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Wer bekommt eine Wohnung? Die Stadt will ihre Vergaberegeln erweitern und dies mit der Wohnbau Weilheim absprechen, im Bild deren Neubau an der Gustavstraße, der im März bezugsfertig wurde. 

Für Kindertagesstätten und Seniorenheime

Stadt will Fachkräfte mit Wohnungen locken

  • vonWolfgang Schörner
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Fachkräfte für Kindertagesstätten und Seniorenheime sind sehr begehrt. Viele Kommunen buhlen um sie. Die Stadt Penzberg will sie nun mit Wohnraum locken. Um mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, ändert sie ihre Vergaberichtlinien für städtische Wohnungen.

Penzberg – Bei der Vergabe von städtischen Wohnungen stehen bislang die soziale Dringlichkeit und die Einkommensgrenzen im Vordergrund. Der Penzberger Sozialausschuss hat sich nun einstimmig dafür ausgesprochen, die Kriterien zu erweitern. Ausgedehnt werden sollen sie auf Fachkräfte im sozialen Bereich, also der Kinderbetreuung und Seniorenpflege, die sich die Mieten vor Ort nicht leisten und deshalb Stellen in Penzberg nicht antreten können. Der Antrag stammt von der Fraktion von „Penzberg miteinander“. Wie die Vergaberichtlinien für städtische Wohnungen auf dieser Basis künftig konkret aussehen, soll die Verwaltung jetzt ausarbeiten. Aktuell vergibt das Wohnungsamt der Stadt Penzberg jährlich circa 40 Wohnungen.

Absprache mit Wohnbau Weilheim

Man benötige Fachkräfte im sozialen Bereich, erläuterte Ute Frohwein-Sendl von „Penzberg miteinander“ den Antrag ihrer Fraktion in der Ausschusssitzung. Als ein Beispiel führte sie das Seniorenzentrum an. Ein Bewerber, der gerne nach Penzberg kommen würde, aber in der Nähe von München wohnt, könne seine Stelle nicht antreten, weil er keine Wohnung in Penzberg findet. Zum Pendeln sei es für ihn aber zu weit, so Frohwein-Sendl. Die Erweiterung der Vergaberichtlinien, sagte sie, sei eine Möglichkeit, um Personal sowohl in Seniorenzentren als auch Kindertagesstätten zu bekommen. Tatsächlich hatte zum Beispiel die Leitung des Penzberger Seniorenzentrums an der Gartenstraße Anfang des Jahres erklärt, nicht mehr Bewohner aufnehmen zu können, weil Pflegekräfte fehlten.

Wichtiges Kriterium

„Wir gehen da komplett mit“, erklärte Christian Abt für die CSU. Er machte allerdings auf einen Widerspruch zu den bisherigen Richtlinien aufmerksam: dass ein Berechtigter seinen Erstwohnsitz seit zwei Jahren in Penzberg haben müsse. Ein wichtiges Kriterium sei für sie, sagte Christine Geiger (CSU), dass schnell gehandelt werden könne, wenn eine Anfrage kommt. Ebenso müsse eine Lösung gefunden werden, dass eine Wohnung auf Zeit angeboten wird, um sie nicht lange für andere zu blockieren. „Weil wir nicht unendlich viele Wohnungen haben“, sagte Geiger.

Regina Bartusch (SPD) gab zu Bedenken, dass die Vergabepraxis der Stadt und der Wohnbau Weilheim, die in Penzberg viele Wohnungen hat, gleich sein sollten. Sie verwies darauf, dass es Ende Juli ein Gespräch aller Gesellschafterkommunen der Wohnbau Weilheim, darunter Penzberg, über die Vereinheitlichung der Kriterien gebe solle. Sie empfahl, dort die Penzberger Vorschläge einfließen zu lassen. Die Vergabe von Wohnraum, sagte Bartusch, sei ein „sensibles Thema. Sie müsse sozial gerecht, ausgewogen und transparent sein. Auch Rüdiger Kammel (BfP) riet dazu, dass sich Stadt und Wohnbau Weilheim absprechen. Unterstützung kam auch von den Grünen. Kerstin Engel zeigt sich „aber irritiert“, dass die Regelung laut Verwaltungsvorlage auch für städtische Beschäftigte gelten soll.

Richtlinien geändert

Die Stadt Penzberg hatte, wie berichtet, erst im März 2019 die Vergaberichtlinien für städtische Wohnungen geändert. Sie erweiterte damals die Einkommensgrenzen für Mietwohnungen, die keiner Sozialbindung mehr unterliegen. Vorher musste zum Beispiel eine Penzberger Familie mit zwei Kindern ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 32.000 Euro aufweisen, seither liegt die Grenze bei 44.520 Euro. Damals hatte Wolfgang Sacher (BfP) auch für eine Regelung geworben, die die Chancen städtischer Mitarbeiter erhöht. Damit, so sein Argument, hätte die Stadt einen Vorteil bei der Anwerbung.

Lesen Sie hier mehr über die Penzberger Wirtschaft.

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