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„Herbst in der Stadt“ statt Volksfest

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Von: Franziska Seliger

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Kinder fahren in einem Fahrgeschäft auf einem Volksfest
Ein klassisches Volksfest wird es heuer in Penzberg nicht geben. Dafür dezentral verteilte Stände, die mehrere Wochen über das Stadtgebiet verteilt stehen sollen. © Ralf Ruder/Archiv

Ein Volksfest im klassischen Sinne wird es in Penzberg heuer coronabedingt zwar keines geben. Ab Mitte September sollen aber dezentral über die Innenstadt verteilte Volksfest-Stände für wenigsten ein bisschen Budenzauber sorgen. Das beschloss der Penzberg Stadtrat in seiner Feriensitzung am Dienstag einstimmig.

Penzberg – Volksfestwirt Christian Fahrenschon hatte bereits vor einigen Wochen ein Konzept für ein Ersatz-Volksfest auf der Berghalde vorgelegt, dass der Stadtrat im Juli jedoch einstimmig ablehnte. Damals ging es um einen Biergarten mit 1000 Sitzplätzen und einen Freizeitpark für 750 Besucher, doppelt eingezäunt und mit Einlasskontrolle, und das alles zwei Wochen lang, um die Besucherströme zu entzerren.

Nun hatte Fahrenschon einen neuen Antrag eingereicht: für einen Biergarten mit Freizeiteinrichtungen auf den rund 12 000 Quadratmetern, die er auf der Berghalde nutzen kann. Der Biergarten war in diesem Antrag auf rund 500 Plätze verkleinert worden. Schausteller-Geschäfte sollten weit voneinander entfernt stehen.

Doch dieses jüngste Konzept kam in der Sitzung am Dienstag nur ganz kurz zur Sprache, bevor sich die Räte einstimmig gegen einen temporären Biergarten auf der Berghalde aussprachen.

Vor der Sitzung gab es Gespräch mit Festwirt

Wie Bürgermeister Stefan Korpan erläuterte, habe es kurz vor der Sitzung noch ein Gespräch zwischen ihm, Festwirt Fahrenschon und Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann gegeben. Dabei habe der Fahrenschon signalisiert, er könne sich als weitere Alternative auch vorstellen, verschiedene Essensstände mit typischen Volksfest-Spezialitäten wie Steckerlfisch, Mandeln und Co. „auf das Stadtgebiet zu verteilen“; beispielsweise in der Bahnhofstraße. Tische und Bänke würden keine aufgestellt. Alkohol werde keiner Ausgeschenkt, so Holzmann. Alle Speisen seien zum Mitnehmen gedacht. Negative Auswirkungen auf die Gastronomie der Innenstadt sollen die Stände keine haben, betonte Korpan. Beispielhaft habe er bereits mit dem Wirt der „Koinschaufe“ in der Stadthalle über die Idee der dezentralen Buden gesprochen. Der Wirt habe sein Einverständnis signalisiert.

Korpan betonte die schwierige Situation, in der sich die Schausteller-Branche wegen der Corona-Pandemie derzeit befände. Wolle man in Penzberg auch in Zukunft Volksfeste habe, müsse man den Festwirt nun unterstützen. Adrian Leinweber (SPD) forderte „eine Gleichbehandlung aller Gewerbetreibenden“. Deshalb solle die Pacht für die Volksfest-Stände ebenso hoch sein wie bei den Standbetreibern auf dem Wochenmarkt.

Suche nach geeigneten Plätzen

Einstimmig votierte der Stadtrat schließlich für die Idee der dezentralen Buden. Als Pacht wurden sechs Euro pro laufender Meter Frontlänge der Buden pro Tag festgelegt. Gemeinsam mit Ordnungsamt, Festwirt, Polizei und Feuerwehr sollen nun geeignete Plätze im Stadtgebiet gefunden werden. Hardi Lenk (SPD) regte an, dabei auch die bereits dauerhaft ansässigen Kiosk-Betreiber – etwa in der Bahnhofstraße – einzubeziehen.

Welche Stände konkret aufgebaut werden und wie viele genau, müsse in den kommenden Tagen erst noch entschieden werden, sagte Ordnungsamtsleiter Holzmann auf Nachfrage. Aufgebaut werden sollen sie ab Mitte September für die Dauer von rund drei bis vier Wochen. Auch diese Details gelte es noch zu klären.

Festwirt Christian Fahrenschon freute sich am Mittwoch „sehr“ über „das positive Signal des Stadtrats“. Das „Kulturgut Volksfest“ brauche jetzt Unterstützung, sonst sei es in ernster Gefahr.

Ein Festwirt in Tracht
Volksfestwirt Christian Fahrenschon freut das „positive Signal“ der Stadt Penzberg. © Archivbild

Fahrenschon räumt zwar ein, sich „natürlich mehr erhofft“ zu haben. Er könne die Bedenken der Stadt bezüglich eines Biergartens aber verstehen. Wie der Festwirt erläuterte, möchte er nicht nur einfache Holzbuden im Stadtgebiet aufstellen. „Es werden schon volksfest-attraktive Stände sein“. Denn ein Volksfest lebe von Düften und Lichtern. Außerdem schweben ihm nicht nur Essensstände vor: Vielmehr könnte er sich auch vorstellen, kleinere Fahrgeschäfte wie Kinder- oder Kettenkarussell aufzustellen, soweit es der Platz zulässt. Nach dem Vorbild von München und dem dortigen „Sommer in der Stadt“ soll es in Penzberg ein „Herbst in der Stadt“ werden.

In der Sitzung wurde auch die Möglichkeit angesprochen, das alternative Volksfest auf dem Stadtplatz abzuhalten. in der entsprechenden Zeit findet hier aber das „Stadtlesen“ statt. Außerdem käme der Platz aus Lärmschutzgründen nicht in Frage, teilte Bürgermeister Korpan mit. Bereits vor einiger Zeit sei ein Lärmschutzgutachten für den Platz in Auftrag gegeben worden. Nun läge das Gutachten vor. Näher wollte Korpan darauf nicht eingehen. Das Gutachten soll in der nächsten Stadtratssitzung vorgestellt werden.

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