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Geschafft: Die neue Führungsriege der Penzberger CSU nach der Wahl mit Vorsitzendem Nick Lisson (4.v.l.).

Ortsverband Penzberg

Kampfabstimmung bei der CSU

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Der Penzberger CSU-Ortsverband hat in einer turbulenten Hauptversammlung seine neue Führungsriege gewählt. Vorsitzender Nick Lisson setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen seinen Stadtratskollegen Michael Kühberger durch – Lisson, seit 2015 im Amt, musste sich allerdings viel Kritik für seinen Führungsstil anhören.

Zuvor hatte der Ortsvorsitzende Nick Lisson bei der Versammlung vor 44 der 133 Mitglieder im Nebenzimmer der Stadthalle eine positive Bilanz für 2016 gezogen. „Ich habe viel geschafft.“ Darunter zählte Lisson einen Landtagsbesuch ebenso auf wie Spendenübergaben, den Nikolausdienst, das Public-Viewing des EM-Halbfinales und die Landesversammlung der Jungen Union in Penzberg. Das sich die CSU für die Zulässigkeit des Wellenbad-Bürgerbegehrs ausgesprochen hatte – eine Stadtratsmehrheit sagte jedoch „Nein“ –, begründete Lisson: „Wir wollen die Unterschriften nicht vom Tisch wischen.“ Allerdings räumte der Vorsitzende Probleme ein: „In letzter Zeit hat es die CSU nicht geschafft, klar Position zu beziehen“. Auch seien Themen nicht besetzt worden. „Ich weiß, dass wir es hätten besser machen können.“ Allerdings vermisse er Geschlossenheit – er wisse nicht, ob die CSU in Penzberg hinter ihm steht. Dennoch kündigte Lisson an, erneut für den Vorsitz zu kandidieren.

Von Ludwig Schmuck vorgeschlagen, stand sein Name allein auf der Wahlliste. Bis Michael Kühberger aufstand. Der Stadtrat griff Lisson an. Er wundere sich, was seit 2015 passiert sei. „Wir marschieren in Penzberg jeder Partei hinterher.“ Dabei gebe es genug Baustellen wie AWO-Seniorenzentrum, Layritzhalle und Musikschule. Aber: „Wir haben in den letzten zwei Jahren in der CSU nichts mehr gemacht“, sagte er in Richtung Lisson. „Wir springen erst auf den Zug, wenn andere Parteien und Gremien etwas machen.“ Kühberger warf Lisson ein zu starkes Engagement für die JU auf Kreis- und Bezirksebene vor. Am Ende kündigte Kühberger seine Kandidatur für den Ortsvorsitz an.

Die Aussprache gestaltet sich lebhaft und persönlich. JU-Kassier Aleksander Trifunovic mahnte: Es würden „die alten Zeiten hochgelobt, aber was haben sie uns gebracht?“. Trifunovic nahm bei den politischen Defiziten auch die Fraktion in die Pflicht. Fraktionschef André Anderl räumte zu wenig Kommunikation zwischen Fraktion und Vorstandschaft ein, aber er fordert von der Führung mehr Aktivitäten für die Stadt: „Ich muss die Penzberger reinbringen.“ Es brauche Geschlossenheit. „Sonst sind wir in drei Jahren nicht mal mehr drittstärkste Kraft.“

Deutliche Worte für das CSU-Erscheinungsbild fand Helmut Tengg, einst Geschäftsführer und Vize-Vorsitzender: „Es kommt nichts mehr rüber.“ Tengg sprach von „Versagen“ der Führungs. „Hier fahren wir richtig den Karren in den Dreck.“

Und Nick Lisson? Der nahm die Kritik zur Kenntnis, sprach von seinem Engagement für die Stadt und verteidigte seine JU-Aktivitäten. „Das ist mein Zuhause.“ Allerdings kündigte er an, auf die Kandidatur für den Bezirksvorsitz zu verzichten.

Am Ende setzte sich Amtsinhaber Nick Lisson mit 27 Ja-Stimmen durch, 18 „Ja“ erhielt Michael Kühberger.

Der Riss geht tief durch die Partei, selbst durch die siebenköpfige Stadtratsfraktion. Das zeigte sich bei den weiteren Wahlen zur CSU-Führungsriege. Der bisherige Stellvertreter André Anderl verzichtete auf eine Kandidatur: „Ich stehe in dieser Vorstandschaft nicht zur Verfügung.“ Gewählt wurden die von Nick Lisson vorgeschlagenen Monika Engel, Alexander Randl und Paul Hattemer. Beim Schatzmeister kam es zu einem Eklat: Lisson schlug wohl entgegen einer Absprache mit Amtsinhaber Jack Eberl seinen eigenen JU-Kollegen Aleksander Trifunovic vor. Eberl lehnte daraufhin eine Kandidatur „in diesem Kasperlverein“ ab. Trifunovic erhielt 18 Ja- und 13 Nein-Stimmen, 14 Wahlzettel waren ungültig. Bessere Ergebnisse erhielten Claudia Engel (Schriftführerin) sowie die Beisitzer Michael Schmatz, Florian Randl, Michael Bobak, Annette Hattemer, Christine Geiger, Stefan Fuchs, Wolfgang Scherl, Renate Mair und Matthias Baumgartner.

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