Besichtigung: Halle im ehemaligen Schlachthofgebäude an der Karlstraße in Penzberg.
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Besichtigung: Halle im ehemaligen Schlachthofgebäude an der Karlstraße in Penzberg.

Keine Einigung bei Besichtigung

Nach Tour durch den ehemaligen Penzberger Schlachthof: Es bleibt beim Abriss

  • vonWolfgang Schörner
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Es bleibt beim Abriss des ehemaligen Schlachthofgebäudes an der Karlstraße. Der Penzberger Bauausschuss hat am Dienstagabend einen alten Stadtratsbeschluss einstimmig erneuert. Zuvor hatte er mit Penzberger Denkmalschützern das 1899 errichtete Gebäude besichtigt. Die Denkmalschützer warben vergeblich dafür, den Abriss zu überdenken.

Penzberg – Normalerweise sind die Türen des ehemaligen Schlachthofs verschlossen. Das städtische Gebäude steht leer, seit vor wenigen Jahren die Wäscherei aus dem vorderen Teil des Hauses ausgezogen ist. Den Schlachthof selbst gibt es bereits seit 50 Jahren nicht mehr. Die beiden Wohnungen im Obergeschoss sind laut Rathaus seit etwa zehn Jahren aus Brandschutzgründen nicht mehr vermietet. Ein entsprechender Anblick bot sich den rund 20 Besuchern am Dienstag bei einer Besichtigung.

Durch den Eingang der früheren Wäscherei ging es zunächst in eine gekachelte, knapp über 200 Quadratmeter große Halle, daneben ein Technikraum, danach hinauf in die verwinkelten, engen Wohnungen und zum ungedämmten Dachstuhl, schließlich hinunter in den Keller. Was deutlich wurde: Das Gebäude ist heruntergekommen. Nichts änderte das aber an der gegensätzlichen Sicht von Vertretern der Stadt und des Denkmalvereins. Während die einen den geplanten Abriss verteidigten, sahen die anderen weiterhin Potenzial in dem 122 Jahre alten Gebäude.

Stadt und Denkmalverein kommen auf keinen gemeinsamen Nenner

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) zählte in der Runde auf, dass in dem Gebäudekomplex – er steht nicht unter Denkmalschutz – keine Dämmung vorhanden sei, die Böden („klassische Fehlböden“) aus Holzbalken mit verputzten Schilfmatten bestünden, dass sich in Fließen und Dach asbesthaltiges Material befinde, die Fenster und Leitungen herausgerissen sowie neue Wände und Böden eingezogen werden müssten. „Aus meiner Sicht ist es nicht erhaltenswert“, sagte er. Eine Sanierung würde „einen extrem hohen Kostenaufwand“ bedeuten, dafür, dass man am Ende Räume für zwei Geschäfte und zwei Wohnungen habe. Vergangene Woche hatte er im Gespräch mit der Heimatzeitung von Millionen Euro gesprochen. Bei einer Sanierung, sagte er, würden wie beim alten Metropolkino nur noch die Außenwände erhalten bleiben. Ludwig Schmuck (CSU) fügte an, dass im gesamten Mauerwerk Feuchtigkeit stecke und die Substanz schlecht sei. „Das Geld, das wir hier ausgeben würden, fehlt uns im Wohnungsbau“, warnte Armin Jabs (BfP). Ähnlich äußerte sich Hardi Lenk (SPD).

Im ehemaligen Schlachthofgebäude gab es einen Ortstermin mit Bauausschuss und Vertretern des Denkmalvereins, rechts die Tafel des Geschichtspfades.

Anders sahen es die Vertreter des Vereins für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte. Vorsitzender Max Kapfer sagte nach der Besichtigung, dass die Stadt „vor einer wichtigen Schwelle“ stehe. Es gelte, eines der letzten alten Häuser zu erhalten. Er bat darum, den Abriss zu überdenken („bitte kein Schnellschuss“), und schlug vor, „mit einem fachlichen Gutachten“ zu untersuchen, wie man das Gebäude erhalten kann. Er verwies auch auf die Tierärztin und Autorin Renate Ross-Rathe, die dort gearbeitet und gelebt hatte. In der großen Halle könnte eine Erinnerungsstätte entstehen. Günther Pfannkuch sagte, dass in den Schuppen hinter dem Gebäude („ein absolut geniales Ensemble“) eine Werkstätte oder ein Treffpunkt für junge Leute geschaffen sowie der Vorplatz mit Bäumen und Bänken gestaltet werden könnte. „Die Penzberger werden es lieben.“ Grundsätzlich könne er die Argumente der Stadt nachvollziehen, so Pfannkuch. „Aber das ist eines der letzten alten öffentlichen Gebäude neben Bahnhof und Rathaus.“ Den jungen Leuten könnte gezeigt werden, wie vor 100 Jahren gelebt wurde. Worauf Stadtbaumeister Justus Klement einwandte, dass sich die Stadt „schon um ihre Gebäude und Geschichte“ kümmere. Der Weilheimer Architekt Heiko Folkerts schlug einen Architektenwettbewerb vor, um das Potenzial zu ermitteln. Und Waltraud Kraehe hielt das Haus sogar für leicht zu renovieren, was seitens der Stadt freundlich, aber entschieden angezweifelt wurde.

Bauausschuss erneuert alten Stadtratsbeschluss - der Abriss kommt

Keine Überraschung war danach die Entscheidung im Bauausschuss. Martin Janner (PM) schwankte zwar und regte an, eine Liste mit alten Gebäuden aufzustellen, bei denen die Stadt „ähnliche Probleme in den nächsten Jahren haben wird“. Am Ende erneuerte der Ausschuss aber einstimmig den Stadtratsbeschluss vom August 2020. Geplant ist der Abriss für dieses Frühjahr. Danach soll auf dem Areal übergangsweise ein Parkplatz geschaffen werden, bis ein Neubau entsteht, voraussichtlich Wohnbebauung. Bei dem Ortstermin war von 30 Wohnungen die Rede.

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