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Seltsamer Glasfaser-Wettbewerb: Gleich zwei Unternehmen wollen unbedingt für schnelles Internet sorgen

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Von: Franziska Seliger

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Um den Glasfaserausbau bis ins Haus konkurrieren in einigen Kommunen derzeit zwei Unternehmen. Avacomm müsste alles neu errichten Telekom hat schon viel Infrastruktur
Um den Glasfaserausbau bis ins Haus konkurrieren in einigen Kommunen derzeit zwei Unternehmen. Avacomm müsste alles neu errichten Telekom hat schon viel Infrastruktur © dpa

Was den Glasfaserausbau in den kleineren Gemeinden nahe Penzberg betrifft, sehen sich die dortigen Bürgermeister gerade mit einer ungewöhnlichen Situation konfrontiert: Es haben sich gleich zwei Unternehmen gemeldet, die die letzte Etappe beim Glasfaserausbau in den Dorfgebieten nun auf eigene Rechnung übernehmen wollen.

Penzberg/Iffeldorf/Habach/Antdorf/Sindelsdorf – Schon Anfang Januar hatte der Iffeldorfer Bürgermeister Hans Lang darüber informiert, dass sowohl die Telekom als auch das regionale Unternehmen Avacomm den Glasfaser-Ausbau bis ins Haus in der Osterseengemeinde eigenwirtschaftlich übernehmen wollen (wir haben berichtet). Nach Rückfragen in anderen Kommunen sowie bei den Unternehmen selbst steht nun fest: Auch in Seeshaupt, in Antdorf, Sindelsdorf und Habach wollen beide den Glasfaserausbau durchführen. „Dadurch sind wir gerade in einer schwierigen Situation, die eigentlich eine gute ist“, sagte der Habacher Bürgermeister Michael Strobl in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Denn nun müssten weder der Freistaat noch die Kommune Geld für den Glasfaserausbau in die Hand nehmen. Zwar betonte Strobl, die Gemeinde dürfe keines der beiden Unternehmen bevorzugen, oder sich gar auf eines festlegen. Das wäre laut Bayerischem Gemeindetag „diskriminierend“. „Der Verbraucher wählt aus“, betonte Strobl.

Der Bürgermeister machte jedoch deutlich, welches Unternehmen die Kommune bevorzugen würde, wenn sie das denn dürfte. So habe die Telekom den Vorteil, dass deren Netz-Infrastruktur im Ort bereits vorhanden sei – weshalb bei einem Ausbau weniger Tiefbauarbeiten notwendig werden könnten. Außerdem habe das Unternehmen in Habach bereits zwei Baugebiete mit Glasfaser bis ins Haus erschlossen. Zudem lasse die Telekom auch andere Anbieter in ihr Netz. Das gestatte Avacomm nicht.

Avacomm müsste viel mehr bauen als die Telekom

Und während die Telekom bereits mehrere Verteilstationen im Ort stehen habe, müsste Avacomm noch etwa vier so genannter Pops („Point of Presents“) errichten – wie Strobl sagte, seien das Gebäude von der Größe einer Fertiggarage. Für diese Pops müssten aber erst noch Standorte gefunden werden. Und hübsch anzusehen seien sie auch nicht. Angesichts zweier Bewerber sei es zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen, dass beide Firmen Glasfaserleitungen verlegen und dazu Straßen aufgraben. „Das wird uns blühen“, befürchtete Strobl. Aber: „Wenn zwei eine Straße aufreißen, ist das nicht so gut.“

Nahezu gleich ist die Situation in Antdorf und Sindelsdorf, wie eine Nachfrage bei den Bürgermeistern ergab. Auch hier wollen beide Unternehmen die Dorfgebiete eigenwirtschaftlich ausbauen. In Antdorf wäre davon laut Bürgermeister Klaus Kostalek „fast das gesamte Gemeindegebiet“ betroffen. Für die verbleibenden rund fünf Prozent der dortigen Haushalte habe seine Kommune kürzlich einen Förderantrag gestellt. Die Weiler rund um Antdorf hätten bereits seit rund zwei Jahren Glasfaser bis ins Haus.

Der Sindelsdorfer Bürgermeister Andreas Obermaier betonte zwar wie sein Amtskollegen Strobl „die Gemeinde darf diesen Wettbewerb nicht verzerren“, seine Gemeinde fände aber ebenfalls die Telekom „sympathischer“. Denn auch in Sindelsdorf sei das Bestandsnetz von der Telekom schon großteils vorhanden. Vor rund zwei Jahren habe das Unternehmen den Großteil der Ortsteile und Aussiedlerhöfe mit Glasfaser erschlossen. Avacomm dagegen müsste die Infrastruktur erst komplett schaffen. Dass dazu unter anderem die besagten Pops gebaut werden müssten, „das liegt mir am meisten im Magen“, so Obermaier.

Am Ende entscheiden die Kunden, wen sie lieber wollen

Johannes Galitscher von der Avacomm bestätigt auf Nachfrage die Ausbauabsichten seines Unternehmens in allen genannten Gemeinden - und zwar unabhängig davon, wie viele Haushalte mitmachen. Seit kurzem seien Mitarbeiter in den Orten unterwegs um Kunden zu gewinnen. Die Werbung laufe. Der Baubeginn solle im Anschluss „zeitnah“ erfolgen. Zunächst in Iffeldorf und Antdorf, aber es werde „relativ schnell bei allen gebaut“, so Galitscher. Noch heuer soll ein Großteil der Glasfaseranschlüsse fertig sein. Für etwa 95 Prozent der Kunden werde dieser Anschluss kostenlos sein. Die übrigen müssten mit einer Zuzahlung von rund 400 Euro rechnen; etwa Hausbesitzer mit einer besonders langen Einfahrt. Vorerst werden Kunden dann ausschließlich Avacomm als Anbieter wählen können. Möglicherweise werde sich das aber später ändern, so Galitscher.

Die Telekom informiert dagegen auf Nachfrage schriftlich darüber, sie werde nur dann ausbauen, „wenn 40 Prozent der Kunden im Ausbaugebiet sich für einen Glasfaseranschluss entscheiden“. Die offizielle Vorvermarktung werde Mitte 2022 starten. Wenn sie erfolgreich ist, könnte der Ausbau ab 2023 beginnen.

Wo immer es dann möglich sei, werde sich sein Unternehmen bei notwendigen Bauarbeiten mit der Avacomm absprechen. Denn das senke die Kosten und minimiere die Unannehmlichkeiten für die Anwohner. Der Hausanschluss sei im Vorvermarktungs-Zeitraum kostenlos, wenn ein Glasfaser-Tarif gebucht werde. Wer sich später entscheide, müsse den Hausanschluss bezahlen. Er koste knapp 800 Euro.

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