Vor dem Amtsgericht wurde verhandelt.
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Vor dem Amtsgericht wurde verhandelt.

Vor dem Amtsgericht

Haft nach Telefonterror gegen die Ex

  • vonAndreas Sachse
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Die Beziehung zur Mutter seiner Töchtern ist seit Jahren zerbrochen. Seine Kinder möchte ein 30-Jähriger dennoch sehen. Den ihm per Gericht zuerkannten Kontakt versuchte der in Penzberg lebende Nigerianer mit unlauteren Mitteln durchzusetzen. Obwohl es ihm per Gewaltschutzgesetz untersagt ist, überzog der in Penzberg lebende Nigerianer die Frau mit Telefonterror. Das Amtsgericht Freising schickte ihn acht Monate in Haft.

Penzberg – Mit den Zwillingsmädchen (4) hat sich die ebenfalls aus Nigeria stammende Ex-Freundin (30) inzwischen in Freising niedergelassen. An vier Tagen im vergangenen September soll der Angeklagte sie 46 Mal fernmündlich belästigt haben. Die Botschaften sollen nicht immer freundlich ausgefallen sein. Wegen Vergehens gegen das Gewaltschutzgesetz angeklagt, machte es der Angeklagte dem Gericht nicht leicht. Der in einer Flüchtlingsunterkunft in Penzberg lebende Nigerianer spricht kein Deutsch. Die Dolmetscherin ließ er kaum zu Wort kommen.

Anscheinend schien der 30-Jährige zu glauben, in Freising sein Recht als Kindsvater durchsetzen zu können. Immer wieder mühte er sich, das Gericht auf ein Schreiben aufmerksam zu machen, wonach ihm ein Gericht in Altötting den Umgang mit den Töchtern gestattet haben soll. Der dortige Richter habe entschieden, dass seine frühere Lebensgefährtin ihm den Kontakt mit den Mädchen nicht verwehren dürfe, wiederholte der 30-Jährige gebetsmühlenartig. In Freising aber ging es allein um seine Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz.

Mutter warf Ex vor, sich nicht an Gerichtsbeschlüsse zu halten

Die Mutter seiner Kinder hielt dem Angeklagten vor, sich nicht an Gerichts-Beschlüsse zu halten. „Ich bin es müde, seine Verstöße ständig anzuzeigen“, ließ die 30-Jährige die Dolmetscherin übersetzen. Ihr Ex-Freund habe sie bedroht und habe angekündigt, sie zu töten. „Er hat sogar gedroht, das Haus meines Vaters in Nigeria niederzubrennen.“

Ein Mal im Monat darf der 30-Jährige seine Töchter sehen. Allerdings nur in Begleitung einer Amtsperson. Die Kontaktaufnahme hätten Vater und Mutter gemeinsam mit dem Jugendamt aushandeln sollen. Dazu ist es nicht gekommen, da der Angeklagte nicht in der Lage war, die Form zu wahren. Ein Gewaltschutzbeschluss untersagt ihm, sich der Wohnung der Frau mehr als 100 Meter zu nähern, sie telefonisch oder über soziale Netzwerke zu kontaktieren. Ein Verstoß ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bedroht.

Acht Monate Haft für Angeklagten

Polizisten aus Garmisch-Partenkirchen, die von Kollegen in Freising beauftragt worden sind, den Nigerianer mit den Vorwürfen zu konfrontieren, berichten von einer unerfreulichen Begegnung in der Asyl-Unterkunft. Der 30-Jährige soll aggressiv geworden sein. Auf der anderen Seite schien unklar, ob er wirklich in der Lage ist, seine Situation zu verstehen. Unter Tränen stieß er gegen Ende der Verhandlung hervor, seinen Töchter seit Jahren nicht begegnet zu sein und sie sehen zu müssen.

Der 30-Jährige weilt seit rund vier Jahren im Lande, hat keinen Schulabschluss, keinen Beruf. Lediglich mit einer Duldung ausgestattet, darf er keinen Job annehmen, was ihm zu schaffen macht. Doch schon der Vorgeschichte wegen schien eine Haftstrafe unausweichlich. Der 30-Jährige ist mehrfach vorbelastet. Wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung, Bedrohung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte kam er lange mit Geldstrafen davon. Seit vergangenem August steht er wegen gefährlicher Körperverletzung unter offener Bewährung. Die neuerliche Freiheitsstrafe noch mal zur Bewährung auszusetzen, war für Jugendrichter Boris Schätz daher keine Option.

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