Muss künftig nicht mehr bezahlt werden? Die Diskussion um einen komplett kostenlosen Stadtbus geht im Rahmen des Mobilitätskonzeptes weiter.
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Muss künftig nicht mehr bezahlt werden? Die Diskussion um einen komplett kostenlosen Stadtbus geht im Rahmen des Mobilitätskonzeptes weiter.

Kostenlose Tickets für alle?

Gratis-Stadtbus würde über 600.000 Euro kosten

  • vonWolfgang Schörner
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Wäre der Penzberger Stadtbus für alle Fahrgäste kostenlos, nicht nur für Schüler, würde sich das Jahresdefizit, das die Stadt Penzberg zu tragen hat, auf rund 620.000 Euro belaufen. Diese Zahl nannte jüngst Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann.

Penzberg – Anlass für die Berechnung war eine Anfrage von SPD-Fraktionschef Adrian Leinweber im Stadtrat. Als Grundlage verwendete Holzmann Zahlen, mit denen für 2021 kalkuliert wird, die also auch die neue Stadtbuslinie 3 beinhalten. Nach seiner Rechnung kostet der Stadtbus heuer 800.000 Euro. Im Fall der Gratis-Tickets würde die Stadt auf Einnahmen an die 200.000 Euro verzichten. Der staatliche Zuschuss von 180.000 Euro würde dagegen erhalten bleiben.

Ohne Veränderung bei den Fahrkarten-Preisen rechnet die Stadt Penzberg heuer mit einem Defizit von rund 420.000 Euro. Vergangenes Jahr betrug es 260.000 Euro nach Abzug der Einnahmen und des staatlichen Zuschusses. Der Grund für den Anstieg ist die seit vergangenem Herbst bestehende Linie 3, deren Kosten auf 160.000 Euro taxiert werden. Im Jahresschnitt werden laut Holzmann mehr als 400.000 Fahrgäste inklusive Schüler mit den Stadtbussen befördert.

Diskussion im Rahmen des Mobilitätskonzepts - auch über Rufbus

Ordnungsamtsleiter Holzmann riet in der jüngsten Stadtratssitzung von einem Gratis-Stadtbus ab. Er empfahl, die Tarife zu überdenken und einen Teil der Einnahmen besser in eine weitere Entwicklung der Angebote zu investieren. Er erklärte außerdem, dass dies alles – ob gratis oder nicht – im Rahmen des geplanten Mobilitätskonzepts diskutiert werden sollte. Dazu gehört auch das Gedankenspiel, den Stadtbus durch einen Rufbus zu ergänzen (wir berichteten). Den Vorschlag, dies im Rahmen des Mobilitätskonzepts zu besprechen, wurde von Leinweber begrüßt. Sein Resümee: „Man könnte mit einem relativ überschaubaren Mehrbetrag einen kostenlosen Stadtbus anbieten.“

Vertrag für neue Buslinie 3 verlängert

Den Vertrag mit dem RVO für die neue Stadtbuslinie 3 hat die Stadt zudem vorzeitig um ein Jahr bis Ende August 2022 verlängert. Die Busse fahren montags bis freitags vom Bahnhof über die Stadthalle, das Wohnviertel „an der Freiheit“ und das Stadion zum Roche-Werk. Die Linie war für eine Probephase eingeführt worden. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr zwar entschieden, die Testzeit bis Dezember 2022 laufen zu lassen. Die Stadtverwaltung schloss damals mit dem RVO aber vorsichtshalber nur einen Vertrag bis August 2021.

Laut Ordnungsamtsleiter Holzmann wurden in den ersten vier Monaten bis Dezember 2020 in den Bussen der neuen Linie 3 Tickets im Wert von nur 884,60 Euro verkauft. Er schränkte aber zugleich ein, dass dieser Betrag keinen Rückschluss auf die Fahrgastzahlen zulasse, weil Schulkinder kostenlos fahren, Jobtickets über die Stadt ausgegeben werden und Mehrfachkarten auch im Bürgerbüro und in anderen Stadtbuslinien erhältlich sind.

Beförderungszahlen während Corona-Pandemie „allgemein sehr niedrig“

Er gab außerdem zu bedenken, dass die Beförderungszahlen im öffentlichen Nahverkehr während der Corona-Pandemie „allgemein sehr niedrig“ seien. Fahrgastzählungen seien „somit zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt aussagekräftig“. Trotzdem werde die Buslinie 3 nach Einschätzung der Busfahrer gut angenommen, so der Ordnungsamtsleiter. Regelmäßige Fahrgasterhebungen wird es ihm zufolge geben, sobald sich die Situation ändert. Der Stadtrat stimmte geschlossen zu, den Vertrag mit dem RVO bis Dezember 2022 zu verlängern.

Die Stadtbusse der Linie 3 verkehren während des Berufsverkehrs im Halbstundentakt und ansonsten im Stundentakt auf der Strecke. Pro Fahrtag kostet die Linie 3 nach Angaben der Stadt 658 Euro. In den vier Monaten des Jahres 2020 nach dem Start fielen somit Kosten von knapp 56.000 Euro an.

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