Engstellen kommen weg nach einem Stadtratsbeschluss, hier an der Bichler Straße in Penzberg.
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Engstellen kommen weg nach einem Stadtratsbeschluss, hier ein Provisorium an der Bichler Straße in Penzberg.

Bichler Straße und Wölfl in Penzberg

Penzberger Stadtrat schwenkt um: Fahrbahn-Engstellen kommen wieder weg

  • vonWolfgang Schörner
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Eine Stadtratsmehrheit hat in Penzberg überraschend beschlossen, alle Fahrbahn-Engstellen an der Bichler Straße und an der Straße „Wölfl“ wieder aufzulösen. Damit endet vorzeitig der Testlauf für eine Verkehrsberuhigung auf den zwei Strecken. Stadtratsmitglieder hatten von Beschwerden berichtet.

Penzberg – Stellenweise etwas unübersichtlich geriet am Mittwochabend die Debatte über die Verkehrsberuhigung an der Bichler Straße und in Wölfl. Eigentlich sollte es im Stadtrat darum gehen, dass der im Frühjahr begonnene Testlauf fortgesetzt und nach dem Winter die Randsteine für die Engstellen fest installiert werden. Zugleich lag ein Antrag der Grünen-Fraktion vor, zumindest an der Bichler Straße die Engstellen aufzulösen und Fahrradschutzstreifen zu markieren. Wobei Kerstin Engel (Grüne) betonte, dass für sie ein „Rückbau auf Null“ ohne Alternative keine Option wäre.

Fahrbahnverengungen: „Rückbau auf Null“ an Bichler Straße und Wölfl

Ein „Rückbau auf Null“ ist jedoch die vorläufige Konsequenz des Beschlusses am Mittwoch. Eine deutliche Mehrheit votierte für den Rückbau der „weichen Maßnahmen“, also der Fahrbahnverengungen, an der Bichler Straße und der Straße „Wölfl“. Dagegen waren nur Engel, Katharina von Platen (beide Grüne), Jack Eberl, Ferdinand Disl (beide FLP) und Regina Bartusch (SPD). Zugleich stimmte der Stadtrat geschlossen für Fahrradstreifen – auf Antrag von Markus Bocksberger (PM) sowohl an der Bichler Straße als auch an der Straße „Wölfl“. Allerdings ging es bei dem Beschluss darum, den Vorschlag erst zu prüfen.

Fahrradstreifen an beiden Straßen: Vorschlag wird geprüft

Sichtlich überrascht wirkte Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann am Mittwochabend vom Aus für die Engstellen. In der Sitzung hatte er noch gebeten, sie wenigstens über den Winter zu belassen und die Radstreifen in ein Gesamtkonzept einzubinden, allerdings erfolglos. Auf Nachfrage sagte er am Donnerstag, dass die Warnbaken und Bordsteine nächste Woche abgebaut würden. Ausgenommen ist die geplante Fußgängerampel an der Bichler Straße auf Höhe der Gustavstraße. Dort laufen bereits die Tiefbauarbeiten. Beibehalten wird zudem der Plan, die Gehweglücke an der Straße „Wölfl“ (ab der Einmündung Birkenstraße in Richtung Nonnenwaldstraße) zu schließen – dafür votierte der Stadtrat am Mittwoch einstimmig. Dieser Gehweg-Abschnitt soll nächstes Jahr gebaut werden.

Bürgermeister Korpan berichtet von Beschwerden

Bürgermeister Stefan Korpan hatte in der Stadtratsdiskussion erklärt, er habe viele Meinungen über die „weichen Maßnahmen“ gehört: „Für die Anwohner ist es positiv, für viele andere eher nachteilig und störend“. Er selbst sei kein Fan, sagte Korpan, der den Tagesordnungspunkt zunächst vertagen wollte. Jeder schimpfe darüber, erklärte Christine Geiger (CSU), der ein Radstreifen dagegen gefallen würde. John-Christian Eilert (Grüne) sprach von einer Gefahrensituation für Radfahrer durch die Engstellen und von mehr Lärm durch „Stop and Go“. Er plädierte dafür, die Engstellen durch Radstreifen zu ersetzen. Anders als seine Fraktionskollegin Engel wollte er die Engstellen aber in jedem Fall entfernt sehen.

Bichler Straße und Wölfl: Warnung vor Rückbau ohne Alternative

Vor einen Rückbau ohne Alternative warnte Jack Eberl (FLP), der an die Vorgeschichte erinnerte. Viele Jahre hatten Anwohner, vor allem in Wölfl, für Tempo 30 gekämpft. Als der Stadtrat im März 2019 mit knapper Mehrheit Nein sagte, bot er zugleich einen Kompromiss an: „weiche Maßnahmen“ zur Verkehrsberuhigung. Anwohner und Ordnungsamt erarbeiteten daraufhin ein Konzept, das im Frühjahr als Testlauf startete. „Klar, dass es für den Durchgangsverkehr eine gewisse Störung gibt“, sagte Eberl. „Aber jetzt stehen wir davor, es final umzusetzen – und schmeißen alles über den Haufen.“

Für die Prüfung der Radstreifen-Idee waren am Ende alle. Ordnungsamtsleiter Holzmann warnte aber, dass die Realisierung nicht so einfach ist. Bei einem beidseitigen Streifen müssen an der Bichler Straße die Parkplätze wegfallen. Für einen einseitigen Streifen ist ihm zufolge die Fahrbahnbreite zu gering.

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