auch JU-Kreisvorsitzender ist, eigene JU-Leute in den Vorstand. Er vergraulte dabei insbesondere Stadtratsmitglied Jack Eberl, dem er erst den Kassierposten andiente, dann aber einen anderen Kandidaten vorschlug. Eberl und CSU-Fraktionschef André Anderl verzichteten daraufhin auf eine Kandidatur.

Bei einem internen Krisen-Gespräch am 7. Juli soll noch einmal versucht werden, den Riss in dem rund 130 Mitglieder starken Ortsverband zu kitten. Womöglich wird auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in seiner Funktion als CSU-Kreisvorsitzender anwesend sein.

Eine Lösung wäre es nach Ansicht von Alexandra Reiter, wenn anstelle Lissons „eine relativ neutrale Person“ den Vorsitz übernehmen würde und beide Seiten im Vorstand vertreten wären. Ändert sich nichts, wäre die Alternative „eine freie Liste“, sagt sie. Dort könne man dann weiter für Penzberg arbeiten. „Die Stadt liegt einem ja am Herzen. Es wäre schade, einfach aufzuhören.“ Dem Vorsitzenden Lisson wirft sie vor, in Penzberg nicht präsent zu sein. Außerdem sei er bei der Vorstandswahl mit „der Kettensäge“ vorgegangen. „Keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit Lisson“ sieht Michael Kühberger. Er kritisiert, dass der Vorstand nun eine „JU-Veranstaltung mit Lisson-Getreuen“ ist und – außer Ludwig Schmuck – kein Stadtratsmitglied zusätzlich in das Gremium berufen worden sei. Kühberger räumt dem Treffen am 7. Juli wenig Chancen ein: „In meinen Augen wird sich Lisson nicht bewegen.“

Zu den Lisson-Kritikern zählt auch CSU-Fraktionschef Anderl. Befragt, ob er im Ernstfall die CSU verlassen und sich einer neuen Liste anschließen würde, erklärte Anderl am Dienstag, er könne diese Frage heute nicht beantworten. Über das Gespräch am 7. Juli sagte er, man müsse schauen, ob ein Weg zurückführt. Er halte weder die Gründung einer neuen Liste noch eine gemeinsame Lösung für ausgeschlossen.

Ludwig Schmuck ist mit 27 Jahren das dienstälteste Stadtratsmitglied der CSU. Er habe schon anonyme Schreiben erhalten, mit der Aufforderung, er solle sich um die Situation kümmern, erzählt er. Die Versammlung im Mai sei ihm peinlich. „In 35 Jahren bei der CSU habe ich so etwas noch nicht erlebt.“ Falsch findet er sowohl Lissons Verhalten als auch Kühbergers unangekündigte Kandidatur. Schmucks Wunsch: „Wir sollten wieder in ruhiges Fahrwasser kommen.“

Nicht äußern wollte sich am Dienstag Lisson selbst. Nur so viel: „Wir werden uns am 7. Juli mit unserem Kreisvorsitzenden Alexander Dobrindt treffen; ein Vermittlungsgespräch, das von beiden Seiten gewollt ist. Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen“, teilte Lisson mit. Und: „Seitens des Vorstands möchten wir kein Öl ins Feuer gießen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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