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Immer mehr brauchen Hilfe: Zahl der Tafel-Kunden in Penzberg stark gestiegen

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Von: Franziska Seliger

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Ein Teil des Teams der Penzberger Tafel: Die beiden Leiterinnen Christine Geiger (4. v. re.) und Ursula Floßmann (5. v. re.) mit einigen der ehrenamtlichen Mitarbeitern; darunter Flüchtlinge aus der Ukraine und Studentinnen aus Penzberg. „Auch die Letzten sollen nicht leer ausgehen“, betont Christine Geiger
Ein Teil des Teams der Penzberger Tafel: Die beiden Leiterinnen Christine Geiger (4. v. r.) und Ursula Floßmann (5. v. r.) mit einigen der ehrenamtlichen Mitarbeitern; darunter Flüchtlinge aus der Ukraine und Studentinnen aus Penzberg. „Auch die Letzten sollen nicht leer ausgehen“, betont Christine Geiger © . Seliger

Die Penzberger Tafel hat derzeit so viele Gäste zu versorgen wie noch nie. Unterstützung bekommen die Ehrenamtlichen dabei von einigen Flüchtlingen aus der Ukraine. Und auch junge Leute packen seit Kurzem mit an.

Penzberg – Die Ehrenamtlichen der Penzberg Tafel haben es nicht leicht – schon lange nicht mehr. Denn schon die zahlreichen Beschränkungen und Vorgaben während der Hochphase der Pandemie haben den Helfern das Helfen deutlich erschwert (wir berichteten).

Bis jetzt läuft der Betrieb noch nicht wie in Vor-Corona-Zeiten. Dann kamen zahlreiche afghanischen Ortskräfte nach Penzberg, von denen viele schnell Gäste bei der Tafel wurden. Und seit Beginn des Ukraine-Krieges sind vermehrt Menschen aus diesem osteuropäischen Land dazu gekommen, die als Flüchtlinge die Tafel aufsuchen.

Wie Christine Geiger und Ursula Floßmann vom Leitungsteam der Penzberger Tafel berichten, sind es aktuell 415 Menschen – beziehungsweise 154 Haushalte – in Penzberg, die einen Tafelausweis besitzen und damit berechtigt sind, sich hier einmal wöchentlich mit Lebensmitteln zu versorgen – darunter seien 198 Kinder.

Von den 415 Kunden, so Floßmann, seien 181 aus der Ukraine und 82 afghanische Ortskräfte. Zur wöchentlichen Tafel-Öffnung bildete sich mittlerweile regelmäßig eine lange Schlange vor dem Gebäude an der Siegmundstraße. Zum Vergleich: Im März dieses Jahres zählte die Tafel laut Floßmann noch insgesamt 180 Kunden. Und Weihnachten 2021 waren es noch 125.

Zahl der Ehrenamtlichen bleibt nahezu gleich

Ihnen gegenüber steht die Anzahl an ehrenamtlichen Helfern, die die Lebensmittel aus den Supermärkten abholen und in die Räume der Tafel bringen. Sie sortieren die Waren und richten den Verkausraum für die Kunden her. Sie helfen bei der Ausgabe und putzen die Räume im Anschluss. Ihre Anzahl ist mit 28 nahezu gleich geblieben, sagen Geiger und Floßmann. Etwa 15 von ihnen hätten an einem AusgabenTag Dienst; und zwar von etwa neun bis 15 Uhr.

Drei dieser Ehrenamtlichen sind seit kurzem Oleh (40), Evgenia (33) und Alexander (47). Alle drei kommen aus der Ukraine und sind vor dem Krieg nach Penzberg geflüchtet. Oleh und Evgenia waren gerade im Urlaub in Sri Lanka, als der Krieg ausbrach. Beide sprechen berufsbedingt sehr gut Englisch. Auch Deutsch klappt schon ganz gut. „Die Deutschen haben uns so geholfen“, sagt der Bauingenieur Oleh, der in der Ukraine eine eigene Firma hat. Mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz wollen sie etwas von dieser Hilfsbereitschaft zurückgeben und etwas Sinnvolles tun. „Hier können wir Deutschen und Ukrainern zusammen helfen“, findet Evgenia. Außerdem erleichtere die Tätigkeit ihre eigene Integration, sagt sie.

Ukrainer packen mit an und übersetzen

Floßmann und Geiger sind unheimlich froh über diese Hilfe. „Sie sind eine riesige Unterstützung“, betont Floßmann. Dank der drei Ukrainer könnten sie viel einfacher mit den anderen ukrainischen Tafelkunden kommunizieren. Außerdem fungierten die drei Ukrainer als Ansprechpartner für ihre Landsleute; etwa bei der Übersetzung behördlicher Dokumente. „Sie sind eine Bereicherung“, betont Geiger. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft“, sagt Geiger und meint damit die große Sprachbarriere zwischen den Tafel-Helfern und ihren Kunden aus der Ukraine.

Anders als die anderen Helfer sind Oleh, Evgenia und Alexander derzeit jede Woche bei der Tafel-Ausgabe im Einsatz – so wie übrigens auch Ines (20) und Svenja (21). Die beiden Penzbergerinnen haben gerade Semesterferien und beschlossen, diese zwei Monate sinnvoll zu nutzen. „Viele Leute sind sehr dankbar“, erzählt Svenja. „Und das Helfer-Team ist sehr cool.“

„Teamgeist, Kraft und Miteinander sind enorm“

Dass die Helfer-Truppe der Tafel großartig zusammenarbeitet und sich prima versteht, können Floßmann und Geiger nur bestätigen. „Teamgeist, Kraft und Miteinander sind enorm“, sagt Geiger. Mehr Helfer bräuchten sie deshalb auch gar nicht –trotz der gestiegenen Kundenzahl. Und die Ausgabe öfter als einmal wöchentlich anzubieten, sei nicht machbar. „Das wäre einfach zu viel organisatorischer Aufwand“, so Floßmann.

Auch bei der Penzberger Tafel merkt man den Preisanstieg bei Lebensmitteln. „Die Anzahl der Lebensmittel, die wir von den Supermärkten bekommen, hat sich seit Beginn des Krieges in der Ukraine reduziert“, so Floßmann. Vor allem Brot werde seltener gespendet. Geiger vermutet, dass die Märkte versuchten, besser mit ihren Waren zu haushalten. „Oder sie bekommen gar nicht mehr so viel Ware“, vermutet Floßmann.

Anders als die Tafeln in anderen Städten, die aus Mangel an Lebensmittelspenden schließen mussten, könne es sich die Penzberger Tafel dank großzügiger Sponsoren und Spender aber leisten, Waren zuzukaufen. Das müssten sie derzeit auch „massiv“ tun, so Floßmann. Wenn in den Spenden der Supermärkte etwa kein Brot, keine Eier oder nicht genug Yoghurt dabei ist, fahren die beiden Frauen los und kaufen dazu, was sie für die Ausgabe noch brauchen. Denn ihr Anspruch sei: „Auch die Letzten sollen nicht leer ausgehen“, betont Geiger. Und an diesem Anspruch werden sie festhalten.

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