Stellten die Pläne für das Pandemieforschungsinstitut vor: (v.l.) Prof. Thomas Gudermann (Prodekan der Medizinischen Fakultät der LMU München sowie Vorstand des Walther-Straub-Instituts für Pharmakologie und Toxikologie), Prof. Reimund Neugebauer (Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft), CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt und Bürgermeister Stefan Korpan; oben Roche-Diagnostics-Geschäftsführer Claus Haberda.
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Stellten die Pläne für das Pandemieforschungsinstitut vor: (v.l.) Prof. Thomas Gudermann (Prodekan der Medizinischen Fakultät der LMU München sowie Vorstand des Walther-Straub-Instituts für Pharmakologie und Toxikologie), Prof. Reimund Neugebauer (Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft), CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt und Bürgermeister Stefan Korpan; oben Roche-Diagnostics-Geschäftsführer Claus Haberda.

Fraunhofer-Gesellschaft und LMU

Pandemie-Forschung in Penzberg: Hochkarätige Runde stellte Pläne vor

  • vonWolfgang Schörner
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In einer hochkarätigen Runde sind am Dienstag die Pläne für ein Pandemieforschungsinstitut in Penzberg präzisiert worden. In zwei oder drei Jahren sollen rund 50 Wissenschaftler in einem eigenen Gebäude im Nonnenwald, gleich neben dem Roche-Werk, forschen. Die Arbeit werde weltweit Beachtung finden, hieß es.

Die Fraunhofer-Gesellschaft will in Penzberg eine Forschungseinrichtung für immunologische Infektions- und Pandemieforschung schaffen. Sie arbeitet dabei mit der Ludwig-Maximilians-Universität und mit Roche Diagnostics zusammen. Die Penzberger Einrichtung wird Teil eines Forschungsnetzwerks mit Fraunhofer-Standorten in Berlin, Hamburg und Potsdam sein. Das Forschungsgebäude in Penzberg soll innerhalb von zwei bis drei Jahren auf einem städtischen Grundstück im Industriegebiet Nonnenwald nahe dem Roche-Werk entstehen. Für die insgesamt fünfjährige Aufbauphase ist eine Investition von 80 Millionen Euro veranschlagt. Rund 50 Wissenschaftler, darunter Mediziner, Mikrobiologen und IT-Experten, werden dort arbeiten. Geforscht wird allerdings schon vor der Fertigstellung des Gebäudes, unter anderem in Labors von Roche.

Das hieß es am Dienstag in einer Pressekonferenz, an der Medien aus ganz Deutschland teilnahmen. In der Penzberger Stadthalle hatte sich dazu eine hochkarätige Runde eingefunden. Angereist waren Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, sowie Thomas Gudermann, Prodekan der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Anwesend waren ebenso CSU-Landesgruppen-Chef im Bundestag, Alexander Dobrindt, der die Sache ins Rollen gebracht hatte, sowie Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Bekannt geworden waren die Pläne, wie berichtet, im vergangenen September, als das bayerische Kabinett 40 Millionen Euro bis 2025 in Aussicht stellte. Im November bewilligte dann der Haushaltsausschuss des Bundestags weitere 40 Millionen Euro auf Betreiben Dobrindts – wofür der Bundestagsabgeordnete am Dienstag von allen Seiten Lob und Dank erhielt.

Es sei „ein ganz großer Tag für unsere Region und weit darüber hinaus“, sagte Dobrindt. Die Forschungseinrichtung bezeichnete er als „bundesweites Leuchtturmprojekt im Kampf gegen Infektionskrankheiten“. Es werde helfen, diese Krankheiten besser zu verstehen und bekämpfen zu können. Dobrindt erinnerte zudem daran, dass die Idee eines Forschungscampus in Penzberg geboren wurde, als Roche im vergangenen Mai im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder in Penzberg seinen Corona-Antikörpertest vorstellte. Dobrindt rechnet auch damit, dass der Campus Anziehungskraft auf Start-up-Unternehmen haben wird, die in diesem Umfeld neue Produkte entwickeln wollen.

In dem Fraunhofer-Netzwerk für Immun-, Infektions- und Pandemieforschung geht es laut Präsident Reimund Neugebauer künftig in Potsdam um digitale Diagnostik, in Hamburg um Biomarkerforschung und in Berlin um Allergologie. Penzberg werde sich der Rolle des Immunsystems bei Infektionserkrankungen und Immunreaktionen widmen, „zusammen mit Roche als Premiumpartner“. Neugebauer erklärte, dass immunbedingte Krankheiten eine große Herausforderung seien, unabhängig von der Coronakrise. Es bestehe weltweiter Handlungsbedarf. Das Netzwerk werde dabei eine wichtige Rolle spielen, sagte er.

Von einem spannenden Projekt sprach Thomas Gudermann, Prodekan der medizinischen Fakultät der LMU. In der Corona-Pandemie sehe man schmerzlich, wie wichtig Erkenntnisse in der Immunreaktion seien. „Penzberg wird weit über Bayern und Deutschland hinaus strahlen“, sagte Claus Haberda, Geschäftsführer von Roche Diagnostics, der per Video zugeschaltet war. Der Penzberger Roche-Standort werde den Forschungscampus zudem im konzerninternen Standortwettbewerb in eine führende Position bringen.

Bürgermeister Korpan sagte, das Projekt biete sowohl Stadt als auch Landkreis große Chancen. Er zählte die Arbeitsplätze, das Image der Region, das Zukunftspotenzial und die finanziellen Mittel auf, die in die Region fließen. Korpan bot zudem – neben der Nähe zu Roche – weitere Erklärungen an, wieso Fraunhofer-Forscher ausgerechnet nach Penzberg kommen: das Angebot an Kitas und Schulen, die stabilen Firmen, sichere Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze, die Verkehrsanbindung und der Freizeitwert im Voralpenland. Außerdem könne man ein passendes, 10 000 Quadratmeter großes Grundstück anbieten.

Für die Stadt Penzberg bedeute das Projekt aber auch Anforderungen an die Infrastruktur. Man werde Mittel bereitstellen und die Kommunen in der Umgebung mit einbinden. Korpans Fazit, bei dem er auch „Marvel Fusion“ und dessen Fusionskraftwerk-Pläne einbezog: Penzberg werde „ein Hochtechnologiestandort, der Forschung in alle Richtungen“ betreibt.

Erstmeldung 19. Januar 2021: Die Fraunhofer-Gesellschaft will in Penzberg eine Forschungseinrichtung für Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung errichten. Bekannt geworden war dies bereits im vergangenen September, als das bayerische Kabinett zur Unterstützung 40 Millionen für fünf Jahre bereitstellte. Im November bewilligte dann, wie berichtet, der Haushaltsausschuss des Bundestag auf Betreiben von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt weitere 40 Millionen Euro. Am Dienstag stellten nun der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, der Pro-Dekan der medizinischen LMU-Fakultät, Thomas Gudermann, Bundestagsabgeordneter Dobrindt zusammen mit dem Penzberger Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) das Projekt vor.

Dobrindt: „Ein ganz großer Tag für unsere Region und weit darüber hinaus“

Es sei ein „ganz großer Tag für unsere Region und weit darüber hinaus“, sagte Dobrindt. Er sprach von einem „Leuchtturmprojekt im Kampf gegen Infektionskrankheiten“. Zusammenarbeiten werden dabei die Fraunhofer-Gesellschaft, die Ludwig-Maximilians-Universität und Roche Diagnostics. Laut Neugebauer wird die Einrichtung in Penzberg Teil eines Netzwerks mit den drei Fraunhofer-Einrichtungen in Potsdam, Hamburg und Berlin.

10.000-Quadratmeter-Grundstück im Industriepark Nonnenwald

In der Pressekonferenz hieß es, dass die Fraunhofer-Gesellschaft in Penzberg innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahren ein Gebäude errichten will, in dem dann rund 50 Wissenschaftler forschen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Arbeit an der LMU und weiteren Orten erfolgen. Seitens Roche hieß es dazu, dass dies auch im Penzberger Werk geschehen kann. Bei dem Grundstück handelt es sich um 10.000 Quadratmeter, die der Stadt Penzberg gehören. Es liegt südlich des Kreisverkehrs nahe dem Lkw-Parkplatz im Industriepark Nonnenwald, in Nachbarschaft des Roche-Werks und womöglich des Unternehmens „Marvel Fusion“. Insgesamt werden in die fünfjährige Aufbauphase der neuen Forschungseinrichtung 80 Millionen Euro investiert.

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