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„Penzberg ist mein Ruheort“: Hausbesuch bei Bayerns neuer SPD-Chefin Ronja Endres

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Von: Franziska Seliger

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Familienbande: Ronja Endres (am Laptop) mit ihren „Pflegeeltern“ Beate und Rainer Kreutterer und „Pflegeschwester“ Alena Jacob (li.) am heimischen Küchentisch in Penzberg.
Familienbande: Ronja Endres (am Laptop) mit ihren „Pflegeeltern“ Beate und Rainer Kreutterer und „Pflegeschwester“ Alena Jacob (li.) am heimischen Küchentisch in Penzberg. © Franziska Seliger

Ende April wurde Ronja Endres zusammen mit Florian von Brunn zur neuen Doppelspitze der Bayern-SPD gewählt. Die neue Landesvorsitzende der bayerischen Sozialdemokraten hat ehrgeizige Ziele und viele Visionen. Geprägt wurde die 34-Jährige dabei von ihrer Heimatstadt Penzberg. Hier ist sie aufgewachsen, hier lebt ihre Familie, und hier ist bis heute ihr Kraftort.

Penzberg – Dass anstrengende Wahlkampf-Wochen hinter ihr liegen, sieht man Ronja Endres nicht an. Gut gelaunt sitzt sie am Küchentisch ihrer Pflegeeltern und erklärt dem Besucher zunächst ihre etwas außergewöhnliche Familiensituation: Nach dem Unfalltod ihrer Mutter sei sie mit sieben Jahren zusammen mit ihrer Schwester von Wolfratshausen zu ihrer Oma nach Penzberg gezogen.

Hier lebte auch Beate Kreutterer, eine enge Freundin der verstorbenen Mutter. „Sie hat sich unserer angenommen“, erzählt Endres, und ihre Hand berührt dabei in einer liebevollen Geste den Arm von Beate Kreutterer. Aber nicht nur die Krankenschwester kümmerte sich um das Kind Ronja. Auch ihr Mann Rainer und die gemeinsame Tochter Alena schlossen das Mädchen ins Herz. Ronja kam immer öfter, wurde zur Tochter und zur Schwester. „Irgendwann war Ronja ein fester Bestandteil unserer Familie“, sagt Rainer Kreutterer.

Es war eine „Herzensadoption“

Offiziell sind die Kreutterers zwar nicht ihre Pflegeeltern. Endres nennt sie trotzdem so. Einfach weil es sich für alle so anfühlt. Es war eben eine „Herzensadoption“, sagt Rainer Kreutterer.

Ihre gesamte Jugend hat Endres in Penzberg verbracht. Hier hat sie die Schule besucht und ihre Lehre bei einem Pharmakonzern absolviert. Hier liegen ihre politischen Wurzeln, und bis heute fährt Endres, die mittlerweile in Regensburg lebt, regelmäßig heim zu ihrer Pflegefamilie.

Daran werde sich auch nach der Wahl zur Landesvorsitzenden nichts ändern, versichert sie. „Ich werde regelmäßig in Penzberg sein.“ Auch dann, wenn sie nach der Pandemie wieder mehr auf politischen Präsenzveranstaltungen anwesend sein müsse. Penzberg sei dann ihr Standort im Süden Bayerns und Regensburg ihr Standort im Norden – sehr praktisch wie sie findet. „Florian (von Brunn; Anmerk. d. Red.) hat das nicht.“

Ronja Endres: Penzberg ist mein Ruheort

Schon wenige Tage nach ihrer Wahl sitzt Endres bei ihren Pflegeeltern am Küchentisch in dem „Mehrgenerationenhaus“, wie es die Familie nennt, weil hier auch noch die Oma der Familie zuhause ist, und Endres‘ Pflegeschwester Alena bald die vierte Generation auf die Welt bringen wird. Wegen der Schwangerschaft darf Endres derzeit allerdings nur mit negativem Corona-Test nach Hause kommen. Den muss sie derzeit recht oft machen, denn weil auch SPD-Politiker wegen der Pandemie gerade viel im Homeoffice arbeiten, sei sie momentan nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche oft zum Arbeiten bei ihrer Pflegefamilie. „Hier habe ich immer eine Zahnbürste.“ Außerdem ein eigenes Zimmer, von dem aus sie die Benediktenwand sieht – ein Anblick, den Endres nach dem Aufwachen besonders liebt, wie sie sagt. Penzberg und ihre Familie: „Das ist mein Ruheort.“ Nur hier habe sie dieses einzigartige „Zuhause-Gefühl“. Und nur hier esse sie Fleisch. Denn ihre Familie achte genau darauf, woher das Fleisch stammt, das auf den Tellern landet. Das sei einfach ein gutes Gefühl. Ach ja: Auch zum Friseur gehe sie nur in Penzberg. Denn der kenne sie und ihre Haare einfach am besten.

Natürlich hat die gesamte Familie Endres‘ Wahl zur SPD-Landeschefin im Livestream mitverfolgt. „Wir sind alle megastolz auf sie“, betont Pflegeschwester Alena Jacob. Die Ärztin ist genauso alt wie Endres, und die beiden Frauen sind sich durch die gemeinsame Kindheit und Jugend so nahe gekommen, dass sie sich nicht nur als „Schwestern“ sehen, sondern fast schon als Zwillinge. Braucht Endres Rat, geht sie immer zuerst zu ihrer Schwester Alena. Bei parteipolitischen Themen natürlich nicht. Die bespreche sie immer zuerst mit ihrem Kollegen von Brunn, schränkt sie lachend ein.

Ronja Endres war Jugendbetriebsrätin und trat 2008 der Penzberger SPD bei

Dass aus dem Mädchen Ronja die SPD-Politikerin wurde, liegt nicht unwesentlich an ihrer Pflegefamilie. „Wir haben immer schon viel über politische Themen diskutiert“, sagt Rainer Kreutterer. Über soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte zum Beispiel – beides heute Kernthemen von Ronja Endres – habe die Familie schon vor Jahren intensiv am Küchentisch debattiert. Überhaupt habe schon die kleine Ronja gerne diskutiert: über Bettgehzeiten zum Beispiel. Oder über den Süßigkeitenkonsum. Auch ein weiteres wichtiges Thema in Endres‘ Politik, die Pflege, hat seinen Ursprung in der Familie: Denn hautnah erlebe sie bei Pflegemutter Beate mit, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen sind, sagt Endres.

Während ihrer Ausbildung bei Roche hat sie begonnen, sich für die Arbeitnehmerrechte einzusetzen. Sie wurde Jugend-Betriebsrätin und trat der Gewerkschaft „IG BCE“ (Bergbau, Chemie und Energie) bei. 2008 wurde sie Mitglied bei der Penzberger SPD. Über ihre Wahl zur SPD-Landeschefin hätten sich die Penzberger Genossen „narrisch gefreut“. Aber auch viele einstige Schulkameraden aus der Stadt hätten sie beglückwünscht. Manche trifft sie, wenn sie mit dem Hund ihrer Pflegeoma Gassi geht. Das tut sie derzeit oft, wenn sie in der Stadt ist. Am liebsten zusammen mit ihrer Pflegeschwester.

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