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„Phase 10“-Stunde : Georg Kurz (r.) beim Kartenspiel mit somalischen Flüchtlingen.

Aktion der Kirchen   

Integration beim Kartenspiel

Beim „Frühlingsfest“ im Penzberger Pfarrzentrum Christkönig konnten sich die Besucher überzeugen: Kartenspielen eignet sich hervorragend zur Integration von Flüchtlingen. 

Penzberg – Flüchtlinge, Helferkreise und Bürger hatten sich zum dem Kennenlern-Fest im Barbara-Saal des Pfarrzentrums eingefunden. An einem der Tische mit Feiernden saß eine Gruppe Asylbewerber aus Somalia und ließ sich von Georg Kurz das Kartenspiel „Phase 10“ erklären. Sogleich übten die Männer das Kartenspiel hoch konzentriert und ausgelassen. Sprachprobleme? Fehlanzeige. Gemeinsam spielen und essen, vielleicht auch tanzen und einfach zwanglos miteinander ins Gespräch kommen: Das waren laut Maria Braun, Gemeindereferentin der katholischen Pfarrei die Gründe für die Veranstaltung. Zum „Frühlingsfest“ hatten neben der Pfarrei die evangelische Kirchengemeinde und Penzbergs Islamische Gemeinde eingeladen. Rund 30 Flüchtlinge sowie zahlreiche Aktive aus den Helferkreisen, aber auch einige Bürger und überhaupt Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten und Religionen waren gekommen. So wie eine ältere Dame, die namentlich aber nicht genannt werden möchte. Sie selbst sei in keinem Helferkreis aktiv, erzählt sie. Aber sie engagiere sich als Lernpatin und wolle das Fest nutzen, Kontakte zu den Flüchtlingen zu knüpfen. Einfach, weil sie mehr über diese Menschen erfahren möchte. „Und dazu ist dieses Fest eine gute Gelegenheit.“

Das findet auch Johann Gräf. Er arbeitet ehrenamtlich in der Radlwerkstatt, hat dort aber für seinen Geschmack zu wenig Kontakt zu den Asylbewerbern. Auf dem Fest wollte er das ändern. „Mir gefällt es gut“, lautet sein Fazit. Dass das „Frühlingsfest“ schön ist, findet auch Faten Alsaid. Die Syrerin ist zusammen mit ihrer 16-jährigen Tochter und ihrem Mann gekommen. Sie sitzt an einem Tisch, umgeben von Deutschen, Nigerianerinnen und einer Besucherin aus Russland. Man redet. Man lacht. Kostet vom Büfett, zu dem Flüchtlinge und Einheimische etwas beigesteuert haben. „Das Fest ist wunderbar. Hier lernt man Leute kennen“, sagt Alsaid. Sie ist erst seit rund eineinhalb Jahren in Penzberg, doch ihr Deutsch ist schon recht gut. In Syrien, erzählt sie, hatte sie zwei Wohnungen, ein Auto und betrieb ein Fitnessstudio. Und jetzt? „Alles kaputt.“ Sie ist froh, in Penzberg angekommen zu sein. Sorgen und Ängste hat sie viele. So wie die meisten Flüchtlinge, die an diesem Abend gekommen sind und von denen derzeit viele auf ihre Asylentscheidung warten, sagt Anke Ringel vom Asyl-Unterstützerkreis.

Frust und Sorgen für kurze Zeit vergessen: Auch dafür sollte das Frühlingsfest mit seinen musikalischen Einlagen sorgen, so Ringel. Mit der Resonanz waren sie und Gemeindereferentin Maria Braun zufrieden. Und vielleicht wird in ein paar Wochen bei einem Sommerfest erneut gemeinsam gefeiert. Es war die zweite Auflage der Veranstaltung: Die gemeinsame Aktion der drei Kirchengemeinden hatte am 5. Februar mit dem „Friedensfest“ Premiere gefeiert.

Franziska Seliger

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