+
Protestkundgebung auf dem Rathausplatz in Penzberg.

Groß-Demo

HAP-Groß-Demo in Penzberg - es geht um 700 Arbeitsplätze

  • schließen

Mit Trillerpfeifen und Plakaten haben HAP-Mitarbeiter am Mittwochnachmittag auf dem Rathausplatz in Penzberg ihrer Wut auf den Hörmann-Konzern Luft gemacht. Es geht um viel.

Penzberg – Die Wut auf den Arbeitgeber ist groß. Die Mitarbeiter fürchten um die Zukunft ihres knapp 700 Arbeitsplätze zählenden Werks. „Ohne Plan, ohne Visionen – seht ihr sie da oben thronen“, steht auf einem Plakat. Auf einem anderen: „Verträge gemacht, Investitionen nicht gebracht, dann die Firma zugemacht.“ Über 200 Menschen sind gestern Nachmittag dem Aufruf der IG Metall zur Kundgebung gefolgt. Vor einer Woche hat es bereits Proteste vor der Konzernzentrale in Kirchseeon gegeben. Nun stehen sie auf dem Penzberger Rathausplatz. Der Vorwurf: Obwohl die Mitarbeiter seit vielen Jahren Lohnverzicht leisten, zusammen 32 Millionen Euro, investiert der Konzern nicht in die Zukunft des Werks. Die Befürchtung der IG Metall ist, dass nur 150 bis 200 der fast 700 Arbeitsplätze übrig bleiben.

Groß-Demo in Penzberg: Simmung im HAP-Werk sehr angespannt

Ein Penzberger, der seit zehn Jahren bei HAP arbeitet, beschreibt am Rande der Demo die Stimmung im Werk als „sehr angespannt“. Unter den Mitarbeitern herrsche eine „große Unruhe“. Er selbst sei wütend und frustriert. Er wirft dem Konzern eine fehlende Zukunftsplanung vor. „Dabei ist die Lage schon lange bekannt“, sagt der 27-Jährige. Er hofft, dass die Demonstration den Arbeitgeber aufweckt. Dass der Konzern endlich etwas für den Erhalt des Standortes tut.

Protest der HAP-Mitarbeiter in Penzberg: „Wir werden nicht aufhören zu kämpfen“

Dass bereits lange zugesagte Investitionen, etwa eine Lackieranlage, bis jetzt nicht realisiert wurden, macht Immo Keil wütend. Er ist seit 27 Jahren bei HAP. Als Betriebsrat macht er sich zwar weniger Sorgen um seinen Arbeitsplatz. „Aber der größte Teil der Belegschaft hängt in der Luft.“ Viele seiner Kollegen quäle die Sorge um ihren Arbeitsplatz, darunter viele mit Familie. Das müsse endlich aufhören. „Ich möchte wissen, was in der Zukunft passiert.“

Sorgen macht sich zum Beispiel ein Antdorfer, der auf den Rathausplatz gekommen ist. Er ist knapp 60 und arbeitet seit sechs Jahren bei HAP. „Ich will, dass endlich die zugesagte Lackieranlage gebaut wird. Nur so können wir die Lackier-Qualität bekommen, die der Markt fordert.“ Er ist enttäuscht, „weil nichts vorwärtsgeht“, obwohl die Belegschaft seit Jahren auf einen Teil ihres Lohns verzichte, um den Standort zu sichern. Außerdem gebe es statt Weihnachts- und Urlaubsgeld nur eine Pauschale, und Lohnerhöhungen seien verschoben worden. Um den Arbeitsplatz fürchtet auch seine Kollegin, die seit 18 Jahren bei HAP ist. „Ich möchte weiter arbeiten.“ Doch mit fast 50 einen anderen Job finden? Ein bisschen umgehört habe sie sich. Sicherheitshalber. „Aber der Arbeitsmarkt sieht nicht gut aus.“

Schlichtweg als „Sauerei“ bezeichnet ein früherer HAP-Mitarbeiter die Situation. „Man kann so nicht mit normalen Arbeitern umgehen.“ Dem stimmt sein Bekannter zu. Auch er ist in Rente. 38 Jahre war er bei HAP. Aus Solidarität sind beide Männer zur Demonstration gekommen. Und weil der Betrieb wichtig sei. „Penzberg braucht diese Arbeitsplätze. Es kann ja nicht jeder einen Doktortitel haben und bei Roche arbeiten“, finden sie.

„Wir kommen uns verarscht und betrogen vor“, sagt Karl-Heinz Schaller. Er arbeitet seit 37 Jahren bei HAP. Natürlich herrsche eine bedrückte Stimmung im Werk. „Aber trotzdem macht jeder seine Arbeit und leistet nach wie vor Überstunden.“ Denn: „Aufgeben kommt für uns nicht in Frage.“ Sollte der Konzern ein Signal der Standortsicherung senden, sei die Belegschaft gesprächsbereit, betont sein Kollege, der aber auch sagt: „Wir kämpfen bis zur letzten Minute.“

Unterstützung erhalten die HAP-Mitarbeiter von vielen Seiten. Vize-Betriebsratsvorsitzender Ulf Wiedemann verliest bei der Kundgebung mehrere Solidaritätsadressen, darunter von der KAB und der Islamischen Gemeinde, in deren Reihen es viele HAP-Mitarbeiter gibt. „Lasst uns kämpfen um die Zukunft unserer Arbeitsplätze“, ruft Wiedemann ins Mikro. „Wir lassen uns nicht beirren von den falschen Sirenengesängen aus Kirchseeon.“ Bürgermeisterin Elke Zehetner sagt, die Stadt kämpfe für den Erhalt des Standorts. KAB-Betriebsseelsorger Andreas Kohl appelliert an Eigentümer und Gesellschafter, ihre Verantwortung wahrzunehmen und den Menschen eine echte Perspektive zu bieten. Klaus Barthel, der 23 Jahre für die SPD im Bundestag saß, fordert vom Konzern, endlich Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen.

„Wir geben nicht auf, bis der Arbeitgeber Zukunftsinvestitionen tätig, die die Arbeitsplätze sichern“, sagt Daniela Fischer, erste Bevollmächtigte der IG Metall. Für nächste Woche hat der Konzern angekündigt, ein Zukunftskonzept vorzustellen. Sei es ein gangbarer Weg, so Fischer, werde man sich mit dem Arbeitgeber an einen Tisch setzen. Wenn nicht, fügt sie an, „werden wir nicht aufhören zu kämpfen“.

Mitarbeit: Franziska Seliger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das hätte schlimme Folgen haben können: Unbekannter schüttet Nägel in Futtersilo 
Das hätte böse enden können: Ein Unbekannter hat in ein Futtersilo in Pähl Nägel geschüttet. Die Polizei sucht Zeugen.
Das hätte schlimme Folgen haben können: Unbekannter schüttet Nägel in Futtersilo 
Schlachthof-Idee löst Kettenreaktion aus
Der CSU-Vorschlag, den ehemaligen Schlachthof an der Karlstraße abzureißen und dort übergangsweise einen großen Parkplatz zu schaffen, hat eine Kettenreaktion ausgelöst. …
Schlachthof-Idee löst Kettenreaktion aus
Wenn das Fest der Liebe zum Albtraum wird
Wenn das Fest der Liebe zum Albtraum wird
Bürgerbegehren zur Grünfläche „Am Riss“
Zur Neugestaltung der Grünfläche „Am Riss“ läuft jetzt ein Bürgerbegehren an. Einige Weilheimer um Initiator Ullrich Klinkicht wollen per Bürgerentscheid erreichen, dass …
Bürgerbegehren zur Grünfläche „Am Riss“

Kommentare