Die Loisach bei Hochwasser am 4. August 2020 bei Untermaxkron
+
Führte extrem viel Wasser: Die Loisach, hier vom Steg in Maxkron aus fotografiert.

Hochwasser: Bilanz im Landkreis

Kreisbrandrat lobt: Feuerwehren sind beim Hochwasser auf zack

  • vonWolfgang Schörner
    schließen
  • Paul Hopp
    Paul Hopp
    schließen

Die Situation nach den jüngsten Regenfällen hat hat eines gezeigt: Die Feuerwehren im Landkreis sind in Sachen „Hochwasser“ auf zack. Am längsten war diesmal der Raum Penzberg betroffen.

  • Das Hochwasser am Montag und Dienstag erreichte eine kritische Lage
  • Die Feuerwehren waren an neuralgischen Punkten schnell zur Stelle
  • Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta zieht ein positives Fazit

Der Landkreis hat in Sachen „Hochwasser“ in den vergangenen Jahren einiges erlebt – zum Leidwesen zahlreicher Bewohner, die mit vollgelaufenen Kellern und sonstigen Wasserschäden zu kämpfen hatten. Die Vorfälle haben allerdings auch dafür gesorgt, dass die Gemeindeverwaltungen und die Feuerwehren an den neuralgischen Orten besonders aufmerksam geworden sind und wissen, was zu tun ist.

Kreisbrandrat: „Hochwasser erschreckt uns nicht mehr“

Bei den Feuerwehren „gibt es gut eingespielte Routinen“, sagte Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta auf Anfrage. „Wir sind vorbereitet. Hochwasser erschreckt uns nicht mehr.“ Die Feuerwehren in den Orten „kennen ihre Schwerpunkte. Da flutscht es.“ Manchmal gebe es Kritik aus den Reihen der Bevölkerung, wenn nicht schnell genug reagiert werde. Diesmal „habe ich keine Beschwerden mitbekommen“, sagte Sobotta. In einzelnen Kellern – der Kreisbrandrat nannte auch den Pähler Ortsteil Fischen – sei Wasser gestanden, „das waren aber nicht viele“.

In Polling und Penzberg stand es jeweils „spitz auf Knopf“, so der Kreisbrandrat. Die Bäche im Ortsinneren hatten „nur noch wenige Zentimeter Luft“, es seien schon Vorbereitungen für Sandsackverbauten getroffen worden. „Geholfen hat, dass es ab Nachmittag deutlich weniger geregnet hat.“ Sobotta war in Penzberg unterwegs, um sich mit dem dortigen Kommandanten abzusprechen, dabei nahm er auch den Schwadergraben in Augenschein. Als er nach Polling aufbrechen wollte, bekam der Kreisbrandrat die Nachricht, dass sich die Lage dort entspannt. „Ich habe also nirgends rumfahren müssen“, stellte er zufrieden fest.

Penzberg: Staatsstraße nach Beuerberg bis Mittwoch geschlossen

In Penzberg hatte die Feuerwehr am Dienstag bereits Vorbereitungen getroffen, Wohnhäuser am Schwadergraben mit Sandsäcken zu schützen. Als am Nachmittag der Regen nachließ, entspannte sich aber die Lage. Die Staatsstraße Penzberg-Beuerberg blieb allerdings in Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt bis Mittwoch kurz vor 12 Uhr gesperrt. Dann erst baute der Bauhof die Dammbalken am Maxkroner Ortsausgang ab. Das Wasser stand in der Nacht bis zur Oberkante des Loisach-Binnengrabens (Pegelhöchststand 2,70 Meter), floss aber nicht auf die Straße. Bis Mittwochmittag ging der Pegel wenige Zentimeter zurück. Erst zu diesem Zeitpunkt erreichte der Loisachpegel in Kochel seinen Höchststand. Für die Penzberger Feuerwehr, die knapp zehn Keller auspumpen musste, endete der 14-stündige Einsatz am Dienstag um 22 Uhr. Die zweite Schicht ab 18 Uhr hatte zwar keine Hochwassereinsätze mehr, war aber in Bereitschaft.

In Polling „sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Vize-Bürgermeister Andreas Pröbstl auf Anfrage. Eine Rolle spielten ihm zufolge dabei die Pollinger Wehr, die von Kameraden aus Etting und Oderding unterstützt wurde. Die Einsatzkräfte „haben sehr schnell reagiert. Das war unser Glück“. Sandsäcke waren gleich zur Hand, am Russengraben wurde dafür gesorgt, dass das Ableitungssystem funktionsfähig bleibt. Kommandant Sebastian Boscolo habe die Aktionen mit seinen Helfern sehr gut geleitet, so Pröbstl. Ihm sei nicht bekannt, dass ein Keller vollgelaufen sei, so der Vize-Rathauschef. Das jüngste Wetterereignis „ist ein Beispiel dafür, wie wichtig der Hochwasserschutz ist und dass man an dem Projekt dranbleibt“, so Pröbstl. Das Ausbaggern des Tiefenbachs, das wegen Terminschwierigkeiten des beauftragten Unternehmens bislang noch nicht hatte stattfinden können, soll nun Anfang September über die Bühne gehen.

An mehreren stellen in Polling waren die Einsatzkräfte am Dienstag in Aktion; hier an der Untermühlstraße.

In Peißenberg deutete sich im Laufe des Dienstags schon recht früh an, dass das Hochwasser glimpflich für die Marktgemeinde verlaufen würde. Am Vormittag, so berichtet Kommandant Philipp Reichhart, musste das Gerätehaus nicht mehr eigens besetzt sein, um die Lage zu beobachten. Die automatischen Pegel im Gemeindegebiet können auch privat überwacht werden. Am Montagabend waren noch an die 30 Feuerwehrler im Einsatz.

Nachdem klar war, dass sich die Lage an den Ortsbächen entspannte, gingen die Blicke in Richtung Ammer. Dort wurde Dienstagfrüh ganz kurz die Marke für die Meldestufe 3 (2,50 Meter) erreicht. Bis 20 Uhr fiel das Wasser dann aber schon um 60 Zentimeter. Gestern Mittag betrug der Pegel 1,10 Meter und lag damit deutlich unter der Meldestufe 1 (1,95 Meter). Wie Bürgermeister Frank Zellner sagte auch Kommandant Reichhart, dass sich das Hochwassereinsatzprogramm, das Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof erarbeitet haben, bewährt hat. „Das läuft gut“, so Reichhart.

Das Technische Hilfswerk (THW) in Weilheim musste diesmal nicht ausrücken, um Hilfsdienste zu leisten, sagte der stellvertretende Leiter, Alexander Arnold. 2016, als vor allem Polling schwer von Überflutungen betroffen war, war das anders. Ausrücken mussten in den vergangenen Tagen dagegen THW-Mitglieder aus Geretsried und Starnberg, und zwar in die Region um Miesbach.

Auch interessant

Kommentare