Bei Roche in Penzberg leitet Anna Bauer-Mehren (Mitte) die Abteilung „Data Science“.
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Bei Roche in Penzberg leitet Anna Bauer-Mehren (Mitte) die Abteilung „Data Science“.

Podiumsdiskussion am 27. April

Patientendaten: Ein „Schatz“ für die Krebsforschung - Roche wirbt um Akzeptanz

  • vonWolfgang Schörner
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Wie wichtig sind Patientendaten für die Forschung? Für das Biotech-Unternehmen Roche ist die Antwort klar: Es sei ein Datenschatz, um bessere Medikamente und Therapien entwickeln zu können. Roche will nun verstärkt um Akzeptanz werben, unter anderem mit einer Online-Podiumsdiskussion Ende April. Als Beispiel soll die Krebsforschung dienen.

Penzberg – Anna Bauer-Mehren ist Bioinformatikerin. Sie leitet bei Roche in Penzberg die Abteilung „Data Science“ in der Pharmaforschung. Sie und ihre Kollegen befassen sich mit Daten und Methoden, diese Daten zu analysieren. Man brauche sie, um zu verstehen, was eine Erkrankung mit dem Patienten macht, sagt Anna Bauer-Mehren. Soll heißen: Je mehr Daten man hat, desto besser versteht man die Krankheit. Ziel sei eine personalisierte Medizin, also die Entwicklung von Medikamenten und Therapien, die auf einen Patienten oder eine bestimmte Krebsart zugeschnitten sind. Jeder Patient und jede Krebserkrankung sei anders, erklärt die Wissenschaftlerin.

Roche: Mehr Daten für die Forschung - bessere Krebstherapien

Das Unternehmen Roche verwendet Daten aus der eigenen Forschung, zum Beispiel, um die molekularen Mechanismen der Krebsart zu verstehen, und aus klinischen Studien. Keinen Zugriff haben die Forscher allerdings auf Patientendaten. Wichtig wären diese Daten laut Bauer-Mehren jedoch, um die verschiedenen Krebsarten und deren Untergruppen noch besser zu verstehen und zum Beispiel Biomarker zu finden, die die Patientengruppen unterscheiden. Mehr Wissen könnte dadurch auch über das Zusammenspiel von Immunsystem und Tumorzellen entstehen. Auf dieser Basis könnten wiederum bessere Krebstherapien entwickelt werden, erklärt Bauer-Mehren. Sie erwartet auch, dass sich auf diese Weise die Zulassung von neuen Therapien beschleunigt.

Roche: „Breite Masse“ der Daten bleibt ungenutzt

Momentan können die Forscher laut Bauer-Mehren nur etwa fünf Prozent aller Daten von Krebspatienten für ihre Analysen verwenden. Sie stammen ihr zufolge aus klinischen Studien. Das bedeutet, dass „die breite Masse der Daten“ ungenutzt bleibt. „Wenn wir wirklich verstehen wollen, was vor sich geht und dann die richtigen Therapien entwickeln wollen, dann müssen wir uns eigentlich alle diese Daten anschauen“, erklärt sie.

Elektronische Patientenakten - andere Länder sind bei Digitalisierung weiter

Bauer-Mehren spricht in dem Zusammenhang von „Real World Data“, Daten aus der realen Welt. Im Prinzip geht es dabei um Patientendaten in Praxen und Kliniken. Zur Nutzung für die Forschung müssten sie in elektronischer Form vorliegen. In Deutschland wird dafür jetzt die Voraussetzung geschaffen: die elektronische Patientenakte. In anderen Ländern sei die Digitalisierung weiter fortgeschritten, sagt Bauer-Mehren. Sie würde sich auch für Deutschland eine höhere Geschwindigkeit wünschen.

In welcher Form dann ein Patient der Weitergabe seiner Daten zustimmen oder sie ablehnen kann, dafür sei man kein Experte, erklärt Roche-Pressesprecher Johannes Ritter. „Unsere Aufgabe ist es nur, zu zeigen, was man mit solchen Daten machen kann“, so Bauer-Mehren. Diese Patientendaten, stellt sie klar, wären anonymisiert. Die Person dahinter soll nicht identifizierbar sein.

Roche bereitet Online-Podiumsdiskussion über „Gesundheitsdaten“ vor

In der Öffentlichkeit ist das Thema umstritten, insbesondere, was den Datenschutz angeht. Die „Bedeutung von Gesundheitsdaten für die Gesellschaft“, den Datenschutz und ethische Fragen will das Unternehmen Roche deshalb am Dienstag, 27. April, bei einer Online-Podiumsdiskussion thematisieren. Man wolle „Transparenz schaffen“ und „Vorurteile abbauen“, erklärt Johannes Ritter. Man wolle die Menschen dazu motivieren, ihre Gesundheitsdaten der Forschung zur Verfügung zu stellen. Speziell ansprechen will das Unternehmen mit der Diskussion die Bevölkerung an den deutschen Roche-Standorten in Mannheim, Penzberg und Grenzach. Am virtuellen Podium sollen neben Bauer-Mehren eine Brustkrebspatientin und Experten des „Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen“ in Heidelberg und des Fraunhofer-Instituts für digitale Medizin sitzen, darunter eine Ethik-Professorin.. Zum Vormerken: Die virtuelle Podiumsdiskussion „Digitalisierung in der Medizin – Was die Daten uns verraten“ wird am 27. April, 16.30 bis 18 Uhr, auf dem Roche-Kanal bei YouTube übertragen. Zuschauer können über das Portal „Slido“ mitdiskutieren.

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