Die Tafel von Geiger Automotive wurde bei der Werkseinfahrt an der Seeshaupter Straße schon vor Wochen aufgehängt – nun wird es doch nichts mit dem Einzug.
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Die Tafel von Geiger Automotive wurde bei der Werkseinfahrt an der Seeshaupter Straße schon vor Wochen aufgehängt – nun wird es doch nichts mit dem Einzug.

Ehemaliges HAP-Gelände

Geplatzter Umzug von Geiger Automotive nach Penzberg: Bedauern und Freude - so sind die Reaktionen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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  • Wolfgang Schörner
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Das Unternehmen Geiger Automotive hat seinen Umzug auf das ehemalige HAP-Gelände an der Seeshaupter Straße abgeblasen. Die Entscheidung kam überraschend. Im Penzberger Rathaus bedauert man die Absage. In Murnau herrscht dagegen Aufatmen – das dortige Werk soll nun bestehen bleiben.

Penzberg – „Ich bin natürlich nicht glücklich“, sagte der Penzberger Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) in einer ersten Stellungnahme über den abgesagten Umzug. Auch für ihn sei die Entscheidung überraschend gekommen. Sie habe sich nicht angedeutet. Korpan war am Donnerstagvormittag von Geschäftsführer Martin Thorbjörnson in einem Telefonat davon unterrichtet worden, dass Geiger Automotive nun doch nicht auf das Gelände des HAP-Werks ziehen wird, also die Verhandlungen zwischen Geiger Automotive und der Hörmann-Gruppe, der das Grundstück und die Anlagen gehören, geplatzt sind.

Penzberger Rathaus - überrascht von Absage

Es habe gute Gespräche zwischen Stadt Penzberg und Geiger Automotive gegeben, erklärte Korpan. Das habe ihm Thorbjörnson auch bestätigt. Der Bürgermeister nennt als Beispiel den Brandschutz. Diese Problematik habe man versucht, so gut wie möglich gemeinsam zu lösen. Sie wären auch lösbar gewesen, so Korpan.

Wäre Industriegrundstück im Nonnenwald eine Alternative?

Zurückhaltend äußerte er sich zu der Frage, ob die Stadt Penzberg dem Automobilzulieferer alternativ das städtische Industriegrundstück im Nonnenwald angeboten hat. Wie berichtet, hatte das Unternehmen „Marvel Fusion“ im März die Frist für eine Kaufoption verstreichen lassen, seither ist das Areal wieder auf dem freien Markt. Man habe „noch keine offizielle Anfrage von Geiger erhalten“, sagte Korpan. Sollte das Unternehmen Interesse bekunden, werde man es wie jede andere Firma behandeln. Gespräche wollte er weder bestätigen noch dementieren.

Umzug abgesagt: Aufatmen in Murnau

In Murnau ist dagegen die Freude groß, weil nach Aussage des Unternehmens das dortige Werk am Riegsee (anders als der Standort Ziemetshausen) nun doch bestehen bleiben soll. „Das ist ja toll“, lautete die erste Reaktion der zweiten Bürgermeisterin Julia Stewens (Freie Wähler). Geiger Automotive sei im Ort fest etabliert – und darüber hinaus ein wertvoller Arbeitgeber sowie Steuerzahler. Eher vorsichtig wird hingegen die Neuheit auf Arbeitnehmerseite kommentiert „Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, die uns allerdings mit gemischten Gefühlen zurücklässt“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Mario Herrmann. Möglicherweise fehle das Geld, das für das Penzberg-Projekt bereits investiert wurde, an anderer Stelle.

Was passiert jetzt mit dem ehemaligen HAP-Gelände?

Wieder offen ist mit dem abgesagten Umzug die Zukunft des ehemaligen HAP-Geländes an der Seeshaupter Straße in Penzberg, ein etwa 100 000 Quadratmeter großes Areal. Als der Hörmann-Konzern vor zwei Jahren verkündete, sein HAP-Werk zu schließen, gab es Stimmen in der Penzberger Politik, die einen Kauf des Geländes durch die Stadt forderten. Danach befragt, sagte Korpan am Donnerstag, dass man – weil die Ereignisse so brandaktuell sind – darüber noch nicht gesprochen habe. Das Grundstück stehe seitens der Hörmann-Gruppe momentan auch nicht zum Verkauf. Deshalb sei dies noch kein Thema, so Korpan.

Auf dem Gelände an der Seeshaupter Straße befand sich seit Mitte der 1960er Jahre das MAN-Werk, in dem anfangs Omnibusse gefertigt wurden. Im Jahr 2005 gliederte MAN sein Penzberger Werk aus dem Konzern aus. Es hieß danach kurze Zeit ACP, bis der Hörmann-Konzern einstieg. 2012 wurde das Werk offiziell in Hörmann Automotive Penzberg (HAP) umgetauft. Als der Hörmann-Konzern im April 2019 das Aus verkündete, waren dort 630 Beschäftigte der Stammbelegschaft und rund 90 Leiharbeiter beschäftigt. Endgültig Schluss war am 30. Juni 2020.

Dreieinhalb Monate vorher hatte die damalige Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) für Aufsehen gesorgt. Sie verkündete zusammen mit Heinz Runte, Geschäftsführer der Hörmann-Töchter AIC, der das Grundstück gehört, dass das Unternehmen Geiger Automotive seine beiden Werke in Murnau und Ziemetshausen schließen und sie in Penzberg auf dem ehemaligen HAP-Gelände zusammenlegen will. Bei Geiger Automotive wurde damals zwar das Interesse bestätigt, ansonsten gab sich die Geschäftsführung zurückhaltend. Penzberg, hieß es, sei nur eine von vier Optionen. Im September 2020 folgte jedoch die Bestätigung: Der japanische Mutterkonzern Sanoh gab grünes Licht für einen Umzug nach Penzberg, der Ende 2020 beginnen und im Dezember 2022 beendet sein sollte. Seither gab sich das Unternehmen allerdings sehr wortkarg. Mehrere Anfragen der Heimatzeitung blieben unbeantwortet.

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