+
Der Saal der Penzberger Stadthalle beim Festakt am Samstag.

Stadthalle als „Überraschungsei“

  • schließen

Mit einem Festakt wurde am Samstag die Fertigstellung der Penzberger Stadthalle nach drei Jahren Renovierung gefeiert. Natürlich war dabei auch von Rosa, Hellbau und Ocker die Rede.

Der Saal wirkt heller und luftiger als früher. Das Augenscheinliche sind aber die Art-déco-Farben. Als die Stadthalle vor 89 Jahren eröffnet wurde, soll sie genauso ausgeschaut haben. Die Farben waren bei der Renovierung unter vielen Farbschichten zufällig entdeckt worden. Sie seien penibel unter den Schichten herausgekratzt worden, sagte Bürgermeisterin Elke Zehetner. Es war eine Überraschung. Alte Bilder hatten die Farbgebung nicht vermuten lassen: „Die Fotos damals waren alle in Schwarzweiß.“

Rosa, Hellblau und Ocker sind also quasi der Urzustand. Der Saal samt seinen Art-déco-Farben sei ein Beispiel für die damalige Architektur des Expressionismus, sagte Architekt Peter Haberecht, der mit seinem Kollegen Roland Irregen die Renovierung und die Erweiterung geplant hatte. Da in der Umbauzeit historische Farbschichten und Bauteile zu Tage traten, sah sich Haberecht an ein „riesiges Überraschungsei“ erinnert. Und weil dies den Kosten- und Zeitrahmen ins Wanken brachte, sei die Freude darüber im Stadtrat nicht ungeteilt gewesen. „Heute kann die Stadt aber stolz sein auf ein Gebäude, dass es so im weitem Umkreis nicht gibt“, sagte Haberecht.

Rathaus-Chefin Zehetner blickte in ihrer Festrede auf die 1920er Jahre zurück, als die Stadthalle als „Palast der Arbeiterschaft“ entstand. Die denkmalgeschützte Stadthalle, so Zehetner, sei aber nicht nur ein historisch und architektonisch bedeutsames Gebäude, fast jeder verbinde mit ihr besondere Erinnerungen. Dies soll auch in Zukunft so sein. „Hier soll wieder zu Musik getanzt, im Kabarett gelacht, auf Faschingsbällen angebandelt, Vereinjubiläen sollen gefeiert und bei den Starkbierfesten ausgeteilt werden“, sagte sie. Dazu gratulierte auch Regierungspräsidentin Brigitta Brunner: Penzberg habe einen „zeitgemäßen und attraktiven Veranstaltungsort geschaffen“.

Einen Vorgeschmack gab es beim Festakt am Samstag. Die Stadt- und Bergknappenkapelle und das Kammerorchester spielten, das Vocalensemble, der Glück-Auf-Chor und der Kinderchor „Voice HappenZ“ sangen, der Trachtlernachwuchs und die Faschingsgarde tanzten. Auch die Schauspieler des Oberlandler Volkstheaters erschienen auf der Bühne.

Auch um harte Euros ging es beim Festakt: Den aktuellen Kostenstand für die Renovierung und Erweiterung bezifferte sie auf 9,94 Millionen Euro brutto. Anfangs war von 5,85 Millionen Euro die Rede. Für die Steigerung nannte Zehetner mehrere Hauptgründe: den Stadtratsbeschluss, auch die zwei Seitenflügel zu sanieren, den Denkmalschutz, die Erweiterung der Küche und die geänderte bundesweite Honorarordnung. Dem gegenüber stehen staatliche Zuschüsse von 2,15 Millionen Euro. Da die Stadt die Mehrwertsteuer auf das Projekt geltend machen könne, werde der städtische Haushalt im Endeffekt mit 6,31 Millionen Euro belastet, so Zehetner.

Einen bilderreichen Streifzug durch 89 Jahre Stadthalle bot Krimi-Autor Stefan König beim Festakt. Zu finden ist der Streifzug auch in der Stadthallen-Chronik, die Autor Stefan König und Grafiker Cyriakus Wimmer im Auftrag der Stadt erstellt haben. Die Chronik gibt es kostenlos im Rathaus.

(mehr in der Montagsausgabe von Penzberger Merkur und Weilheimer Tagblatt)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Spielmannszug feiert mit „Spider Murphy Gang“
Nächstes Jahr feiert der Bergknappen-, Spielmanns- und Fanfarenzug aus Peißenberg sein 60-jähriges. Mit dabei ist die „Spider Murphy Gang“. Zudem hat der Verein das …
Spielmannszug feiert mit „Spider Murphy Gang“
6000 Weilheimer wählten schon vorher
Nichts geht mehr, das gilt am Sonntag um 18 Uhr, wenn die Türen der elf Weilheimer Wahllokale schließen. Für die rund 160 Wahlhelfer heißt es dann: zählen, zählen, …
6000 Weilheimer wählten schon vorher
440 PS werben für  Gott
Ein US-Truck mitten am Kirchplatz: Die Freie evangelische Gemeinde (FeG) Weilheim holte den 440 PS starken und 17 Meter langen Lastwagen namens „Lifeliner“ nach Weilheim
440 PS werben für  Gott
Live-Ticker: Alle Ereignisse der Region Weilheim-Schongau
Wann gibt‘s die ersten Ergebnisse im Landkreis Weilheim-Schongau und seinen Gemeinden? Wie haben unsere Wähler abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und Parteien? Alle …
Live-Ticker: Alle Ereignisse der Region Weilheim-Schongau

Kommentare