Gratis-Stadtbus bei freiwilliger Führerschein-Rückgabe: Das hat der Stadtrat beschlossen.   Archiv/wos

Für alle Senioren?

Stadtbus: Freikarte statt Führerschein

  • vonWolfgang Schörner
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Penzberger Senioren, die nicht mehr mit dem eigenen Auto fahren wollen und ihren Führerschein zurückgeben, dürfen künftig den Stadtbus lebenslang gratis nutzen. Dies hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung der Amtsperiode beschlossen. Offen bleibt, ob die Stadt noch einen Schritt weiter geht: Gratisfahrt für alle Senioren.

Penzberg– Den Antrag, in Penzberg ein lebenslanges Gratis-Stadtbusticket bei einer freiwilligen Führerschein-Rückgabe einzuführen, hatte die SPD-Fraktion bereits im vergangenen Februar angekündigt. Inspiriert war die Idee von einem Angebot, das seit kurzem landkreisweit, also auch für Penzberg, in den RVO-Bussen gilt: Das Landratsamt übernimmt für drei Jahre die Kosten eines Seniorentickets, wenn der Inhaber freiwillig den Führerschein zurückgegeben hat. Dieses Angebot, so SPD-Fraktionschef Adrian Leinweber, sollte für den Penzberger Stadtbus nicht auf drei Jahre begrenzt sein, sondern für Senioren ab 65 Jahren lebenslang gelten. Zugleich beantragte seine Fraktion, beim Landratsamt dafür zu werben, diese Regelung für den gesamten Landkreis zu übernehmen.

Der Penzberger Stadtrat stimmte dem Antrag geschlossen zu. Wenig begeistert war allerdings CSU-Fraktionschefin Christine Geiger. Sie sagte, dass für viele ältere Leute das eigene Auto zur Lebensqualität gehöre. „Und was ist mit Leuten, die gar keinen Führerschein haben?“, fügte sie an. Kerstin Engel (Grüne) sprach sich dafür aus, alle Senioren im Stadtbus gratis fahren zu lassen. Gleichwohl unterstützte sie den Antrag „als Ansporn, den Führerschein zurückzugeben“. Ludwig Schmuck (CSU) wollte das Gratisticket aber nicht auf die Höhe des Alters bei der Führerschein-Rückgabe begrenzt sehen, damit zum Beispiel auch jemand davon profitiert, der seine Fahrerlaubnis zurückgibt, weil er erblindet. Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann schlug deshalb vor, solche Einzelfälle zu prüfen.

Sollen alle Senioren kostenlos fahren?

Adrian Leinweber erklärte dazu, man wolle niemanden zwingen, seinen Führerschein zurückzugeben. Man wolle Senioren diesen Schritt nur erleichtern. Im Antrag heißt es dazu, dass vielen Senioren die Entscheidung schwerfalle, den Führerschein abzugeben und auf das Auto zu verzichten, aus Angst, zu vereinsamen oder auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Die Freikarte für den Stadtbus solle die Hemmschwelle senken.

Auf das Stadtbus-Defizit hat diese Gratis-Nutzung laut Ordnungsamtsleiter Holzmann keine wesentlichen Auswirkungen. Er geht davon aus, dass sich die Zahl der Senioren, die freiwillig und dauerhaft den Führerschein abgeben, in Grenzen hält.

Weiterhin offen bleibt, ob die Stadt in Zukunft noch einen Schritt weitergeht, nämlich wie seit Anfang 2019 die Penzberger Schüler auch alle Senioren kostenlos im Stadtbus fahren zu lassen. Zur Entscheidung stand dies in der Sitzung nicht an.

Laut Holzmann ist aufgrund der RVO-Erfahrungswerte davon auszugehen, dass bei Gratisfahrten für alle Senioren ab 65 Jahren mit etwa 10 bis 15 Prozent weniger Ticket-Einnahmen zu rechnen ist. Holzmann kündigte an, dass dem neuen Stadtrat demnächst eine Ausweitung des Stadtbusangebots vorgestellt werde, die „mit nicht unerheblichen jährlichen Mehrkosten verbunden ist“. Die Verwaltung, so sein Fazit, sei eher dafür, in eine weitere attraktive Verbesserung des Stadtbusangebots zu investieren, „als die kostenlose Nutzung des Stadtbusverkehrs auf einen weiteren Personenkreis auszuweiten“.

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