Die Luftabzüge, hier in einer Schule in Rheinland-Pfalz, wurden vom Max-Planck-Institut entwickelt. Sie lassen sich auch selbst zusammenbauen.
+
Die Luftabzüge, hier in einer Schule in Rheinland-Pfalz, wurden vom Max-Planck-Institut entwickelt. Sie lassen sich auch selbst zusammenbauen.

Wunsch nach Pilotprojekt

Eltern und Förderer der Penzberger Realschule: Luftreiniger, Marke Eigenbau, fürs Klassenzimmer?

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

Förderverein und Elternbeirat der Penzberger Realschule wollen das Landratsamt dafür gewinnen, in einem Klassenzimmer ein Lüftungsgerät, Marke Eigenbau, zu installieren, das Coronavirus-haltige Aerosole aus der Raumluft entfernen kann. Gedacht wäre dies als Pilotprojekt. Die Vorlage liefert die Max-Planck-Gesellschaft.

Penzberg – Um einen sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen, hatten sich Förderverein und Elternbeirat der Penzberger Heinrich-Campendonk-Realschule mit der Bitte um mobile Luftreiniger bereits im Januar an das Landratsamt gewandt. Auch die Schulleitung hatte sich der Bitte angeschlossen (wir berichteten). Damals ging es darum, eine finanzielle Förderung des Freistaats abzurufen. Allerdings erfolglos.

Nun starten Elternbeirat und Förderverein einen neuen Anlauf – für ein Pilotprojekt. Sie schlagen dem Landratsamt vor, dass sie selbst zunächst in einem Klassenzimmer eine Lüftungsanlage installieren, die die gebrauchte Luft absaugt und die ohnehin vorgesehenen Lüftungsmaßnahmen unterstützt. Der Förderverein würde diese eine Lüftungsanlage auch finanzieren, wie der Vorsitzender und ehemalige Realschulleiter Johann Georg Schedler erklärt. Er geht von 200 bis 400 Euro aus. Zusätzlich, so der Vorschlag, sollten Daten erhoben werden, also der Testlauf wissenschaftlich begleitet werden, so Vorstandsmitglied Kordt Schlieper.

Lüftungsanlage: Max-Planck-Forschende haben das Modell konstruiert

Dabei geht es um eine Lüftungsanlage, die Forschende des Max-Planck-Instituts für Chemie im vergangenen Jahr konstruiert haben und die sich mit Materialien aus dem Baumarkt nachbauen lässt. Die Anlagen gleichen Schirmen, die an der Decke über den Tischen hängen. Konstrukteur Frank Heilleis wird von der Max-Planck-Gesellschaft dahingehend zitiert, dass die Anlage in Laborversuchen rund 90 Prozent künstlich erzeugter Aerosolpartikel aus dem Raum entfernen konnte. Im vergangenen Herbst gab es erstmals einen Test an einer Schule in Mainz. Michael Wiesner, Vorstandsmitglied im Förderverein und zugleich Elternbeiratsvorsitzender, erzählt auch von einer Schule im Allgäu, in der Eltern zwei Anlagen nach der Anleitung des Max-Planck-Instituts nachgebaut haben. Sie würden gut funktionieren. Kordt Schlieper könnte sich vorstellen, dass der Bau dieser Anlagen im Rahmen eines Schulprojekts geschehen könnte, bei dem die Schüler selbst die Geräte bauen. Die Bauanleitung sei einfach, sagt er.

Bessere Raumluft in Klassenzimmern nicht nur wegen der Pandemie nötig

Elternbeirat und Förderverein geht es auch um eine bessere Raumluft über die Pandemie hinaus. Die Luft in Klassenzimmern sollte grundsätzlich besser werden, so Michael Wiesner, egal ob es um Feinstaub, Viren oder Allergiepollen geht. Im Winter könnte das Lüften bei Eiseskälte entfallen. Johann Georg Schedler fügt an, er wisse aus seiner langjährigen Erfahrung, „wie schlecht die Luft in Klassenzimmern generell ist“. Deshalb sei eine Luftverbesserung in jedem Fall erstrebenswert, wegen der Pandemie natürlich umso mehr. Man wolle da auch keine Konfrontation mit dem Landkreis, sagt Kordt Schlieper. Es gehe um Kooperation.

Mit dem Landratsamt sind Förderverein und Elternbeirat bereits im Gespräch. Kurz vor den Pfingstferien gab es ein Gespräch. Es sei sehr konstruktiv gewesen, sagt Michael Wiesner. Man werde nun Kontakt zum Kultusministerium aufnehmen, um dessen Haltung zu kennen. Ist diese positiv, könnte das Landratsamt gegebenenfalls dort einen Antrag stellen.

Kommt es zum Testlauf an der Penzberger Realschule und ist er erfolgreich, könnte der Landkreis, so die Idee, die weitere Installation der Lüftungsanlagen übernehmen, nicht nur in den 22 Klassenzimmern der Penzberger Realschule, sondern auch an anderen Landkreis-Schulen. Man müsse davon ausgehen, dass auch das nächste Schuljahr nicht normal beginnen wird, sagt Wiesner. „Das Thema wird uns begleiten“, so der Elternbeiratsvorsitzende. „Es wäre schlimm, wenn wir uns dann fragen: Wieso haben wir im Sommer die Chance nicht genutzt?“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare