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Technik ist wichtig, aber wichtiger ist Gefühl: DJ Rupen beim Musik-Mischen zuhause in ZIST. Mit seinem „Rupidoo Music Club“ hat er rund 50 Auftritte jährlich.

Er verrät sein Alter nicht

Dieser DJ brachte die Ü-30-Party nach München - jetzt prognostiziert er den nächsten Trend

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In Köln wurde er in den 80er Jahren eher zufällig zum Discjockey, in München erfand er in den 90ern die erste Ü-30-Party der Stadt. Heute bringt DJ Rupen selbst erklärte Nichttänzer mit seinem „Rupidoo Music Club“ in Ekstase – und lebt in ZIST bei Penzberg, mitten im Grünen. Denn schöner als Musik ist nur: Ruhe.

Penzberg – Er kommt aus der Stadt und lebt von der Stadt. In Köln hatte Rupen K. Gehrke zusammen mit Freunden mal eine eigene Diskothek. Im Münchener Völkerkundemuseum machte der legendäre „Jalla Club“ Furore, den er 2002 zusammen mit Dimitri Voulgarakis startete und dessen bis dato unerhörte, urbane Mischung von Klängen aus aller Welt auch drei erfolgreiche CD-Compilations füllt. Im Münchener Gasteig brachte er soeben das städtische Kulturvolk bei der Abschlussparty des „Faust-Festivals“ zu wilden Tänzen. Er legte in Paris, Südkorea, Mexiko-Stadt auf – und fuhr danach wieder gern dorthin zurück, wo das Auge ungestört bis zu den Alpen sieht und die Straße zum Wohnhaus zwischen Weihern und Wald so eng wird, dass man mit dem Auto am Rand anhalten muss, wenn ein anderes entgegenkommt.

„Ich liebe das hier“, sagt Gehrke über seine Wahlheimat im tiefsten, grünsten Oberland, auch wenn der Seminarbetrieb im ZIST, wo seine Frau als Programmleiterin arbeitet und das Paar lebt, allzu oft „Freibadfeeling“ verströmt: „Ich würde nie wieder in die Stadt ziehen.“ Rund um ZIST findet der DJ, was er zum Ausgleich für sein freiberufliches Nachtleben braucht: Wälder zum Laufen, Stille zum Meditieren, Raum für neue Ideen.

Eine ganze Reihe von letzterem hat der Musikenthusiast, der sein Alter nicht verrät („das wäre berufsschädigend“, wie er sagt), bereits erfolgreich verwirklicht: In den 80er Jahren betrieb er eine angesagte Diskothek in seiner Geburtsstadt Köln. Frisch in den Süden gezogen, etablierte er im Münchener „Schlachthof“ ein paar Jahre später die erste Ü-30-Party der Landeshauptstadt – „Elternabend“ genannt und jeden Montag von Hunderten ersehnt.

Schon dort spielte DJ Rupen nie nur Hits. Und mit dem „Jalla Club“ hatte er bald darauf endgültig sein Konzept gefunden: Da fließen Klänge aus alle Welt ineinander, Musik oft unbekannter Bands vom Balkan, aus dem Orient, aus Afrika oder aus Südamerika. Das alles am liebsten wild durcheinander und doch – das ist die Kunst des Discjockeys – immer passend.

Die Partys sind eine Mischung aus „Plattenauflegen“ – das sich mittlerweile freilich aus rund 35 000 Musiktiteln im Laptop speist – und Live-Performance mit immer neu eingebauten Beats und Samples. Zudem lädt Gehrke zu den Club-Abenden immer wieder befreundete Künstler und Musiker zu Gastauftritten ein, zum Beispiel den Schriftsteller und „Russendisko“-Pionier Wladimir Kaminer, die Bands „Django 3000“ und „Kofelgschroa“ oder die rumänischen Vorzeigebläser „Fanfare Ciocarlia“.

DJ Rupen ist gewiss ein besonders musikalischer Discjockey. Als Musiker begann sein Werdegang ja auch, und das früh. In den Schulferien zog er als Straßenmusiker durch Europa, in verschiedensten Jazzbands spielte er Querflöte, Saxofon und Klarinette. „Aber mein Musikempfinden wuchs schneller, als ich üben konnte“, sagt Gehrke. Auf Dauer zum Beispiel auf den Spuren Django Reinhardts zu swingen, das wurde ihm zu langweilig. Beim Jobben als Barmann in einer Kölner Disco sprang er dann eines Abends ein, als der DJ ausfiel – und spürte sofort: „Das war genau das, was ich immer wollte.“

„Cumbia wird die neue Welle“

Er will es bis heute, genießt auch viele Jahre später noch den direkten Kontakt zu den Menschen auf der Tanzfläche, liebt es, sie bei seinen rund 50 Auftritten jährlich zu überraschen und zu überwältigen mit Musik, „die kein Schwein kennt“. Dabei verlässt er sich komplett auf sein Gefühl. Playlists hält DJ Rupen für ebenso verzichtbar wie Konzepte: „Man weiß ja eh nicht, ob’s klappt.“ Man spürt es – oder eben nicht.

„Cumbia wird die neue Welle“, das ist zum Beispiel etwas, das Gehrke genau spürt. Der aus Kolumbien stammende Musikstil, der afrikanische Rhythmen mit spanisch beeinflussten Melodien mischt, ist seine aktuelle Lieblingsmusik, seine neue Reihe heißt „Fiesta de Cumbia Infernal“. Kostproben davon gibt es aber auch regelmäßig bei Partys mit DJ Rupen in der Region.

Auch im Buchheim-Museum in Bernried wird öfter zur besonderen „Rupidoo“- Mischung getanzt. Und für die kleine Stadt, bei der er wohnt, hätte er er dann auch noch eine Idee: Er möchte mithelfen, die fast 80 Nationalitäten, aus denen sich Penzberg zusammensetzt, zu einem großen Fest, einem „Jahrmarkt der verschiedenen Kulturen“ zusammenzubringen. Damit kennt er sich schließlich aus. „Und ich spüre, dass Penzberg das bräuchte.“

Eine Disco in Oberbayern, vor der es einst lange Schlangen gab, schloss im September. 

Magnus Reitinger

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