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Schwerstarbeit: Türöffnung mit dem Rettungsspreizer.

Wenn fünf Helden ein Auto knacken

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Die Feuerwehr in Penzberg suchte Helden und Heldinnen - und Fünf kamen.

Penzberg - Der Schweiß rinnt unter dem Feuerwehrhelm. Die Tür des zertrümmerten Autos gibt nur zentimeterweise nach. Da rutscht der Rettungsspreizer vom Blech ab. Noch einmal müssen die beiden Männer das schwere Gerät am Türspalt ansetzen. Dann endlich gibt die Autotür nach, sie springt auf. „Gut gemacht“, sagt Feuerwehr-Zugführerin Simone Abt lächelnd. „Es geht hier nicht darum, es fachgerecht zu machen, es soll Spaß machen.“

Die drei Männer und zwei Frauen um sie herum sind keine richtigen Feuerwehrleute, zumindest noch nicht. Die Fünf haben sich beim Penzberger Feuerwehrhaus eingefunden, um sich einen Tag lang als Feuerwehrleute auszuprobieren. „Heldin oder Held gesucht“ – so nennt die Penzberger Feuerwehr ihre erste Aktion zum 140-jährigen Bestehen. Die künftigen Helden zerschneiden ein Auto, arbeiten mit einem Hebekissen, löschen Flammen und klettern die Drehleiter hinauf. Dazu gibt es Wissenswertes rund um die Feuerwehr.

„Wenn mehr gekommen wären, wäre es schöner gewesen“, sagt Feuerwehrkommandant Christian Abt. „Aber wir hätten die Aktion auch durchgezogen, wenn nur einer da wäre.“ Nun sind es Fünf. „Es geht darum, dass sie Blut lecken und Mitglied werden“, sagt Christian Abt. Man sei für jeden Einzelnen dankbar, der sich der Penzberger Feuerwehr anschließe. Der Unterschied zu herkömmlichen Schnuppertagen: „Sie werden nicht bespaßt, sie arbeiten selber.“

Einer der „Helden“ ist Mohammed Akdag. Der 23-Jährige erzählt, dass er im September seine Ausbildung bei der Polizei beginnt. Die Feuerwehr habe ihn immer interessiert. Als ihm ein Freund von dem Schnuppertag erzählte, habe er sich gemeldet. „Wenn es bei mir brennt, kann ich mich auf die Feuerwehr verlassen, dieses Gefühl will ich selbst den Mitmenschen geben“, erklärt er seine Motivation. Stefanie Brummer (28) erzählt, an ihr werde schon länger hingeredet. „Ich habe mir gedacht, ich probier’s einfach mal aus.“ Auch wenn die junge Frau etwas skeptisch ist. Sie hat einen Heidenrespekt vor Feuer. „Aber vielleicht ist es ein Vorteil, wenn man lernt, damit umzugehen.“ Ebenfalls dabei ist Monika Leinweber (50) – sie ist durch ihre Familie vorbelastet. „Zu Hause wird ständig über die Feuerwehr gesprochen und das nur in Abkürzungen“, sagt sie schmunzelnd. Künftig kann sie da mithalten. Als Feuerwehrmann auf Probe versuchen sich an diesem Tag auch Thomas Forster (30) und Thomas Kapfer (42). Ob einer von ihnen dabei bleibt, kann am Vormittag der Helden-Suche noch keiner hundertprozentig sagen.

Ein wenig stolz sehen die Probe-Feuerwehrleute aber aus, als sie das Unfallauto geknackt haben – ohne sich mit dem Rettungsspreizer die Finger abzuschneiden oder die Zähne auszuschlagen, wie Simone Abt zuvor gewarnt hat. Denn auch wenn es um Spaß geht – auf Sicherheit wird bei den Übungen geachtet.

Am Tag darauf meldet Kommandant Christian Abt einen Erfolg: Die Penzberger Feuerwehr bekomme womöglich acht neue Feuerwehrleute. Acht von Fünf? Von den fünf Schnupper-Helden hätten zwei bereits unterschrieben, die anderen drei überlegten noch, berichtet er. Außerdem hätten sich im Laufe des Tages ein Jugendlicher, eine Frau, die bei der Aktion verhindert war, und ein früherer Weilheimer Feuerwehrmann gemeldet. Eine beeindruckende Ausbeute.

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