Nasse Füße erwünscht: So heißt es auf dem Schild, das die Bayerischen Staatsforsten aufgestellt haben. Darauf erklären sie, dass sich das einst trockengelegte Moor, nach Schließung der Entwässerungsgräben, bei Regen wieder wie ein Schwamm vollsaugen kann. Links ist die Fläche zu sehen, auf der im Herbst Bäume gefällt wurden.
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Nasse Füße erwünscht: So heißt es auf dem Schild, das die Bayerischen Staatsforsten aufgestellt haben. Darauf erklären sie, dass sich das einst trockengelegte Moor, nach Schließung der Entwässerungsgräben, bei Regen wieder wie ein Schwamm vollsaugen kann. Links ist die Fläche zu sehen, auf der im Herbst Bäume gefällt wurden.

Renaturierung des „Mauserfilz“

Fällungen bei Penzberg: Der verschwundene Wald von Edenhof

  • vonWolfgang Schörner
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Fast komplett verschwunden ist ein Fichten- und Kiefernwald bei Edenhof südlich von Penzberg. Die Bäume fielen allerdings für den Klimaschutz. Denn in einem zweiten Schritt wollen die Bayerischen Staatsforsten dort nun das einst trockengelegte „Mauserfilz“ aufleben lassen. Ab Mai werden dafür Gräben geschlossen, die das Moor bislang entwässert haben.

Penzberg – Das etwa 30 Hektar große „Mauserfilz“ (das entspricht 41 Fußballfeldern) liegt im Süden von Penzberg zwischen dem Ortsteil Edenhof und der Loisach. Bis vor einem Jahr war das einst trockengelegte Moor großteils bewaldet. Nun sind die Bäume bis auf einen Restbestand verschwunden. Einige aufgestapelte Stämme warten dort noch auf den Abtransport. Es ist die erste Etappe einer Moorrenaturierung, die sich der Forstbetrieb Bad Tölz der Bayerischen Staatsforsten vorgenommen hat.

Bereits vor einem Jahr waren Bäume auf einer Fläche von etwa elf Hektar gefällt worden, ein Großteil der Fichten und ein Teil der Kiefern. Die restlichen Kiefern, die noch zu sehen sind, bleiben stehen. Sie würden die Feuchtigkeit besser vertragen als Fichten, erklärt Rudolf Plochmann, Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz, auf Nachfrage. Ab vergangenen Herbst wurden dann auf weiteren rund elf Hektar Bäume entnommen, darunter auch die jungen, bis zu vier Meter hohen Bäume, hauptsächlich Fichten, im östlichen Bereich. Die Fällungen sind damit laut Plochmann abgeschlossen. Rund 5000 Kubikmeter Holz sind ihm zufolge angefallen, von denen jener Teil, der nicht zu Brettern verarbeitet werden kann, an Biomassekraftwerke verkauft wird.

Nach Fällungen kann es mit der Moorrenaturierung losgehen

Nun kann es mit der eigentlichen Renaturierung des „Mauserfilzes“ losgehen. Ab Mai, so Plochmann, sollen die Entwässerungsgräben verschlossen werden. Das Vorgehen sei in der wasserrechtlichen Genehmigung des Wasserwirtschaftsamtes festgelegt. Mit den Arbeiten wurde ein Unternehmen beauftragt. Wie es bereits vor einem Jahr beim Start der Fällaktion hieß, werden die Gräben nach einem genauen Plan durch etwa 150 Torfdämme verschlossen (wir berichteten). Das soll laut Plochmann im Laufe dieses Sommers geschehen. Auf diese Weise wird die Entwässerung gestoppt, Regenwasser kann sich wieder aufstauen.

Wiedervernässung geht relativ schnell, dann folgt aber ein langer Prozess

Die Erfahrung aus anderen Moorrenaturierungen zeige, dass diese Wiedervernässung relativ schnell gehe, erklärt Plochmann. Abhängig ist dies natürlich davon, wie viel Regen fällt. Das Niederschlagswasser werde gespeichert, Torfmoore würden dann wieder wachsen. Allerdings schränkt der Tölzer Forstbetriebsleiter auch ein: Das Moor habe einst tausende Jahre zum Entstehen gebraucht; natürlich sehe es nicht innerhalb von 20 Jahren so aus wie früher. Dies sei ein „sehr langer Prozess“. Aber, so Plochmann: „Auch die längste Reise beginnt mit einem Schritt.“

Moore sind Wasserspeicher und Lebensräume und binden Treibhausgase

Die Renaturierung hat in jedem Fall positive Folgen, die Plochmann bereits vor einem Jahr aufzählte. Zum einen seien Moore wertvolle Lebensräume für viele Pflanzen und Tierarten, zum Beispiel Sonnentau und Wollgras sowie Kreuzotter und Argusbläuling, ein Schmetterling. Zweitens seien intakte Hochmoore ein perfekter Wasserspeicher, der Hochwasserspitzen abbremst. Der dritte Punkt betrifft den Klimaschutz: Intakte Hochmoore speichern Kohlendioxid. Sie binden große Mengen des Treibhausgases und beugen damit dem Klimawandel vor, heißt es auch auf einem Schild, das der Forstbetrieb vor Ort aufgestellt hat.

Diese Funktionen hatte das „Mauserfilz“ weitgehend verloren. Es war laut Plochmann Ende des 18. Jahrhunderts wie viele Moore in Oberbayern durch systematisch angelegte Gräben entwässert worden. Damals wurden die Flächen mit Fichten aufgeforstet. Das Holz wurde für das Bergwerk benötigt. In der Folge seien die oberen Torfschichten ausgetrocknet. Mikroorganismen zersetzten sie zu CO2, das danach in die Atmosphäre entwich. Zugleich verlor das „Mauserfilz“ die Fähigkeit, Wasser zu speichern.

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