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Wellenbad in Penzberg

Hallenbad: Neubau-Pläne und düstere Bilder

Die Stadtwerke haben die Hallenbad-Pläne in Penzberg erläutert und über Wünsche, Kritik und Alternativen gesprochen.

Penzberg - Der Raum ist gefüllt mit Menschen. Jeder versucht, einen Platz auf den begehrten Stühlen zu ergattern. Manch einer macht es sich auf dem Fenstersims bequem. Der Grund für den großen Andrang im Sitzungssaal des Rathauses sind die Neubaupläne für ein Hallenbad in Penzberg. Die Stadtwerke haben zu der Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstagabend eingeladen.

An seiner Seite hat Stadtwerke-Leiter Josef Vilgertshofer den Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand aus Bielefeld, Ernst-Ulrich Tillmanns vom Stuttgarter Architektur-Büro „4a“ und Hans-Helmut Schaper von der Planungsgruppe „Va“ für technische Gebäudeausrüstung aus Hannover. Kurz zuvor waren sie in kleiner Runde mit den Kritikern aus dem Schwimmverein zusammengesessen. In ihrer Einleitung lassen die Vier keinen Zweifel daran, dass sie einen Neubau einer Wellenbad-Sanierung klar vorziehen. Elektrotechnik, Lüftungsanlagen, Verrohrung oder Beckenhydraulik seien nicht mehr tragbar. „Am Ende bleibt sehr wenig, das man weiterverwenden könnte“, sagt Schaper. Eine Sanierung wäre deutlich teurer als gleich neu zu bauen, schiebt Brand hinterher.

In den Tagen zuvor hatte Schwimmvereinschef und Statiker Wolfgang Kling die Ansicht vertreten, eine Sanierung sei mit zwei Millionen Euro zu stemmen. In Zweifel zieht dies dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck mit der ersten Wortmeldung des Abends. Er hat Unterlagen einer Ausschusssitzung aus dem Jahr 2011 mitgebracht. Damals habe Kling bei einem Gutachten noch von 5,5 Millionen Euro gesprochen. „Und jetzt sollen’s auf einmal nur noch Zwei sein? Das erklärst mir bitte mal.“ Kling schüttelt nur den Kopf.

Dass es noch viele andere Themen gibt, die den Bürgern unter den Nägeln brennen, wird rasch deutlich. Immer wieder gibt es Fragen zu einer Sauna. „Ich vermisse diesen Punkt in dem Projekt“, beklagt ein älterer Mann. „Eine Sauna ist allein aus gesundheitstechnischen Gründen extrem wichtig für Penzberg.“ Es dürfe nicht immer nur um die Kosten gehen, sondern auch „um das, was man will“, pflichtet ihm ein anderer Mann bei. Anregungen, für die Vilgertshofer Verständnis zeigt. Aber: „Eine Sauna darf das laufende Defizit nicht erhöhen, sondern muss sich selbst rechnen“, betont er. Dafür sind laut Brand 30 000 Besuche im Jahr nötig. Ein unrealistisches Szenario. Eine Restchance auf eine Sauna besteht aber. Die Stadtwerke haben eine Marktpotenzialanalyse in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wollen sie Ende März präsentieren.

Für reichlich Diskussionsstoff sorgt ebenso die Frage nach der Zukunft des Schwimmvereins. „Haben sie bedacht, dass die Kinder in Penzberg womöglich zweieinhalb Jahre lang nicht schwimmen können?“, fragt eine Frau. „Denen nehmen sie ihren Sport weg.“ Als Lösung schlagen viele einen Neubau auf einem anderen Grundstück vor – bis dieser fertiggestellt ist, könnte der Betrieb im Wellenbad weiterlaufen, so der Wunsch. Doch auch hier muss Vilgertshofer auf die Finanzen verweisen. Er hege große Sympathien für die Arbeit der SGO, doch bei einem rein aus Fremdkapital finanzierten Projekt sei der Gürtel sehr eng geschnallt. Momentan, so Vilgertshofer, gebe es nur eine denkbare Fläche – er meint das Eck zwischen Seeshaupter Straße und Birkenstraße. Aber die finanzielle Belastung für die Stadt wäre enorm. Die Mehrkosten würden sich auf zwei Millionen Euro belaufen. Mit ähnlichen Argumenten muss Vilgertshofer die Schulvertreter vertrösten, die um den Schwimmunterricht bangen.

Doch manche Sorge kann er an diesem Abend zerstreuen. Die Eintrittspreise im neuen Bad werde man lediglich „moderat anheben“. Eine Erhöhung der Abwassergebühren zur Tilgung der Kosten sei zudem ausgeschlossen. „Eine Vermischung ist nicht erlaubt“, sagt Vilgertshofer. Die Gebühren für Wasser würden in keinem Fall zur Finanzierung von Defiziten in anderen Bereichen verwendet. Dass man mit den Planungen nicht schon früher an die Öffentlichkeit gegangen sei, habe nicht an den Stadtwerken gelegen. Es sei nicht eher möglich gewesen. Die Schuld für Unklarheiten unter den Bürgern gibt er den Medien.

Bei allen Kontroversen bleibt am Ende eine Wortmeldung von Walter Kraus hängen. „Das Wellenbad in Penzberg ist ein hervorragender Standort, auf den wir alle stolz sind. Aber wir können nicht auf dem Stand bleiben, den wir heute haben. Die Welt dreht sich weiter. Deshalb gibt es für mich nur einen Weg: vormarschieren mit ordentlichen Lösungen.“

Zwei Stunden vor der Bürgerinfoveranstaltung war es zu einem Treffen von Stadtwerken, deren Experten und den Kritikern vom Schwimmverein gekommen. Dort zeichneten die Stadtwerke und deren Fachleute ein düsteres Bild vom Zustand des Wellenbads. Die Rede war von schweren Schäden im Beton, Mängeln beim Brandschutz, Legionellen-Gefahr und hohem Sanierungsbedarf in fast allen Bereichen. Eine Sanierung könne man wegen der hohen Kosten „guten Gewissens nicht empfehlen“, sagte Ernst-Ulrich Tillmanns vom Stuttgarter Architektur-Büro „4a“, der vor zwei Jahren eigentlich angetreten war, das Wellenbad zu sanieren. Deshalb, so der Tenor, soll ein Hallenbad-Neubau entstehen. Kosten: 12 Millionen Euro und damit laut Stadtwerke weit weniger als eine Sanierung.

Zusammen kamen beide Seite nicht. Während Stadtwerke-Leiter Josef Vilgertshofer Aussagen vermisste, wie Wolfgang Kling auf nur zwei Millionen Euro Sanierungskosten komme, zweifelte Kling jene 19,5 Millionen Euro an, die die Stadtwerke für eine Sanierung prognostizieren würden, und sprach von Panikmache. Zur Sprache kam auch der Vorschlag, in der Bauzeit ein Becken mit Traglufthalle provisorisch zur Verfügung zu stellen. Eine Idee, die nicht schlecht wäre, so Kling. Projektsteuerer Brand sagte, dass dies grundsätzlich machbar wäre. Eine Traglufthalle samt Infrastruktur koste 800 000 Euro. Nötig sei aber noch ein Freibecken, über das die Halle gestülpt wird, und dies sei nicht unter 6 Millionen Euro zu haben, sagte Brand.

nutz/wos

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