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Bei einer Demonstration auf dem Rathausplatz Anfang Dezember machten Mitarbeiter von HAP ihrem Ärger Luft.

HAP-Werk in Penzberg: Zukunft bleibt ungewiss

Das neue Jahr ist angelaufen. Doch die Zukunft der Belegschaft von HAP in Penzberg ist weiter ungewiss. Jetzt haben sich die Bedingungen offenbar noch einmal verschärft.

Penzberg – „Ein realistisches und finanziell tragfähiges Zukunftskonzept“ wollte die Hörmann Holding den Mitarbeitern bereits Mitte Dezember letzten Jahres vorlegen. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen wurden die Mitarbeiter auf „spätestens bis Ende Januar“ vertröstet (wir berichteten). Doch auch dieser Termin wird scheinbar nicht ganz eingehalten. „Die Hörmann Holding hat zugesichert, dass definitiv am 1. Februar das Zukunftskonzept vorgestellt werden soll“, so eine Sprecherin der IG-Metall Weilheim auf Nachfrage. Die Geschäftsführung wolle das Konzept zunächst dem Betriebsrat sowie der IG-Metall präsentieren. Danach sollen auch die fast 700 Mitarbeiter darüber informiert werden.

Derweil ist der alte Ergänzungstarifvertrag aus dem Jahr 2016 zum Ende des Jahres ausgelaufen. Beispielsweise hat er laut HAP-Betriebsrat Bayram Yerli betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Darin war laut IG-Metall unter anderem aber auch ein Lohnverzicht der Belegschaft festgehalten. Im Gegenzug sollte der Konzern in das Penzberger Werk investieren, um den Standort zu sichern. „Das war eigentlich ein Kredit seitens der Arbeitnehmer“, so die Gewerkschafts-Sprecherin. Einen neuen Ergänzungstarifvertrag mit möglicherweise erneuten Zugeständnissen seitens der Belegschaft wolle man ohne vorliegendes Zukunftskonzept nicht abschließen, hieß es seitens der Gewerkschaft.

Der Konzern seinerseits hätte gerne einen neuen Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen, „um die wirtschaftlich schwierige Lage in einem hart umkämpften Wettbewerbsumfeld zu stabilisieren“, so eine Konzern-Sprecherin. Leider gebe es aber deutlich unterschiedliche Auffassungen über die Zukunftsausrichtung des Werkes in Penzberg. Die Bitte der HAP-Geschäftsführung, einen zeitlich befristeten Aufschub zur Fortführung der Regelungen des Ergänzungstarifvertrags bis Ende März 2019 zu vereinbaren, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen, seien von der IG-Metall abgelehnt worden. Deshalb müsse „die Geschäftsführung der HAP davon ausgehen, dass die IG-Metall aus tarifpolitischen Erwägungen nicht mehr zum Abschluss eines neuen Ergänzungstarifvertrags bereit ist“, so die Konzern-Sprecherin.

Damit gilt seit Januar der Flächentarifvertrag der IG-Metall – und der verschärft laut Konzern die Situation zusätzlich. Denn mit dem Flächentarifvertrag gehe „eine massive Steigerung der Personalkosten vom Jahr 2018 auf das Jahr 2019 um weitere 14 Prozent“ einher. Schon zuvor seien die Personalkosten durch den sehr hohen Tarifabschluss 2018 und die Nachholung von Tariferhöhungen aus den Vorjahren bereits um 11 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 gestiegen. Die Folge, laut Konzern: „Die Erhöhung der Personalkosten in der HAP um rund 25 Prozent belastet erheblich die im Geschäftsjahr 2018 eingetretene Verlustsituation.“ Die Geschäftsführung der HAP arbeite im Zusammenhang mit dem Zukunftskonzept derzeit an Lösungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der stark veränderten Personalkostensituation.

Was mögliche drohende Kündigungen betrifft, versucht die IG-Metall zu beruhigen. Der Flächentarifvertrag biete in dieser Hinsicht für die Beschäftigten sogar einen „größeren Schutz“, betont die Gewerkschafts-Sprecherin. Betriebsbedingte Kündigungen seien nur in einem genau festgelegten Rahmen möglich. Auf ihrer Internetseite weist die IG-Metall unter anderem darauf hin, dass der Arbeitgeber bei einer betriebsbedingten Kündigung nachweisen müsse, dass eine Weiterbeschäftigung des oder der Betroffenen nicht mehr möglich ist. Außerdem müsse eine soziale Auswahl getroffen werden. Als Kriterien dafür würden unter anderem die Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie Unterhaltsverpflichtungen gelten.

Text: Franziska Seliger

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