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Museumsleiterin Gisela Geiger deutet auf ein Foto, das Heinrich Campendonk bei der Arbeit an einem Hinterglasbild zeigt - zu sehen in der neuen Ausstellung.

Im Museum wird es magisch

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Dem Museum in Penzberg ist etwas Einzigartiges gelungen: Noch nie waren so viele Hinterglasbilder von Heinrich Campendonk in einer Ausstellung versammelt. Am Samstag wird sie eröffnet. Ihr Titel: „Magische Transparenz“.

Penzberg - 30 Hinterglasbilder des „Blauer Reiter“- Künstlers Campendonk sind in der neuen Ausstellung des Penzberger Museums zu sehen. Das klingt zunächst nicht viel. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, dass Privatsammler oder Museen ihre Hinterglasbilder auf Reisen schicken, in diesem Fall nach Penzberg. „Jede Erschütterung, jeder Temperatur- oder Feuchtigkeitswechsel lässt das Glas reagieren“, erklärt Museumsleiterin Gisela Geiger. Im schlimmsten Fall löst sich die Farbe in Brösel auf und rutscht im Rahmen nach unten. Das heißt: Keiner gibt normalerweise die sensiblen Stücke her.

Das Penzberger Museum profitiert allerdings von einem Sonderfall. Es ließ in einem Forschungsprojekt, unterstützt mit 50 000 Euro durch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, 35 der weltweit bekannten 76 Hinterglasbilder Campendonks untersuchen, konservieren und restaurieren. Eine spannende Arbeit, so Restauratorin Simone Bretz. Ein Werkverzeichnis wird im März erscheinen.

Ein Ergebnis war eben auch, dass dafür Privatsammler und Museen aus Köln, Amsterdam, Toronto und anderen Orten ihre Werke zur Verfügung stellten und sie nun in Penzberg zu sehen sind. 17 der ausgestellten Hinterglasbilder befinden sich in der eigenen Penzberger Campendonk-Sammlung, die die weltweit größte ist. 13 weitere kamen von auswärts.

Geiger und Restauratorin Bretz ermöglichten gestern einen ersten Blick in die Ausstellung, die offiziell am Samstag für Besucher eröffnet wird. Die 30 Originale sind in drei Räumen im Neu- und im Altbau zu sehen, ergänzt durch Vergleichsbildern, Fotos und Repliken. Zudem lässt sich auf einem großen Tischmonitor zum genauen Studium ein Blick auf die Rückseite und auf Vergrößerungen werfen.

Campendonk habe sich rund 40 Jahre seines Lebens dieser Technik gewidmet, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, erzählt Gisela Geiger. Es sei keine akademische Technik gewesen. Die Künstler, darunter viele andere aus der „Blauer Reiter“-Gruppe, hätten damit experimentiert. Was besonders schwer war: Sie mussten seitenverkehrt denken. Gemalt wurde auf der Rückseite der Glasscheiben. Die erste Schicht, die sie auftrugen, war die oberste der Bilder – bei einem Ölbild ist es genau andersherum.

Das Penzberger Museum sei „ein kleines Haus, das Gewaltiges leistet“, lobt Bürgermeisterin Elke Zehetner die Ausstellungsmacher. Das I-Tüpfelchen folgt voraussichtlich im März. Dann will die Autobahn-Direktion an der A95 ein Schild aufstellen: mit einem Hinweis auf das Penzberger Museum und seine Campendonk-Sammlung.

Die Ausstellung „Magische Transparenz“ im Museum Penzberg ist am Samstag, 18. Februar, erstmals zu sehen. Sie läuft bis 7. Mai. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Führungen: Sonntag, 11 Uhr, Donnerstag, 16 Uhr.

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