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Für den Umbau im Gymnasium investiert der Landkreis nach aktueller Schätzung fast vier Millionen Euro. Es erhält neue naturwissenschaftliche Räume.

Nach Kreistagsentscheidung zum Gymnasium

Elternbeirat akzeptiert Umbau im Haus

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Penzberg – Ja zu neuen naturwissenschaftlichen Räumen im Schulhaus, Nein zum Neubau – diese Entscheidung des Kreistags hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

„Wir akzeptieren die Entscheidung und werden die Durchführung kritisch und konstruktiv begleiten“, erklärte Elternbeiratsvorsitzender Enver Idris. Der Elternbeirat, der sich lange für einen Neu- oder Anbau eingesetzt hatte, traf sich am Montagabend, um über die Entscheidung zu reden. Vorsitzender Idris sagte, Schulleitung und Landkreis hätten sich deutlich für eine Lösung im Bestand ausgesprochen; die Elternvertretung wäre auf verlorenem Posten gestanden, hätte sie gegen beide kämpfen müssen. „Wir gehen davon aus, dass die Schulleitung beurteilen kann, was eine gute Lösung ist.“ Idris sagte zudem, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Kreiskämmerer Norbert Merk hätten gegenüber dem Elternbeirat zugesagt, dass ein Neubau auf dem Molkereigelände dann in Betracht komme, wenn sich die Schülerzahlen und damit der Raumbedarf erhöht. Resultieren könnte dies zum Beispiel aus steigenden Einwohnerzahlen in Penzberg oder aus einer Ausdehnung des G8 auf neun Jahre.

Für die Schulleitung war vor allem der Zeitfaktor ausschlaggebend – ein Argument, dem auch der Elternbeirat folgen kann. Direktor Bernhard Kerscher hatte vor dem Kreistag auf eine zeitnahe Lösung gedrängt, weil der Unterricht in Chemie und Biologie schon jetzt nur eingeschränkt möglich sei. In Kauf nehme man, dass der Umbau im Bestand auch während der Schulzeiten erfolgt, sagte er. Wie berichtet, hatte die Landrätin einen Baubeginn zu Pfingsten 2017 und eine Fertigstellung zum Schuljahresbeginn 2018 in Aussicht gestellt. Bei einem Neubau auf dem früheren Molkereigelände wäre ein Baubeginn frühestens 2018 möglich, hieß es. Schulleiter Kerscher hatte den Kreistagsmitgliedern aber auch angekündigt, dass er voraussichtlich bald wieder vor ihnen stehen werde – wegen der Diskussion um G8 und G9. Tatsächlich könnte dann das Molkereigelände wieder ins Blickfeld rücken.

Die Forderung nach neuen modernen naturwissenschaftlichen Räumen gibt es seit über zwei Jahren. Alarm geschlagen hatte 2014 die damalige Schulleiterin Margit Mintzel. Als am vergangenen Freitag die Entscheidung im Kreistag fiel, nahm sie gerade am Festakt zum 50-Jährigen der Penzberger Realschule teil. Sie habe von dem Beschluss „mit Genugtuung“ und zugleich „mit großer Betroffenheit“ erfahren, sagte sie. Froh sei sie, dass der Landkreis die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Baumaßnahme am Gymnasium doch noch gesehen habe. Ihrer Ansicht nach wurde aber auch eine einmalige Chance vertan.

Die vom Kreistag bewilligten vier Millionen Euro seien eine große Summe, wofür ihm sehr großer Dank gebühre, sagte Mintzel. Aber gerade weil es „eine so enorme Summe hart erarbeiteter Steuergelder ist, hätte ich mir gewünscht, dass sie in eine überzeugende, zukunftsweisende Lösung geflossen wäre“, erklärte sie auf Anfrage unserer Zeitung. Zukunftsweisend wäre ihrer Ansicht nach ein moderner, zusammenhängender naturwissenschaftlicher Trakt auf dem früheren Molkereigelände. Dies wäre „zwar teurer, doch berechenbarer gewesen“. Mintzel erzählte von Erfahrungen ihres früheren Tutzinger Gymnasiums, an dem für einen Umbau in alter Substanz am Ende das Dreifache der geplanten Summe nötig wurde und es während der Arbeiten eine „erhebliche Störung des Unterrichtsbetriebs über einen unerwartet langen Zeitraum“ gab.

Sie argumentiert auch damit, dass ein Neubau Raumreserven im bestehenden sehr beengten Schulhaus eröffnet hätte, die das Gymnasium bei neuerlichen Strukturreformen handlungsfähig machen würden, etwa bei der Berücksichtigung des G9. Den anderen Fachschaften hätte dies zudem die Flexibilität für ein Fachraum-Prinzip wie an der Realschule ermöglicht. Als wenig realistisch sieht Mintzel die Hoffnung, dass das Molkereigelände nach dem Umbau im Schulhaus noch für einen Neubau zur Verfügung steht. Für nicht stichhaltig hält sie auch das Argument, die Wege für Schüler und Lehrer seien zu weit. Beim Schüleraustausch mit Kansas hätten die Schüler den weitläufigen Campus der High-School mit angrenzendem naturwissenschaftlichen Trakt und riesigen Sportstätten erlebt, erzählt sie. „Die Schüler haben mich angefleht: Könnten wir diese Schule nicht einpacken und mit nach Penzberg nehmen?“

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