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Bunt werden die Iffeldorfer Mitfahrerbänke bemalt.

Iffeldorf bekommt jetzt Mitfahrerbänke - und es wird bunt

Ein großes Problem in Dörfern ist das dürftige Angebot an Bus- und Bahnverbindungen. Als Alternative etabliert sich in immer mehr Orten Deutschlands die sogenannte Mitfahrerbank, eine moderne Form des Trampens. Nun steigt auch Iffeldorf mit ein: Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Iffeldorf haben selbst Bänke gestaltet.

VON ARABELLA SCHÄFFLER

Iffeldorf – An einem sonnigen Freitag im August bemalen Kinder, ein Jugendlicher und Erwachsene beim Gemeindestadl lange Bretter in unterschiedlichen Farben. Aus den Brettern entstehen fünf Mitfahrerbänke, die bald in Iffeldorf aufgestellt werden sollen. Der Bund Naturschutz, der Verschönerungsverein und die Nachbarschaftshilfe haben im Iffeldorfer Ferienprogramm einen Workshop angeboten, bei dem Kinder ab 10 Jahren mit Vereinsmitgliedern die Mitfahrerbänke gestalten und bemalen dürfen. „Ich fand das eine schöne Idee“, sagt Ricarda Bosch. Im Programmheft wird auch die Idee hinter den Bänken beschrieben: „Eine optisch auffällige Bank, auf der man Platz nimmt, um sich mitnehmen zu lassen, kostenlos und ganz unbürokratisch“.

Mitfahrerbank: Eine andere Art des Trampens

Die Mitfahrerbank ist eine andere Art des Trampens und soll vor allem Leuten aus Dörfern helfen, in die umliegenden Orte zu kommen. Die zur Auswahl stehenden Orte sind bei den meisten Bänken auf Schilder geschrieben. So soll es auch in Iffeldorf sein. Die Bänke sollen den meist dürftigen Nahverkehr von Bus und Bahn ausgleichen. „Wir brauchen Mobilität“, sagt Ria Markowski von der Nachbarschaftshilfe.

Als erste Mitfahrerbank Deutschlands gilt ein Exemplar, das 2014 in Speicher, Rheinland-Pfalz, aufgestellt wurde. Mittlerweile stehen die Bänke in ganz Deutschland. Im Umkreis von Penzberg sind bereits Benediktbeuern, Ried, Schlehdorf und Kochel mit von der Partie. Auch der Penzberger Bund Naturschutz überlege, eine Bank in Penzberg einzuführen, so Theresia Köpfer vom Iffeldorfer Bund Naturschutz.

Mitfahrerbänke in Iffeldorf: Kinder gestalten sie beim Ferienprogramm

In Iffeldorf haben die drei Vereine schon vor Monaten überlegt, Bänke aufzustellen. „Ich habe davon im Radio gehört und dachte mir: Das wäre was für hier“, erinnert sich Uschi Stolz vom Bund Naturschutz. Jetzt wird der Plan in die Tat umgesetzt: Fünf Bänke werden voraussichtlich im Oktober aufgestellt werden, berichtet Janine Hoepfner-Rademacher. Wo, sei noch offen. „Vermutlich an den Ortsausfahrten.“

Doch es sollen nicht beliebige Bänke sein: Die sieben Workshop-Teilnehmer dürfen die Holzbänke selbst gestalten und bemalen. Materialien wie Bretter, Farbe und Betonfüße haben größtenteils Vereine und Firmen gespendet. Am ersten Tag planen die Kinder und ein Jugendlicher die Muster für die Sitzflächen und Lehnen, am zweiten Tag setzen sie die Entwürfe in die Tat um. Isolde Künstler vom Verschönerungsverein erhofft sich, dass durch diese „Gemeinschaftsaktion“ die Bänke positiv aufgenommen werden – „von Iffeldorfern für Iffeldorfer“.

Die Kinder selbst halten die Bänke für eine gute Idee: Michaela Pankratz erklärt, dass in Iffeldorf meistens nur alle zwei Stunden ein Bus fährt. Also sind die Bänke schon praktisch, findet auch Ricarda Bosch. Allerdings werden die Mädchen sie erst nutzen, wenn sie älter sind. Tatsächlich wird die Benutzung der Bänke erst ab 16 Jahren empfohlen.

Mitfahrerbänke in Iffeldorf: Im Herbst soll Einweihung sein

Ein weiterer Vorteil: Man spart sich eine Autofahrt. „Es werden nicht mehr so viele Abgase ausgestoßen“, sagt Raphael Bosch. Er bemalt die Bänke mit einer Reihe Autos. Der 19-jährige Lukas Nürnberger, der einzige Jugendliche der Runde, lässt sich von seinem Skizzenbuch inspirieren und malt einen Heißluftballon. „Das steht für den Aufbruch.“ Er selbst sei schon häufiger getrampt und findet, die Bänke machen das Trampen einfacher. Sie hätten auch einen sozialpolitischen Faktor: Sie bringen Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zusammen und fördern Gespräche zwischen ihnen. Uschi Stolz malt detailliert die Iffeldorfer Landschaft auf eine Lehne. So wolle sie ihre Heimat verewigen. Die Kinder malen indes Blumen, Schmetterlinge und Seifenblasen. „Sie haben einen Riesenspaß“, sagt Ria Markowski.

Jede Bank hat eine Leiste in Knallrot, die den Schriftzug „Mitfahrerbank“ in Großbuchstaben trägt. Ein Einweihungsfest soll im Herbst sein.

Lesen Sie auch:Mehr Mobilität für Senioren - vier Mitfahrer-Bankerl für Benediktbeuern

Und: Grundschule Iffeldorf: Abschied von Leiterin Berta Maier mit Rosen, Musik und Zirkus

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