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Museumsleiterin Freia Oliv mit einem Selbstporträt von Johannes Grützke.

Neue Ausstellung

Ganz schön frech im Museum Penzberg: Werdet wie ich!

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Sie ist heftig, sie ist frech, sie provoziert, die erste Sonderausstellung, die Freia Oliv als neue Leiterin des „Museums Penzberg“ kuratiert hat. „Werdet wie ich: Johannes Grützke!“, so ihr ungewöhnlicher Titel.

Penzberg - Der Berliner Maler Johannes Grützke (1937- 2017) ist in Penzberg kein Unbekannter: Bei der großen Porträt-Ausstellung „Bizarre Begegnung – Bilder schauen Dich an“, die dem Stadtmuseum 2009 einen Besucherrekord bescherte, diente Grützkes „Isabel“ als eindringliches Titelbild. Sich ihrem Blick zu entziehen, war unmöglich.

Neun Jahre später – neun Jahre, die für das Museum viele Diskussionen, neue Besucherrekorde, einen Neubau, einen Namens- und einen Leitungswechsel bedeuteten – ist der Altbau nun drei Monate lang voller „Grützkes“. Interims-Museumschefin Freia Oliv nutzte für ihre erste Sonderschau den Kontakt ihrer Vorgängerin Gisela Geiger zum Essener Galeristen Klaus Kiefer, der Grützke über Jahrzehnte begleitete. In dessen Depot hatte sie freie Auswahl – und holte insgesamt rund 60 Exponate nach Penzberg. Die erste Begegnung mit dem Leihgeber ist gerade mal zwei Monate her; viel Zeit war also nicht. „Doch es ist gelungen, hier mit Höchstgeschwindigkeit ein Zauberwerk zu vollbringen“, würdigte Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner bei der Presseführung diese Woche die Leistung Olivs.

Oliv selbst geriet bei dieser Gelegenheit ins Schwärmen über den Künstler Grützke, der auch als Musiker und Bühnenbildner aktiv war, 1973 in Berlin die Malergruppe „Schule der Neuen Prächtigkeit“ mitgründete, das berühmte, 32 Meter breite Wandbild „Der Zug der Volksvertreter“ in der Frankfurter Paulskirche schuf und in den 1990ern Professor an Nürnbergs Akademie der Bildenden Künste wurde. Dabei war ihm Theorie stets suspekt: „Nehmet den Pinsel und fanget an. Das war die Theorie“, sagte er den Studenten zu Semesterbeginn 1999: „Nicht vor dem Malen denken, Malen ist Denken!“

Markante Sprüche wie diesen hat die Museumsleiterin plakativ in den Museumsräumen anbringen lassen. Ansonsten aber sprechen dort die teils sehr großformatigen Bilder selbst. Sie bilden spannende Blickachsen, scheinen miteinander zu kommunizieren – und keine Infotafel lenkt ab. Die Wände zeigen nur Bilder, die Titel sind am Boden zu lesen. Wer mehr Informationen will, findet diese gut aufbereitet in den Gängen: Daten, Zitate, Reden des Malers. Sie erhellen Grützkes sehr direkten und entschiedenen Zugang zur Kunst. Doch man kann sich von seinen Bildern auch „einfach so“ erfassen lassen, ohne Vor- und Begleitwissen.

„Grützke hat Kunst durchaus als Event inszeniert“, sagt Freia Oliv. Und ein Selbstdarsteller – der sich in vielen Bildern selbst malte – war er obendrein. Doch dahinter steckte wohl weniger Eitelkeit als vielmehr Provokation: Dieser Maler fordert dazu auf, sich selbst in Frage zu stellen und frei zu werden – so ist auch der Ausstellungstitel „Werdet wie ich“ gemeint. Und nebenbei, so Oliv, „bringt Grützke auch Humor in die ganze Chose. Und das brauchen wir alle!“

Zu sehen ist die Ausstellung  „Werdet wie ich: Johannes Grützke!“ von Samstag, 10. März, bis Sonntag, 3. Juni: dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Öffentliche Führungen sind donnerstags um 15 Uhr und sonntags um 11 Uhr. Im Begleitprogramm sind eine Filmvorführung im „KinoP“, Vorträge und Livemusik in den Museumsräumen geplant (www.museum-penzberg.de). Neben der Sonderschau zeigt das „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ im Neubau weiterhin Werke Heinrich Campendonks und im Altbau Stadtgeschichtliches. Info: Tel. 08856/813480.

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