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Gymnasium: Mit 40 keine Midlife-Krise - am Anfang stand aber ein langer Kampf gegen Widerstände

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Von: Wolfgang Schörner

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Festakt mit Musik: Die Streicherklasse spielte für die Gäste.
Festakt mit Musik: Die Streicherklasse spielte für die Gäste. © Wolfgang Schörner

Das Penzberger Gymnasium hat mit einem Festakt sein 40-jähriges Bestehen gefeiert – wegen Corona mit einem Jahr Verspätung. 73 Schüler waren es 1981 zum Start, heute sind es mehr als 1000 in dem oft als Labyrinth verspotteten Schulhaus, das in den vier Jahrzehnten immer wieder erweitert wurde. Über die nächste Erweiterung wird bereits diskutiert.

Penzberg – Am 15. September 1981 begann am Penzberger Gymnasium der erste Unterrichtstag. Allerdings war das keine Selbstverständlichkeit. Die Bestrebungen, in Penzberg ein Gymnasium zu gründen, waren zuvor auf massive Widerstände im Kultusministerium gestoßen. Dort fürchtete man, dass die Nachbargymnasien gefährdet sein könnten. Bis zur Eröffnung brauchte es jahrelange Bemühungen, zahlreiche Briefwechsel und viele Fürsprecher, darunter Franz-Josef Strauß und den damaligen Boehringer-Werkleiter Gotthilf Näher. Dieser schrieb 1973 nach München, dass er ohne Gymnasium die industrielle Entwicklung Penzberg in Gefahr sehe. Bürgermeister Kurt Wessner sprach wegen der Hinhaltetaktik einst sogar von „faulen Tricks“ des Kultusministeriums.

Ehemaliger Bürgermeister sprach von „faulen Tricks“ des Kultusministeriums

1981 war es dann aber so weit: der erste Unterrichtstag mit damals 73 Schülern. 1988 genehmigte das Kultusministerium, wieder nach vielen Bemühungen, den Ausbau zum Vollgymnasium, an dem die Schüler fortan bis zum Abitur bleiben konnten. Heute besuchen mehr als 1000 Kinder und Jugendliche das Gymnasium, davon rund die Hälfte aus dem Umland. In den 40 Jahren kam es zu drei großen Erweiterungen, die sich in den Namen B-Bau, C-Bau und D-Bau widerspiegeln – für neue Schüler und ihre Eltern mutet das Gebäude wie ein Labyrinth an.

Schulspitze: Direktor Matthias Langensteiner (l.) und Stellvertreter Andreas Ludewig.
Schulspitze: Direktor Matthias Langensteiner (l.) und Stellvertreter Andreas Ludewig. © Wolfgang Schörner

Gefeiert wurde das 40-Jährige des naturwissenschaftlich-technologischen und sprachlichen Gymnasiums am Mittwochnachmittag mit einem Festakt, dem Streicherklasse, Oberstufenchor, Kontrabass-Ensemble, Hackbrett-Duo und Unterstufenorchester den musikalischen Rahmen gaben und bei dem der Personalrat für einen Rückblick in Bildern sorgte. Unter den Gästen waren auch die ehemaligen Schulleiter Bernhard Kerscher und Margit Mintzel. Insgesamt gab es seit 1981 nur fünf Direktoren: Der erste war Rudolf Beer (bis 1992), gefolgt von Anton Prestele (bis 2002), Mintzel (bis 2015) und Kerscher (bis 2020). Seit zwei Jahren Matthias Langensteiner Schulleiter.

Gymnasium Penzberg: Die nächste Erweiterung steht wohl bevor

Zumindest angedeutet wurde beim Festakt, dass in nächster Zeit wieder eine Erweiterung anstehen könnte. Wie berichtet, braucht das Gymnasium wegen der wiedereingeführten G9 mehr Platz. Eine Möglichkeit ist, wie berichtet, auf das benachbarte, ehemalige Molkereigelände an der Christianstraße, das der Stadt gehört, einen Neubau zu stellen. Darüber laufen Gespräche zwischen dem Landratsamt, das Sachaufwandsträger ist, und der Stadt. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) ging in seiner Rede auf das Wachstum der Schule in den vergangenen vier Jahrzehnten ein. Die rasante Entwicklung habe Parallelen zur Entwicklung der Stadt Penzberg. Mit der Rückkehr zum G9, sagte er, brauche es nun mehr Klassenzimmer. Die Stadt werde „alles tun, dem Landkreis unter die Arme zu greifen“. Es sei wichtig, den Schulstandort zu sichern. „Wir werden ein verlässlicher Partner für Gymnasium und Landkreis sein.“

Besonderer Geist an der Schule

Die Bedeutung des Gymnasiums strich Vize-Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL) heraus. Es habe Penzberg gutgetan, der ganze Landkreis habe von dessen Gründung profitiert. Von einem „besonderen Geist“ an der Schule, einem partnerschaftlichen Miteinander, sprach Elternbeiratsvorsitzender Mark Hartmann. Die Schülersprecher Jan Röntgen und Anna Schräml attestierten der Schulleitung, dass sie ihre Anliegen ernst nehme und mit Respekt behandle. Den starken Zusammenhalt würdigte auch Ministerialbeauftragte Brigitte Grams-Loibl.

Direktor Langensteiner ging in Kurzform auf die verschiedenen Schulleiter und die Veränderungen in 40 Jahren ein – darunter war auch ein Seitenhieb auf die einstige G8-Einführung. Sie sei „überhastet und schlecht vorbereitet“ gewesen. Mit Blick auf die Zukunft verwies er darauf, dass an die Schulen immer neue Anforderungen gestellt werden, zum Beispiel auch Erziehungsdefizite zu beheben und Ungerechtigkeiten zu beseitigen, und das alles bei einem sich abzeichnenden Mangel an Lehrkräften. Das Penzberger Gymnasium sieht er aber gut aufgestellt für künftige Herausforderungen. Es sei mit 40 jedenfalls nicht in der Midlife-Krise. Es werde auch in zehn Jahren ein Ort sein, an dem sich Lebensfreude und Wissbegier auf elegante Weise vereinen.

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