Hotel-Pläne in Penzberg: Durch den Stadtrat geht ein Riss

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Die Stadt Penzberg wird sich weiter mit einem Hotelbau auf einem Areal bei Gut Hub befassen, und zwar im Bereich des Ortseingangs an der Seeshaupter Straße. Das hat der Stadtrat beschlossen, allerdings nur mit 15 gegen 9 Stimmen.

Penzberg - Als vor einigen Jahren erstmals über ein Hotel auf Gut Hub diskutiert wurde, stand der Stadtrat – zumindest am Anfang – geschlossen dahinter. Beim zweiten Anlauf geht nun bereits zu Beginn der Debatte ein Riss durchs Gremium. Diese Woche stimmte zwar eine Mehrheit dafür, sich weiter mit einem Hotel zu befassen. Allerdings votierten die BfP und die Freie Fraktion komplett sowie Klaus Adler und Dr. Kerstin Engel von den Grünen dagegen.

Bürgermeisterin Elke Zehetner hatte eingangs erklärt, man akzeptiere den Willen des Bürgerentscheids, obwohl die Bindungsfrist im Februar 2016 abgelaufen sei. Deshalb gehe es nun um einen anderen Standort. Man wolle die Bürger in dem Prozess mitreden lassen, versicherte sie. Das Stadtbauamt zeigte dazu eine Fläche südlich der Seeshaupter Straße bei der Zufahrt zu Gut Hub. Zehetner sagte, es gehe jetzt zunächst nur um die Frage, ob man weiter an dem Hotel-Thema arbeiten wolle.

Diese Aussage stand aber im Gegensatz zur Beschlussvorlage des Stadtbauamts, in dem es bereits um die Zimmerzahl, den Grundstücksverkauf und einen Auftrag für einen Bebauungsplan-Vorschlag ging. „Wir machen exakt denselben Fehler wie damals, ich vermisse den Lerneffekt“, sagte Dr. Kerstin Engel (Grüne). Zugleich bezeichnete sie es als „Affront“ gegenüber dem Bürgerentscheid. Die damalige Entscheidung, so Engel, interpretiere sie als Nein zu einem Hotel im gesamten Erholungsgebiet, auch wenn es vor zweieinhalb Jahren um ein Grundstück zwischen Kreisverkehr und Hubersee ging. Als vermessen bezeichnete sie es, den Standort um 300 Meter zu verrücken und zu glauben, damit ist es in Ordnung. Auch grundsätzlich hält Engel den neuen Vorschlag für ungeeignet, weil er „mitten in der freien Landschaft“ liegt. Sie forderte, die Standortfrage völlig neu aufzurollen. Dem schloss sich Wolfgang Sacher (BfP) an. Er sowie Michael Kühberger und Jack Eberl (beide Freie Fraktion) erklärten zudem, dass der Flächennutzungsplan dort eine Bebauung ausschließe.

Christine Geiger (CSU) erklärte dagegen, ihre Fraktion halte den Standort für „sehr geeignet“. Ein Hotel würde sich ins Gelände einfügen, eine Zufahrt sei vorhanden und die Autobahn in der Nähe. „Wir unterstützen ihn ohne Wenn und Aber“, sagte sie. Hardi Lenk (SPD), der den Standort vor einigen Wochen ins Spiel gebracht hatte, sagte, er verstehe die Aufregung nicht. Es gehe darum, dass „die Regierung prüft, ob es dort möglich ist, und noch nicht um Verkauf oder Verpachtung“. Es wäre unfair zu behaupten, ihm sei das Erholungsgebiet nicht wichtig.

Dr. Johannes Bauer (Grüne) sagte, er halte den nun vorliegenden Standort für günstiger als das Areal vom Bürgerentscheid. Der Fehler damals sei gewesen, so Bauer, dass die Stadt eine passive Rolle eingenommen habe, es eine „dilettantische Skizze“, nur einen unbekannten Investor und keine klare Aussage zum Ressourcenverbrauch gegeben habe. „Das müssen wir besser anpacken“, sagte er. Das heißt ihm zufolge: die Bedenken des Bund Naturschutz und die Bürgereinwände wertschätzen, jetzt keinen Verkauf beschließen, selbst Herr des Verfahrens bleiben, einen Bebauungsplan aufstellen und dann einen Wettbewerb für Investoren ausschreiben, aus denen man den besten auswähle. „Nur dann würde ich dahinter stehen“, sagte Bauer.

Deutlich wurde, dass er und andere grundsätzliche Befürworter den relativ konkreten Beschlussvorschlag des Bauamts nicht mittragen würden. Als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ schlug Adrian Leinweber (SPD) daher eine deutlich entschärfte Version vor: Die Verwaltung soll das weitere Verfahren mit den Behörden und die Grundlagen für einen Standort an der Seeshaupter Straße „am nordwestlichen Ortseingang“ ermitteln, und der Bauausschuss soll zunächst das weitere Bebauungsplanverfahren behandeln. Die Ortsbezeichnung „Gut Hub“ kam im Beschluss nicht vor. 15 Stadtratsmitglieder stimmten zu.

Rubriklistenbild: © dpa

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