+
Das Berufscafé in Penzberg gibt es mittlerweile seit zehn Jahren. Hier erzählen (v.l.) Heidi Damböck, Franziska Bachmeier und Olga Bauereis den Jugendlichen von ihrer Arbeit. 

Wirtschaft

Im Penzberger Berufscafé werden seit zehn Jahren Jobs vorgestellt

  • schließen

Seit zehn Jahren gibt es in Penzberg das Berufscafé. Rund 500 verschiedene Jobs wurden den Jugendlichen seit dem Start im Jahr 2009 vorgestellt. 

Penzberg – Es waren die Anfangszeiten des Berufscafés, als Franziska Bachmeier selbst zu einem der Treffen kam. Damals besuchte die heute 25-Jährige noch die Penzberger Realschule. Sie sei damals mit ihrem Bruder gekommen, es sei um einen Bauberuf gegangen, erzählt die junge Frau. Ein Geselle und ein Ausbilder berichteten über ihre Arbeit. So genau weiß sie das nicht mehr. Aber: „Ich fand es cool, dass es so etwas gibt. Es war eine nette Atmosphäre.“ Sie habe danach regelmäßig geschaut, welche Berufe vorgestellt werden, sagt Franziska Bachmeier. Sie würde Jugendlichen jedenfalls dazu raten, das Berufscafé zu besuchen. „Man bekommt einen ehrlichen Eindruck und kann selber Fragen stellen.“

Beim jüngsten Berufscafé-Treffen sitzt sie auf der anderen Seite, als Referentin vor rund 30 Jugendliche. Franziska Bachmeier hat nicht den Bauberuf gewählt, über den sie einst im Berufscafé mehr erfuhr. Sie ist heute Gesundheits- und Krankenpflegerin in den kbo-Lech-Mangfall-Kliniken. Im Berufscafé will sie über ihre Arbeit als Krankenschwester in der Psychiatrie erzählen. Seit einem Jahr arbeitet sie in Garmisch-Partenkirchen.

Das Berufscafé bietet Arbeitgebern eine gute Möglichkeit für ihren Beruf zu werben

Die Klinik sucht Nachwuchs. Da geht es ihr wie vielen anderen Arbeitgebern, die vom Fachkräftemangel geplagt sind. Für diese ist das Berufscafé eine gute Möglichkeit, für ihren Beruf zu werben. Häufig melden sich deshalb Arbeitgeber von selbst bei der Initiatorin Petra Zott-Endres. Nicht anders war es bei den Lech-Mangfall-Kliniken. „Ich habe mich an das Berufscafé erinnert und davon in der Klinik erzählt“, sagt Franziska Bachmeier, die nun gemeinsam mit Bezirksleiterin Olga Bauereis und Pflegedirektorin Heidi Damböck vor den Schülern sitzt. Die 25-Jährige erzählt den Jugendlichen von ihrer Ausbildung nach dem Fachabitur, von der Arbeit mit den psychisch kranken Patienten, wie sie sie motiviert und vor Gefahren schützt, vom Kontakt mit den Ärzten und vom Schichtdienst. Es klingt authentisch, sie beschönigt nichts und spricht die Sprache ihrer jungen Zuhörer. Das kommt an.

Das erste Berufe-Treffen fand im Februar 2009 statt. Damals hieß es noch – etwas steif – Orientierungscafé. Initiiert wurde es von der Koordinierungsstelle „Fit für den Beruf“, hinter dem das Penzberger Familienzentrum Arche Noah steht. Die Namen haben mittlerweile gewechselt. Die Treffen heißen heute Berufscafé und die Koordinierungsstelle hat seit 2016 den Namen „Passgenau“. Gleich geblieben ist der Träger, das Familienzentrum. Und die Organisatorin: Petra Zott-Endres. Sie ist seit dem Start vor zehn Jahren dabei. In der Initiative „Passgenau“ hat die Diplom-Pädagogin heute die Sozialpädagogin Melinda Veres an der Seite. Finanziell gefördert wird das Projekt durch das EU-Programm „Leader“, von der Agentur für Arbeit und von Sponsoren.

Rund 500 Berufe wurden bereits vorgestellt

Von Anfang an sollten die Treffen den Jugendlichen als Wegweiser durch den Dschungel der Berufswelt dienen. Schüler sollten erfahren, dass es eine Vielzahl an Berufen gibt. „Wir wollen, dass sie direkt mit den Berufsvertretern in Kontakt treten können“, sagt Petra Zott-Endres. „Die persönliche Schilderung ist etwas anders, als in Handbüchern zu blättern.“ Ein Nebeneffekt sei auch, dass die Jugendlichen lernen, Fragen zu stellen.

Von Beginn an stellte die islamische Gemeinde in Penzberg ihre Cafeteria für die Treffen zu Verfügung, die in den ersten Jahren wöchentlich, jetzt alle 14 Tage an einem Donnerstag stattfinden. Etwa 250 Treffen habe es 2009 geben, schätzt Petra Zott-Endres. Dabei seien „sicher 500 Berufe“ vorgestellt worden. Die Liste reicht vom Bankkaufmann bis zum Richter, vom Industriemechaniker bis zur Hotelmeisterin, vom Chemikanten bis zum Glasermeister. Jedes Mal erzählen Leute aus der Praxis von ihrem Beruf.

Schüler aller Schularten sind vertreten

Besucht werden die Treffen von Jugendlichen aller Schularten. Der Schwerpunkt liege vielleicht auf der Mittelschule, sagt Petra Zott-Endres. Viele Besucher sind aber auch von der Montessori-Schule. Je nach Berufsart kommen aber auch Gymnasiasten. Die Realschüler werden in der neunten Jahrgangsstufe vom „Passgenau“-Team zudem direkt in der Schule mit Workshops und Training fürs Vorstellungsgespräch betreut.

Bringt es etwas? „Das ist die zentrale Frage“, antwortet Petra Zott-Endres. Der Erfolg lasse sich natürlich schwer messen. Es komme aber schon vor, dass sich jemand meldet und erzählt, ihm habe das Berufscafé bei der Berufswahl geholfen. Und da sind eben die Betriebe selbst, die bei solchen Treffen um Nachwuchs werben wollen – wie Franziska Bachmeier und die Mangfall-Kliniken.

Nächstes Treffen

Das nächste Berufscafé ist am kommenden Donnerstag, 17. Januar, ab 14 Uhr in der Cafeteria des Islamischen Forums (Bichler Straße). Die Firma „Eventa AG/Livebau“ stellt unter anderem die Berufe des Mediengestalters und Veranstaltungstechnikers vor.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Halteverbot und mehr Parkplätze - Verkehrsplaner für Nantesbuch und Oberhof eingeschaltet
Ein Verkehrsplaner soll für Nantesbuch und Oberhof im Norden von Penzberg prüfen, wie der Verkehr sicherer und flüssiger werden kann. Im Gespräch sind sowohl ein …
Halteverbot und mehr Parkplätze - Verkehrsplaner für Nantesbuch und Oberhof eingeschaltet
Aus pikantem Grund: Problem-Pfaue treiben ganzes Dorf in den Wahnsinn - Jetzt hat der Spuk ein Ende
Drei Pfaue terrorisierten tagelang ein Dorf in Bayern: Anwohner konnten in Magnetsried nicht mehr schlafen - aus einem pikanten Grund. Jetzt ist Schluss mit Radau.
Aus pikantem Grund: Problem-Pfaue treiben ganzes Dorf in den Wahnsinn - Jetzt hat der Spuk ein Ende
Stelldichein der „Dinosaurier“ und „Pferde“
Bei der Firma „HK Engineering“ von Hans Kleissl war ein ganz besonderes Spektakel zu erleben. Aus ganz Deutschland und auch aus Österreich kamen Fahrer mit ihren alten …
Stelldichein der „Dinosaurier“ und „Pferde“
Riesenandrang beim Treff der „Gasoline-Gang“: Nostalgische Automobil-Zeitreise
Ein Wohlfühl-Ambiente für Technik- und Autofreunde war am Samstag beim achten Oldtimertreffen auf dem Tiefstollengelände geboten. Neben viel Chrom und historischem Rost …
Riesenandrang beim Treff der „Gasoline-Gang“: Nostalgische Automobil-Zeitreise

Kommentare