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Fraunhofer-Gesellschaft: Penzberg wird zum Mekka der Pandemieforschung - entsteht ein „Medical Valley“?

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Von: Wolfgang Schörner

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Im Fraunhofer-Labor bei Roche: (v.l.) Bundestagsabgeordneter Alexander Dobrindt, Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der Penzberger Andreas Wieser, der Forschungsleiter des neuen Fraunhofer-Standorts ist, und Alexander Riedel, Leiter der Infektionsforschung bei Roche Diagnostics.
Im Fraunhofer-Labor bei Roche: (v.l.) Bundestagsabgeordneter Alexander Dobrindt, Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der Penzberger Andreas Wieser, der Forschungsleiter des neuen Fraunhofer-Standorts ist, und Alexander Riedel, Leiter der Infektionsforschung bei Roche Diagnostics. © Wolfgang Schörner

Die Pandemieforscher der Fraunhofer-Gesellschaft nehmen in Penzberg ihre Arbeit auf. Am Freitag wurde die Eröffnung der Labors gefeiert, die sich im Roche-Werk befinden. Später werden die Wissenschaftler in ein eigenes Gebäude umziehen. Die Rede war von einem „großen Tag für Penzberg, Bayern und die Welt“ und von einem „Medical Valley“.

Penzberg – Penzberg ist ab sofort ein Standort der Fraunhofer-Gesellschaft. Am Freitag wurde die Eröffnung der Forschungseinrichtung für Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung gefeiert. In Penzberg werden die Wissenschaftler die Rolle des Immunsystems bei Infektionserkrankungen und Immunreaktionen untersuchen. Wobei es nicht nur um die aktuelle Pandemie, sondern vor allem um die künftigen Pandemien geht.

Penzberg ist Teil es Netzwerkes mit Hamburg, Potsdam und Berlin

Penzberg ist Teil eines Netzwerks mit Standorten in Hamburg (Biomarkerforschung), Potsdam (digitale Diagnostik) und Berlin (Allergologie). Die Penzberger Einrichtung arbeitet mit der Ludwig-Maximilians-Universität und dem Unternehmen Roche zusammen. Die Forscher werden zunächst in angemieteten Labors des Penzberger Roche-Werks arbeiten. Später sollen sie in ein eigenes Gebäude ziehen, das in der Nachbarschaft entsteht.

Wirtschaftsminister Aiwanger: „Großer Tag für Penzberg, Bayern, Deutschland und die Welt“

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte am Freitag, es sei „ein großer Tag für Penzberg, Bayern, Deutschland und die Welt“, ein Leuchtturmprojekt, das Bayern und der Bund mit jeweils 40 Millionen Euro fördern. Man warte händeringend auf genauere Antworten darüber, wie lange die Pandemie uns noch begleitet, ob es ein Killervirus oder etwas anderes sei, wer gefährdet sei und wie man reagieren kann, sagte er.

Große Chance bei der Bekämpfung von Pandemien

Von einem „wichtigen Meilenstein“ sprach Raoul Klingner, Forschungsdirektor der Fraunhofer-Gesellschaft. Für ein solches Vorhaben brauche man eine Finanzierung, eine Vision und gemeinsamen Willen. Roche-Werkleiter Ulrich Opitz erinnerte daran, dass die Idee bei einem Roche-Besuch von Ministerpräsident Markus Söder und dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Penzberg geboren wurde. Der Forschungsstandort werde durch die Kompetenz gestärkt. Es sei eine große Chance für den medizinischen Fortschritt und die Bekämpfung von Pandemien. Opitz erwartet ebenso eine Magnetwirkung auf andere Unternehmen. Er verwies auch auf die Glashütte in Benediktbeuern, wo einst Joseph von Fraunhofer wirkte. Man könne sagen: „Fraunhofer is coming home.“

Bundestagsabgeordneter Dobrindt: „Wir bauen an einem Medical Valley“

„Wir bauen an einem Medical Valley“, sagte Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Er rechnet damit, dass die Forschungseinrichtung ein Nukleus für viele Ansiedlungen, auch Start-ups, in Penzberg sein wird. Unsere Heimatregion, so Dobrindt, werde in der Forschungslandschaft noch bedeutender werden. Er hob wie andere Redner die Partnerschaft zwischen Roche, Fraunhofer-Gesellschaft, Politik und Universität hervor. Als wegweisend bezeichnete Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) diesen Schulterschluss. Seitens der Stadt Penzberg sicherte er zu, ein verlässlicher Partner zu sein. Der Stadt gehört auch das Grundstück, das die Fraunhofer-Gesellschaft kaufen will, um ein eigenes Forschungsgebäude zu errichten. Die Verhandlungen, so Korpan, seien in der finalen Phase. Laut Fraunhofer-Forschungsdirektor Klingner würde man gern 2023 den Grundstein legen und 2024 oder 2025 einziehen.

LMU: „Potenzial, das weltweit seinesgleichen sucht“

Den Beitrag der Ludwig-Maximilians-Universität erklärte Prof. Thomas Gudermann, Dekan der Medizinischen Fakultät. Man werde die eigene Expertise als zweitgrößtes Universitätsklinikum in Deutschland einbringen, das in vorderster Front Covid-19-Patienten behandelt und an vielen Studien teilgenommen habe. Durch die Kooperation werde eine „beeindruckende Ansammlung von Kompetenz“ entstehen, „ein Potenzial, das weltweit seinesgleichen sucht“.

Die Penzberger Einrichtung gehört zum Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP), das noch Standorte in Frankfurt, Hamburg, Göttingen und Berlin hat. Institutsleiter Prof. Gerd Geisslinger sagte, Aufgabe der Fraunhofer-Gesellschaft als größter anwendungsorientierter Forschungseinrichtung Europas sei, die Lücke zwischen Universitäten und Wirtschaft zu schließen, indem innovative Ideen von der einen zu anderen Seite transferiert werden.

Fraunhofer-Forscher arbeiten erst in Roche-Werk - bis eigenes Gebäude fertig ist

Standortleiter der Fraunhofer-Einrichtung Penzberg-München wird Prof. Michael Hoelscher sein. Er sagte, man strebe eine Zusammenarbeit auch mit anderen Einrichtungen an, zum Beispiel mit dem Wissenschaftscampus Martinsried und der Technischen Universität München. Angewiesen sei man zugleich auf Aufträge, ob von Roche oder anderen Unternehmen. Als erstes Projekt nannte er die Identifizierung von Erregern weltweit. Ziel der Forscher in Penzberg ist es laut Fraunhofer-Gesellschaft, pandemische Erreger zu identifizieren und zu charakterisieren, neue Diagnostik und Therapien zu entwickeln sowie die Rolle des Immunsystems bei Infektionserkankungen besser zu verstehen.

Im Fraunhofer-Labor des Roche-Werks arbeiten aktuell sieben Fraunhofer-Mitarbeiter, darunter Forschungsleiter Andreas Wieser aus Penzberg. Innerhalb der nächsten Wochen wird die Zahl laut Standortleiter Hoelscher auf 20 steigen. Zugleich werden Forscher in München arbeiten. Ist das eigene Gebäude in Penzberg fertiggestellt, sollten dort „funktionierende Arbeitsgruppen“, insgesamt 50 Mitarbeiter, einziehen. Wobei es sich dabei laut Hoelscher zunächst um den ersten Bauabschnitt handelt. Die Forschungseinrichtung, die womöglich später zu einem eigenen Institut wird, könnte weiter wachsen.

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