+
Solarparks haben das größte Potenzial, erklärt die EWO.

Großprojekt in Penzberg  

EWO: Ohne Solarparks scheitert die Wende

  • schließen

Die Penzberger Stadtwerke wollen rechts und links der Staatsstraße nach Bichl einen Solarpark errichten. Einen Fürsprecher haben sie bereits.

Penzberg – Ersten Protest gegen das Solarpark-Projekt gab es bereits. Kritisiert wurde zum Beispiel, dass Fläche versiegelt und die Landschaft verschandelt wird. Die Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ (EWO), die in Penzberg ihren Sitz hat, stellt sich nun hinter derartige Solarparks. Anders sei die Energiewende nicht zu schaffen, heißt es.

Auf Penzberg gemünzt, erklärte die Bürgerstiftung: Selbst wenn alle Süd-Dächer in Penzberg Solaranlagen hätten, wäre das Ziel, sich bis 2035 komplett aus erneuerbaren Energien zu versorgen, bei weitem nicht erreicht. Derzeit kommen in Penzberg zwei Prozent des Stroms aus der Photovoltaik. Schöpft Penzberg das Dachflächen-Potenzial voll aus, könnten laut EWO 22 Prozent des Strombedarfs abgedeckt werden. Weitere 43 Prozent müssten weiterhin fossile Energieträger liefern.

Das größte Potenzial, um das Energie-Ziel zu erreichen, sieht die EWO bei Solarparks. Laut Stefan Drexlmeier, Leiter der EWO-Geschäftsstelle in Penzberg, ist die Wasserkraft mit 30 Prozent Anteil an der Stromproduktion in der EWO-Region – sie umfasst vier Landkreise – fast ausgeschöpft. Dieser Wert sei wegen des Walchensee-Kraftwerks ohnehin überdurchschnittlich hoch. Nennenswerte Steigerungen sind auch bei der Biomasse nicht zu erwarten, deren Anteil bei fünf Prozent liegt. Und Windkraft fällt im Oberland – wegen der Abstandsregelung in Bayern – nicht ins Gewicht.

Bleibt also die Sonne. Die Photovoltaik ist in der EWO-Region zu neun Prozent an der Stromproduktion beteiligt. Tatsächlich könne man mit Photovoltaik auf Dächern einiges abdecken, so Anne von Streit von der Ludwig-Maximilians-Universität. Es gehe aber nicht schnell genug, fügt EWO-Energiemanager Andreas Scharli an. Hausbesitzer können nicht dazu gezwungen werden. „Und der Klimawandel findet jetzt statt.“ Schneller, hofft Drexlmeier, könnte es mit Solarparks gehen. Das Potenzial ist auch weit höher als bei den Dächern. Anne von Streit hat dies für die EWO-Region ausgerechnet: Demnach könnten Solarparks zwölf Mal so viel Strom liefern, wie in der Region benötigt wird. Dabei hat sie geschützte Flächen unberücksichtigt gelassen. Natürlich sei das nur ein theoretischer Wert, sagt sie. „Niemand möchte das vollständig ausnutzen.“ Die Rechnung zeige aber, welches Potenzial dahinterstecke.

Neuerdings ist es einfacher, Solarparks zu errichten – das begrüßt die EWO. Bislang durften sie zum Beispiel nur auf früheren Kiesgruben oder in einem 110 Meter breiten Streifen an Bahnstrecken und Autobahnen entstehen – der Penzberger Solarpark wird in so einem Streifen liegen. Nun sind sie aber auch auf Acker- und Grünlandflächen möglich. Die Investoren müssen sich dafür bei der Bundesnetzagentur bewerben – in Bayern werden im Jahr 30 Projekte genehmigt. Diejenigen, die den Strom am günstigsten anbieten, erhalten den Zuschlag. Aktuell bewerben sich laut Scharli drei Landwirte bei Schwabsoien, die auf 17 Hektar einen Solarpark mit 10 Megawatt Leistung installieren wollen.

Bei den zwei Penzberger Solarpark-Feldern geht es um 1,5 Megawatt. Deren Leistung soll laut Stadtwerke ausreichen, um rund 470 Haushalte mit Strom zu versorgen. Im Landkreis Weilheim-Schongau mit seinen immerhin 15 Freiflächen-Anlagen läge Penzberg im Mittelfeld. Zum Vergleich: In den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es jeweils nur einen Solarpark.

Befragt zur Kritik an der Versiegelung antwortet Andreas Scharli, dass solche Anlagen aufgeständert werden. Für den Boden, so Drexlmeier, sei es sogar gut, wenn er 20 Jahre zur Ruhe komme. Anne von Streit hat den Eindruck, dass es den Kritikern eher um die Optik geht. Das kann Drexlmeier nachvollziehen. Deshalb müsse man jeden Einzelfall abwägen. Tatsächlich liegt laut Anne von Streit die Akzeptanz von Solarparks weit hinter Solaranlagen auf Dächern, die früher aber auch umstritten waren. Um die Akzeptanz zu erhöhen will die EWO sich für transparente Planungsprozesse einsetzen und für Bürgerbeteiligungen werben. Ein schönes Beispiel, sagt Drexlmeier, sei die Solargemeinschaft in Wielenbach.

Wäre es nicht schlauer, Strom zu sparen? Drexlmeier nickt. Das stehe bei der EWO ganz oben. Aber man sehe in den Kommunen allenfalls einen minimalen Rückgang des Verbrauchs. Es reiche nicht, um am Ende nur noch Strom aus erneuerbaren Energien zu haben. Penzberg, so sein Beispiel, müsste 65 Prozent seines Stromverbrauchs einsparen, um das zu schaffen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dieser DJ brachte die Ü-30-Party nach München - jetzt prognostiziert er den nächsten Trend
In Köln wurde er in den 80er Jahren eher zufällig zum Discjockey, in München erfand er in den 90ern die erste Ü-30-Party der Stadt. Heute bringt DJ Rupen selbst erklärte …
Dieser DJ brachte die Ü-30-Party nach München - jetzt prognostiziert er den nächsten Trend
Und wieder eine Auszeichnung: Roche, die Zehnte
Das Biotech-Werk von Roche Diagnostics in Penzberg ist im „Dow Jones Sustainability Index“ (DJSI) ein weiteres Mal zum nachhaltigsten Unternehmen in der Pharmabranche …
Und wieder eine Auszeichnung: Roche, die Zehnte
Chaos oder Ordnung?
29 Künstler aus dem Landkreis und darüber hinaus machten bei den Ateliertagen des Kunstforums Weilheim mit. Wer wollte, konnte sie und ihre Arbeiten direkt vor Ort …
Chaos oder Ordnung?
Voller Erfolg: „StadtLesen“ in Penzberg zählte rund 2500 Besucher
Als vollen Erfolg verbucht die Penzberger Stadtbücherei das erste „StadtLesen“, das am Sonntag zu Ende ging. Leiterin Katrin Fügener schätzt, dass an den vier Tagen etwa …
Voller Erfolg: „StadtLesen“ in Penzberg zählte rund 2500 Besucher

Kommentare